Parzellennummer 1836: 217
Grundfläche des Hauses 1836: 23,4 Quadratruten (entspricht ca. 192,1 qm)
Scheune: 15,4 Quadratruten (entspricht ca. 126,4 qm)
Steueranschlag 1745: 242 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Geistlichen Verwaltung Waiblingen die Hälfte an 1 Pfund oder 21 Kreuzer 3 Heller
Kurze Str. 15 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
Das Haus Kurze Straße 15, wahrscheinlich als Wohnhaus der gehobenen Mittelschicht erbaut, wurde im 19. Jahrhundert zu einem Gasthaus umfunktioniert
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller, auch einer darzugehörigen s: v: Tung Gerechtigkeit 10. Schuch Lang, und 5. Schuch Breit, wie es in der Statt WegsteinBuch beshrieben und anderer zugehörd, in der Kurzen Gaßen, Zwischen dem Prcæceptorat Hauß, und Balthas Schäffern ein: anderseits Herrn L[i]t:[entiat] Johann Christoph Vollmars, vnd der verwittibten Fr:[au] Specialin Schmidin zu WeinsPerg gemeinshafftl:[ichen] Scheuren, stost Vornen auf die Kurze Gaßen, und hinten die StattMauren.
Gebäudebeschreibung 1877
Gebäude Nr. 217
Ein 2 stockiges Wohnhaus, die Gastwirtschaft zum Adler, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk mit gewölbtem Keller.
Gebäude Nr. 217a
Ein zweistockiger Anbau mit Saal und weiteren Wirtschaftsgelassen, im Erdgeschoß Scheuerntenne und Stallung, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk.
Lage
Kurze Str. 15 Ausleger (Bildquelle: Helmut Proß)Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 15 handelt es sich um ein zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude an der Einmündung zum Bädertörle-Weg. Die verputzten Fassaden lassen eine massive Erdgeschosszone und ein Fachwerk-Obergeschoss vermuten. Allerdings zeigt das Gebäude deutliche Veränderungen und Überformungen des 19. und 20. Jahrhundert. Die straßenseitige Giebelfassade wird durch aufgesetzte Eckquaderungen und zwei Gesimsbänder an den Dachgeschossen akzentuiert. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab.
Bemerkenswert ist der gusseiserne Wirtshausausleger in Form eines goldenen Adlers, der auf die Geschichte des Gebäudes als Gasthaus Zum Adler hinweist.
Bau- und Besitzgeschichte
Kurze Str. 15 von 1910 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Haus Kurze Straße 15, wahrscheinlich als Wohnhaus der gehobenen Mittelschicht erbaut, wurde im 19. Jahrhundert zu einem Gasthaus umfunktioniert. Der erste bislang bekannte Eigentümer war Johann Wendel Hegel, Geistlicher Verwalter. Danach wechselten die Besitzer in kurzer Folge durch Erbschaft oder Kauf, alle waren aber städtische Angestellte oder herzogliche Beamte. Auch in der Nachbarschaft wohnten einige Akademiker und direkt neben dem Haus lag die Lateinschule, die aber 1755 in die Kurze Straße 51 verlegt wurde. Diese Situation änderte sich 1824 grundlegend durch einen Verkauf an Gottfried Häberle und seine Frau Katharina Margaretha Kienzle. Sie bauten das Anwesen zur Gastwirtschaft „Adler“ mit Bierbrauerei um, möglicherweise die erste Brauerei in einer sonst stark vom Weinbau geprägten Stadt. Die Gaststätte muss floriert haben, anders sind die ständigen Erweiterungen und Umbauten nicht zu erklären: bereits 1836 kam ein weiteres Anwesen in der Nähe der Kelter, dem heutigen Feuerwehrgerätehaus dazu, 1842 wurde die Brauerei in der Kurzen Straße 15 in einen Neubau zwischen Stadtmauer und Mühlbach verlegt und eine zweite Bierkühlung wurde hinzugefügt. Die treibende Kraft bei dieser Geschäftstätigkeit muss Katharina Margaretha Kienzle gewesen sein, da sie das Pech hatte, dass drei ihrer Ehemänner kurz hintereinander starben. Sie war die 1772 geborene Tochter des Glasers Johannes Kienzle und der Maria Katharina Fenninger. Die Familie Kienzle war eine Waiblinger Handwerkerfamilie (Glaser, Seiler, Kannengießer), die zur Mittelschichte zählte, im 16. Jahrhundert vielleicht aus Kornwestheim eingewandert war und zu den wenigen Familien gehörte, die die Katastrophe von 1634 überlebt haben und anschließend vor Ort geblieben sind. 1849, nach 25-jähriger Geschäftstätigkeit, hat das Ehepaar Hutzel-Kienzle das Anwesen an Johannes Kienzle, vermutlich ein Verwandter der Ehefrau, um 7.200 Gulden verkauft. Johannes Kienzle baute die Gastwirtschaft weiter aus, stattete das Dachgeschoss mit Gästezimmern aus, baute Nebengebäude für eine Wohnnutzung um, erweiterte die Brauerei um ein zweites Kühlhaus und ein massives Malzdörrgebäude, bis er schließlich 1887 das Anwesen an seinen Sohn Gottlob weitergab.
vor 1706
Johann Wendel Hegel, Geistlicher Verwalter
1706
Johanna Maria Zweifel, Witwe des Pfarrer in Beinstein kauft das Haus um 1.200 Gulden, Anlieger Dr. med. Heinrich Gsell und die lateinische Schule (Präzeptoratsbehausung) und Hans Jakob Klein.
1708
deren Schwiegersohn Johann Sack, Stadt- und Amtspfleger
1712
dessen Schwager Johan Reinhard Zweifel, Amtmann in Beinstein
1712
Vogt Christoph Friedrich Speidel
1729 und 1739
dessen Witwe und Erben
1739
Christof Melchior Sattler, Stadt- und Amtspfleger, Christof Friedrich Speidels Schwiegersohn
1740
Johann Gottlieb Jäger, Stadt- und Amtsschreiber 1735 bis zu seinem Tod am 30.12.1766, Sohn des Bürgermeisters Johann Christof Jäger verh. 1735 mit Christina Magdalena, Tochter des Bürgermeister Johann Weißer, verh. II. Maria Margaretha Maier, Pfarrerstochter von Steinenberg.
1752
Verkauf an Med. Lic. Christoph Ferdinand Hölder, Stadt- und Amtspysikus (Oberamtsarzt) um 1.150 Gulden.
1824
Von den Erben kauft Gottfried Häberle gemeinsam mit seiner Frau Katharina Margaretha Kienzle das Haus gemeinsam mit zwei halben, ganz in der Nachbarschaft gelegenen Scheunen um 3.600 Gulden.
1828
Nach dem Tod des Gottfried Häberle, zunächst die Witwe Katharina Margaretha Kienzle, dann ihr zweiter Mann Johann Adam Koch.
1834
Gottfried Bauder, der dritte Mann der Katharina Margaretha Kienzle
1837
Johann Hutzel, der vierte Mann der Katharina Margaretha Kienzle
1842
Johann Hutzel verlegt die Bierbrauerei in einen Neubau zwischen Stadtmauer und Mühlbach, Neubau einer 2. Bierkühle.
1849
Das Ehepaar Hutzel verkauft um 7.200 Gulden das gesamte Anwesen an Johannes Kienzle.
1850
Johannes Kienzle baut im Dachgeschoss Gästezimmer ein.
1858
Johannes Kienzle baut in seine neben Wohn- und Brauereigebäude liegende Scheune einen Saal ein. Der Dachstuhl der Scheune wird abgerissen, angehoben und der Höhe des Wohnhauses angeglichen.
1861
Ein Kühlhaus wird über dem Mühlkanal auf Freipfosten an das Bierbraueigebäude gebaut. Das Areal ist sonst Eigentum des jeweiligen Mühlenbesitzers.
1862
Eine weitere danebenliegende Scheune wird zu Wohnzwecken umgebaut. Beim Verkauf von 2. Ruten Schulgärten ist festgelegt: der Käufer verpflichtet sich, dass die städtischen Behörden und deren Arbeiter jederzeit durch das Brauereigebäude gehen dürfen, um zu dem unverkauften Stadtgärtle und zur Stadtmauer zu gelangen.
1868
Bau eines neuen massiven Malzdörrgebäude hinter dem Adler.
1887
Johannes Kienzle verkauft das Anwesen an seinen Sohn Gottlob Kienzle um 33.000 Mark.
Historische Aufnahmen
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