Erbaut: 2. Hälfte 17. Jahrhundert
Parzellennummer 1836: 130
Grundfläche des Hauses 1836: 14,5 Quadratruten (entspricht ca. 119 qm)
Scheune: 9,3 Quadratruten (entspricht ca. 76,3 qm)
Steueranschlag 1745: 166 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Zinsfrei

Beim Hochwachtturm 8 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Beim Hochwachtturm 8 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Das Gebäude Am Hochwachtturm 8 bestand aus einem Haus, einer dazugehörigen Scheune und einem kleinen Anbau. Der Wohnbereich dürfte sich an der Zufahrt, hinter der hübschen und mit einigen Fachwerkschmuckelementen gestalteten Fassaden befunden haben. Die etwas kleinere Scheune und der Anbau nahmen vermutlich den hinteren und den querstehenden Teil ein. Das Gebäude scheint in neuerer Zeit umgebaut worden zu sein, eine genaue Zuordnung der ehemaligen Nutzungen und Umbauphasen könnte nur durch eine bauhistorische Untersuchung geklärt werden. Der geringe Steueranschlag von 166 Gulden und die Benennung als „altes“ Gebäude in den Güterbüchern könnte darauf hindeuten, dass sich das Anwesen im 18. Jahrhundert in einem schlechten baulichen Zustand befand.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine alte 3. Stockichte Behausung, mit einem Anbäulen auch einer s: v: Tung Legin, beÿm Bauhoff, Zwischen der Allmand, und dem Bauhoff, stost Vornen auf die Gaß, und hinten H.[err] Lam[m]wirth [David Melchior] Riegers Scheuren.

Lage

Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude handelt es sich um dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches im Bereich eines kleinen Straßenplatzes beim Zehntbrunnen deutlich in den Straßenraum vorspringt und dadurch eine straßenbildprägende Wirkung hat. Über einem relativ niedrigen, massiv gemauerten Erdgeschoss erheben sich zwei fachwerksichtige Obergeschosse. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. An der Südseite befindet sich ein ebenfalls dreigeschossiger Anbau mit Satteldach. Das östliche Giebeldreieck mit leichten Geschossvorstößen und Zierfachwerk.

Bau- und Besitzgeschichte
Beim Hochwachtturm 8 von 1904 (Bildquelle: Helmut Proß)Beim Hochwachtturm 8 von 1904 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Areal am Hochwachtturm liegt am höchsten Punkt der Waiblinger Altstadt und ist geprägt durch eine Bebauung um einen großen Innenhof. Der einzige Zugang verläuft zwischen den Gebäuden Beim Hochwachtturm 7 und 8, nach Osten grenzt die Stadtmauer an, nach Süden fällt das Gelände steil zur Hadergasse ab. Am Hochwachtturm existierte bis ins 19. Jahrhundert kein Durchgang durch die Stadtmauer, wer von hier die Stadt verlassen wollte, musste in einem Bogen bis zum Fellbacher oder Schmidener Tor fahren oder laufen. Das Areal befand sich also in einer etwas umständlich zu erreichenden Sackgasse. Außer den beiden Gebäuden Beim Hochwachtturm 7 und 8 standen hier überwiegend Scheunen, im südlichen Teil die große Zehntscheune der Herrschaft, direkt am Hochwachtturm die Zehntscheune des Heiligen Veit in Mühlausen am Neckar und einige Scheunen von Privatpersonen, die aber im 18. und 19. Jahrhundert nach und nach zu Wohnhäusern umgebaut wurden. Das ganze Areal hatte den Charakter eines Wirtschaftshofs was durch die lockere Bebauung noch verstärkt wurde. Es wird heute auch als „Zehnthof“, nach der großen Zehntscheune der Herrschaft und in den historischen Quellen als „Bauhof“ bezeichnet. Vermutlich stand hier die salisch-staufische Burg, der Ursprung der Besiedlung der Waiblinger Altstadt. Da die meisten Gebäude hier zinsfrei waren, werden sie in den herrschaftlichen Lagerbüchern nicht genannt, die Besitzgeschichte läßt sich meist nur bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die Eigentümer des Gebäude waren ausschließlich Handwerker, vor allem die Wagner-Familie Fenninger. Die zum Gebäude gehörige Scheune legt nahe, dass die Bewohner im Nebenerwerb auch Landwirtschaft betrieben haben.

2. Hälfte 17. Jahrhundert
Gefügekundlich läßt sich die Fachwerkstruktur in die Wiederaufbauzeit nach dem großen Stadtbrand von 1634 datieren. Genauere Hinweise kann hier nur eine bauhistorische Untersuchung liefern.
 

1745
Johann Georg Bunz, Weißgerber

1753
Jakob Friedrich Kull, davor sein Ehevorgänger Johann Jakob Beck

1758
David Fenninger, Wagner

1798
Dreiviertel des Hauses wird dem Sohn Matthäus Fenninger, Wagner übereignet

Beim Hochwachtturm 8a (Bildquelle: Martin Klöpfer)Beim Hochwachtturm 8a (Bildquelle: Martin Klöpfer)1806
Matthäus Fenninger ist Besitzer des gesamten Hauses

1832
Dreiviertel des Hauses ist im Besitz von Johannes Braun, Wagner Ehefrau, später Witwe

1863
Karl Durchlaub ist alleiniger Eigentümer des Gebäudes

1870
Jakob Maas