Parzellennummer 1836: 224
Grundfläche des Hauses 1836: 17,9 Quadratruten (entspricht ca. 146,9 qm)
Steueranschlag 1745: 381 Gulden, 30 Kreuzer
Grundherrliche Abgabe:
Salmemer Pflege in Esslingen 43 Kreuzer
Kurze Strasse 11 (Bildquelle: Helmut Proß)Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung mit einem Anbau, und einer s: v: Tung Gerechtigkeit in der Kurzen Gaßen, Zwischen H.[err] Johann Heinrich Burckartsmajer, und des H[errn] Jnnhabers Kuchen Gartten, stost Vornen auf die Kurtze Gaßen, und hinten das BadGäßlen.
3 Hofstättlen, so 7¾ Ruten und dermalen ein Küchengarten in der Kurzen Gaße, neben vorbeschriebenem Haus und Anbau.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 11 handelt es sich um ein dreigeschossiges, giebelständiges Gebäude, welches durch seine reich bemalte Zierfachwerk-Fassade straßenbildprägend ist. Über einem massiv gemauerten Erdgeschoss erheben sich zwei Fachwerk-Vollgeschosse, die straßenseitig eine symmetrischen Fassadengliederung besitzen. Nach oben schließt das Gebäude mit drei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Dachgeschosse zeigen giebelseitig leichte Stockwerksvorstöße.
Das Haus Kurze Straße 11 war dem Kloster Salem am Bodensee zinspflichtig, das am Mittleren Neckar umfangreiche Besitzungen hatte und deshalb einen Pfleghof in Esslingen unterhielt. Aus den Klosterlagerbüchern erfahren wir die Namen der Eigentümer des Vorgängerbaus von 1572 Bartholomäus Beck und die drei Kinder Margaretha, Anna und Veronika des Jakob Taler. Über Beck ist nur bekannt, dass er um 1550 eine Margaretha Burkhard geheiratet hat und 1553-1569 als Schütze gemustert wurde. Sein Miteigentümer Jakob Taler wurde 1553 bis 1560 als Spießer ohne Rüstung gemustert und ist 1566 in den Türkenkrieg nach Ungarn gezogen. Seine drei unverheirateten Töchter hat er in Waiblingen zurück gelassen. Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 expandierten die Türken verstärkt nach Norden, was in den 1520er Jahren zu Eroberungen auf dem Balkan und in Ungarn führte. Seitdem stellten sie eine dauernde Bedrohung des Reiches dar, die in der Belagerung von Wien 1529 gipfelte. Im Jahre 1566 hatte der Reichstag in Augsburg eine besonders großzügige Türkenhilfe bewilligt, die zur Aufstellung eines Heeres führte, dessen Stärke sich auf etwa 50.000 Mann belaufen haben soll. Die drei Söldner aus dem Amt Waiblingen, Jakob Wolf, Valentin Blei und Jakob Taler scheinen aber nicht nach Hause zurückgekehrt zu sein, da sie später in den Quellen nicht mehr nachweisbar sind.
Die Besitzgeschichte des Hauses Kurze Straße 11 nach dem Stadtbrand von 1634 ähnelt derjenigen des Nachbargebäudes Kurze Straße 15. Während im 18. Jahrhundert diese Gebäude von der städtischen Oberschicht bewohnt wurden, gelangten sie im frühen 19. Jahrhundert in den Besitz von Handwerkern oder wurden in ein Gasthaus umgewandelt. Die ersten bekannten Besitzer in dieser Zeit sind die Söhne des Magister Christian Käuffelin, Pfarrer in Unteröwisheim, die das Haus mit einer Scheune in der Nachbarschaft 1740 für 1.420 Gulden an Oberst Wilhelm von Nettelhorst verkauft haben. Sie hatten es vielleicht von ihrer 1728 gestorbenen Mutter, der Tochter des Waiblinger Amtsphysikus Johann Heinrich Gsell (1697-1736) geerbt. Wilhelm von Nettelhorst entstammte einem westfälischen Adelsgeschlecht und hatte in württembergischen Diensten als Obervogt von Backnang, Beilstein und Großbottwar Karriere gemacht. Er hat im Jahr 1700 das adlige Rittergut Bittenfeld erworben und es am 18.12.1739 (77-jährig) seinem Sohn übergeben. Danach zog er nach Waiblingen in die Kurze Straße 11, wo er bis zu seinem Tod am 20.11.1746 lebte. Seine Erben verkauften das Haus 1768 an den Stadtschreiber Christian Hagmaier, danach besaßen das Gebäude mit Unterbrechungen die Stadtschreiber Friedrich Ludwig Theuß, der später Oberamtsrichter in Nürtingen wurde und Christian Ludwig Ziegler. Das Gebäude befand sich aber nie im Besitz der Stadt, sondern war das Privathaus der Stadtschreiber. 1839 erfolgte ein Verkauf an Christian Ludwig Fritz, Bäcker, womit der erste Handwerker Eigentümer wurde. Ihm folgte 1846 der Färber Albrecht Häfner der zwei Drittel des Hauses erwarb und im Anbau seine Färberwerkstatt einrichtete. Danach waren die Besitzer nur noch Handwerker.
Kurze Str. 11 von 1902 (Bildquelle: Helmut Pross)Die Fachwerkbauten in der Waiblinger Altstadt waren im 19. und 20. Jahrhundert alle verputzt, grau, abgewohnt und unansehlich. Erst in den 1980er Jahren kam allmählich die Wertschätzung für Fachwerkarchitektur in der Allgemeinbevölkerung auf, was zu vielen Freilegungen und der Rekonstruktion von Fachwerk-Farbfassungen führte. Das Haus Kurze Straße 11 war eines der ersten Gebäude, deren Fachwerk freigelegt wurde. Die ungewöhnliche Ausmahlung mit marmorierter Holzbemalung und arabesker Gefachausmalung erregte damals großes Aufsehen, weil eine solch bunte Farbfassung an einem Fachwerkwerkhaus völlig ungewohnt war. Zwei Zimmer im dritten Geschoss sind mit qualitativ hochwertigen Stuckkassetten ausgestattet, die, da gehen die Meinungen der Kunsthistoriker auseinander, entweder aus der Zeit um 1670/80 stammen und dann von dem Stukkateur Nikolaus Waibel gefertigt wurden, der die Barockausstattung der Waiblinger Nikolauskirche übernommen hatte oder aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dannn wären sie von Wilhelm Albrecht von Nettelhorst beauftragt worden.
1572
Bartholomäus Beck und die drei Kinder Margaretha, Anna und Veronika des Jakob Taler, Anrainer Christof Zacher und das Große Bad
1740
Wilhelm Albrecht von Nettelhorst zu Bittenfeld, kauft das Haus und eine Scheune in der Nähe von den Söhnen des Magister Christian Käufele für 1.420 Gulden. Diese hatten das Haus vielleicht von ihrem Großvater Johann Heinrich Gsell, Amtsphysikus geerbt.
1768
Verkauf an den Stadtschreiber Christian Hagmaier
1771
Haus und Scheune in der Brandversicherung für 2.500 Gulden
1807
Litentiat Friedrich Ludwig Theuß, Stadtschreiber für 2.100 Gulden von Johann Friedrich Knauß erkauft
1820
Friedrich Ludwig Theuß, mittlerweile Oberamtsrichter Nürtingen an Rechnungs-Revisor Christian Hochstetter für 3.000 Gulden
1828
Von Amtsnotar Christian Hochstetter in Lorch an Ratsschreiber Christian Ludwig Ziegler für 2.700 Gulden
1839
2/3 von Ratsschreiber Ziegler an Christian Ludwig Fritz, Bäcker
1843
1/3 Christian Ludwig Ziegler, Ratsschreiber
2/3 Christian Ludwig Fritz, Bäcker
1846
2/3 von Bäcker Fritz an Albrecht Häfner, Färber
1848
1/3 von Ratschreiber Ziegler an Albrecht Häfner, Färber
1851
Abtretung des Allmandgäßle an die Stadt mit Durchfahrt.
1877
Die Färberei ist in einem am Badgäßle gelegenen Anbau eingerichtet.
1893
Gottlob Kienzle, Adlerwirt mit Garten für 16.000 Mark
1895
Karl Burger, Kupferschmied mit Ausnahme des Schuppens für 14.300 Mark
1897
Witwe Pauline, geb. Dürrschnabel
1898
Christian Friedrich Dautel, Rotgerber, durch Heirat mit der Witwe