Erbaut: 1685 (inschriftlich datiert)
Parzellennummer 1836: 207
Grundfläche des Hauses 1836: 12,0 Quadratruten (entspricht ca. 98,5 qm)
Scheune: 9,2 Quadratruten (entspricht ca. 75,5 qm)
Steueranschlag 1745: 291 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Zinsfrei
Inschriften:
H[ans] M[ichael] H[alm] B[abara] H[alm]
1685

Kurze Str. 18 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Kurze Str. 18 (Bildquelle: Jörg Heinrich)

Das Haus Kurze Straße 18 ist eines der besterhaltenen und typischsten Handwerkerhäuser aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aufgrund seines Bauschmucks mit Zierfachwerk, zwei Neidköpfen und einer Inschriftentafel ist ein schönes Beispiel für den Repräsentationsanspruch der Waiblinger Handwerkerfamilien in dieser Zeit.

GebäuKurze Str. 18 Rückseite (Bildquelle: Jörg Heinrich)Kurze Str. 18 Rückseite (Bildquelle: Jörg Heinrich)debeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. Stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller, Hoffreithe und s: v: Tung Gerechtigkeit in der Kurzen Gaßen, Zwischen Georg Leonhard Künzer Mezgern ein: anderseits Melchior RömersPerger und H[an]ß Georg Großer Weing:[ärtner], stost vornen mit der Tung Legin auf Matthes Dempfen, und der Jnnhaberin [Johann Michael Halm Witwe] Anbäulen, und hinten das Heu Gäßlen.

Eine kleine Scheuren nächst an Vorgemeldtem Hauß, Zwischen Jhro Gnaden Herrn Obrist von Nettelhorst, und der Jnnhaberin [Johann Michael Halm Witwe] Hoffreithe, stost Vornen auf H.[err] Burgermeister Johann Christoph Jäger, und hinten Melchior RömersPerger und Johann Georg Großer.

Lage

Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 18 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Gebäude unweit des Marktplatzes. Mit seinem westlichen Giebel ist das Haus zur Neuen Gasse hin orientiert. Der Ostgiebel zeigt hingegen zur Kurzen Gasse, wo sich vor dem Gebäude ein Hofraum öffnet. Das sehr markante Bauwerk besitzt eine hohe, massiv gemauerte Erdgeschosszone, die heute durch den Einbau eines Gasthauses geprägt wird. Darüber erheben sich zwei Fachwerk-Obergeschosse, die aufwändig gestaltetes Zierfachwerk mit geschweiften Andreaskreuzen, Rautenmotiven und geschnitzten Kopfwinkelhölzern zeigen. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Geschossebenen zeigen giebelseitig Stockwerksvorstöße über profilierten Schwellen.

Bau- und Besitzgeschichte
Im Februar 1684 kaufte Hans Michael Halm, der neue Küfer der herrschaftlichen Verwaltung in Waiblingen, von Elisabetha Zacher eine seit dem Stadtbrand von 1634, für über 50 Jahre leerstehende Hofstatt in der Kurzen Straße, kurz vor der Einmündung auf den Marktplatz für 50 Gulden. Elisabetha Zacher war die Frau von Wolfgang Zacher, dem Verfasser der Zacherchronik, der von 1638 bis 1643 Vogt in Waiblingen war, danach aber wegen Korruption angeklagt wurde und bis zu seinem Tod 1689 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte (siehe Marktplatz 9 – Untere Apotheke).

Kurze Str. 18 Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer)Kurze Str. 18 Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer)

Hans Michael Halm ließ ein 3-stockiges Haus mit einem steinernen Erdgeschoß und Zierfachwerk in den Obergeschossen errichten. Rechts vom Haus gehörte eine Scheune zu seinem Anwesen, das sich um einen kleinen Hof gruppierte. Am Haus sind zwei Neidköpfe, ein steinerner und ein hölzerner und eine Inschriftentafel eingebaut. Der steinerne Neidkopf ist unter einem Kragstein am oberen Abschluß des Erdgeschoß angebracht und fällt auf durch seine aufgerissenen Augen, Segelohren, ein längliches Kinn und einen langen, sich bis zu den Ohren ziehenden Schnurrbart. Der hölzerne Neidkopf, das einzige Exemplar in der Waiblinger Altstadt aus diesem Material, befindet sich ganz oben unter dem Giebel. Er besteht aus einem recht kleinen Maskengesicht das in Schräglage nach unten blickt. Durch seine Häßlichkeit und den Grimmassencharakter zeigt er am ehesten die ursprüngliche Form des Neid- oder Schreckkopfes. Die Inschriftentafel nennt die Initalen H[ans] M[ichael] H[alm] und seiner Ehefrau B[arbara] H[alm] und die Jahreszahl 1685. Die Mitte bilden Küferwerkzeuge, ein Hammer und zwei gekreuzte Bandhaken, ein Spezialwerkzeug, mit dem Faßreifen über die Dauben gezogen wurden. Die rahmende Kartusche besteht aus Rollwerk, einer Dekoration mit verschränkten und aufgerollten Formen. Sie kam spätestens mit dem Dreißigjährigen Krieg aus der Mode, wird hier aber interessanterweise noch verwendet, obwohl ganz in der Nähe von 1674 bis 1682 die Nikolauskirche bereits in frühbarocken Formen ausgestatt worden war.

Nach dem Tod des Hans Michael Halm 1706, gelangte das Anwesen in den Besitz seiner Witwe. Als diese 1720 ebenfalls starb, erbte es der gleichnamige Sohn, der ebenfalls Küfer war. Von seinen Nachkommen wurde das Anwesen hälftig aufgeteilt und war danach meist im Besitz von zwei Parteien, wobei die Eigentümer fast immer Handwerker waren. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Erdgeschoss zum Gasthaus zur Krone umgewandelt.

1685
Meister Hans Michael Halm, Kellereiküfer, Anrainer Salomon Weißer, Metzger, Veit Groß, Spielmann und Stefan Erhard.

Kurze Str. 18 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Kurze Str. 18 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)

Schlußstein von 1685 mit den Initialen von Hans Michael Halm und seiner Ehefrau Barbara Halm mit Handwerkssymbolen

1745
Johann Michael Halm, Küfer, gleichnamiger Sohn des Erbauers

1754
Die beiden Schwiegersöhne Forstknecht Gottfried Imisch von Geradstetten und Martin Müller, Bauer je hälftig

1774
Michael Müller, Metzger

1803
½ Daniel Körner, Bauer

1810
½ Eberhard Schnaufer, Metzger

1814
½ Johannes Pfleiderer Rotgerber

1818
½ Georg David Doderer, Ehenachfolger des Michael Kaufmann, Kronenwirt

1831
½ Georg David Doderer, Kronenwirt
¼ Daniel Körner, Bauer
¼ Michael Müller, Witwe

1843
Gottfried Merz, Kastenknecht und Johannes Schlicht, Weingärtner je hälftig

1862
Louis Sauer, Metzger und Friedrich Walter, Küfer je hälftig

1869
½ Ferdinand Friedrich Schweizer, Metzger

1872
½ Jakob Friedrich Mast, Händler

1876
½ Wilhelm Schmollinger, Handelsmann

1883
Jakob Friedrich Mast kauft die andere Hälfte dazu und ist nun Eigentümer der ganzen Gebäudes.

Kurze Str. 18 um 1970 (Bildquelle: Heinitz, Tafel 78)Kurze Str. 18 um 1970 (Bildquelle: Heinitz, Tafel 78)

Literatur- und Quellenhinweise:

Erich Scheible: Die Neidköpfe in der Waiblinger Altstadt, ein besonders typischer Hausschmuck der Vergangenheit, in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 7, 1984, S. 210-234.