Parzellennummer 1836: 22
Grundfläche des Hauses 1836: 20,0 Quadratruten (entspricht ca. 164 qm)
Steueranschlag 1745: 322 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Spital Esslingen 10 Schilling oder 21 Kreuzer, 4 Heller
Geistliche Verwaltung 10 Kreuzer, 5 Heller
Kurze Str. 2 (Bildquelle: Helmut Proß)
Das langgestreckte Gebäude Kurze Straße 2, das schon aufgrund der fehlenden Nebengebäude als Geschäftshaus gekennzeichnet ist, befindet sich in einer Ecksituation an der Einmündung der Kurzen Straße in die Lange Straße. Es liegt mit der Hauptfassade an der Kurzen Straße, während die unscheinbare schmale Hausseite an die Lange Straße grenzt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine neue 2. stockichte Behausung mit 2. gewölbten Kellern in der Langen Gaßen, beÿm Gänßbronnen, zwischen der Kurtzen Gaßen und H:[err] Philipp Lippen, stost vornen auf die Lange Gaßen, und hinten Philipp Eckerten.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 2 handelt es sich um ein stattliches, zweigeschossiges Gebäude in Ecklage zur Lange Straße. Über einem massiv gemauerten Erdgeschoss, welches teils sandsteinerne Eckquaderungen besitzt, ansonsten aber durchen einen Ladeneinbau modern überformt ist, erhebt sich ein unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Die Fassaden im Ober- und Dachgeschoss sind symmetrisch gegliedert und werden an der straßenseitigen Traufseite durch ein großes, mittiges Zwerchhaus dominiert. Nach oben schließt das Wohn- und Geschäftshaus mit zwei Dachgeschossebenen und Spitzboden unter einem Mansarddach ab.
Bau- und Besitzgeschichte
Das Haus war nach Esslingen zinspflichtig, wo sich die Besitzgeschichte bis 1523 zurückverfolgen läßt. In dieser Zeit war Thomas Wolf dem Klarakloster in Esslingen mit 10 Schilling abgabenpflichtig. Er ist 1521, 1523 und 1536 in den Musterungslisten nachweisbar. Das Haus ist in der Herdstättenliste 1525 mit 120 Gulden eingeschätzt, der Anschlag für sein Gesamtvermögen beläuft sich in der Türkensteuerliste von 1545 auf 160 Gulden. Beides sind eher unterdurchschnittliche Werte und können sich nicht auf die heutige Hausgröße beziehen. Vermutlich wurden hier später zwei Parzellen zusammengelegt, dann würden sich die Angaben von 1523 nur auf eine an der Ecke liegende Teilfläche des heutigen Hauses beziehen.
Kurze Str. 2 ca. 1910 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Esslinger Klarakloster wurde in der Reformationszeit aufgelöst, die Einkünfte dem Esslinger Spital zugeschlagen. In dessen Lagerbuch ist 1569 der nächste Eigentümer genannt: Ulrich Flur, der einer vermögenden Waiblinger Familie angehörte und daher vermutlich das Haus nicht selbst bewohnt hat. Der nächste im Lagerbuch von 1600 genannte Besitzer Magister Georg Wolf, wird das Haus ebenfalls vermietet haben, da er bis zu seinem Tod 1631 Pfarrer in Neckarrems war (geboren in Waiblingen am 15.07.1562). Sein Vater Michael Wolf ist 1569 als Anrainer genannt, Thomas Wolf könnte sein Großvater gewesen sein. Eigentlich würde man eher Michael Wolf als Eigentümer erwarten, dann wäre das Haus von 1523 bis 1600 im Besitz der Familie Wolf gewesen. Hier scheint es Ungereimtheiten in der Quellenüberlieferung zu geben, die bei der momenten Forschungslage nicht geklärt werden können.
In der Zacherchronik, wird berichtet, dass 1648 der Bäcker Joachim Dötz auf der Hofstatt des Schmied Jakob Reichard ein Haus gebaut hat. Reichard ist gelegentlich in den Bürgermeisterrechnungen ab 1613 genannt, wo kleinere Schmiede- und Schlosserarbeiten verrechnet sind, die er für die Stadt Waiblingen ausgeführt hat. Joachim Dötz war der Hauptmann, der 1634 beim Anrücken des kaiserlichen Heeres vom Stadtgericht eingesetzt wurde, um die Stadt zu verteidigen. Er hat vermutlich den unsensiblen Umgang mit dem überlegenen Feind, der zur Brandkatstastrophe führte nicht alleine zu vertreten. Die Hauptverantwortlichen dürften die damaligen Bürgermeister und das Stadtgericht gewesen sein. Joachim Dötz ist trotzdem in Waiblingen geblieben und hat sich an dieser Stelle ein Haus gebaut, das er später an den Zoller Hans Georg Faber verkauft hat, der 1654 auch im Lagerbuch des Spital Esslingen als Eigentümer gemannt ist.
Kurze Str. 2 von 1933 (Bildquelle: Helmut Proß)Im Güterbucheintrag des Kaufmanns Johann Jakob Frei 1745 wird seine “neue” Behausung erwähnt. Daher düfte er der Bauherr des heute noch existierenden Gebäudes gewesen sein. Wie bereits erwähnt, passen die früheren Beschreibungen und Steueranschläge nicht zu dieser doppeltbreiten Parzelle. Daher ist davon auszugehen, dass entweder Johann Jakob Frei - oder bereits Joachim Dötz - zwei nebeneinanderliegende Parzellen kaufen und bebauen konnte, was auch das Vorhandensein von zwei Kellern erklären würde, die von den beiden Vorgängerbauten stammen könnten.
1523
Thomas Wolf zinst 10 Schilling in das Klarakloster in Esslingen, Anrainer Hans Erhard und Klaus Feierabend.
1569
Ulrich Flur, Anrainer Michael Wolf und Michael Radi
1600
Magister Georg Wolf, Pfarrer in Neckarrems, Anrainer Wilhelm Müller, Michael Radi, Daniel Emminger und Ulrich Koch.
1648
Joachim Dötz, vorher Jakob Reichard, Schmied
1654
Hans Georg Faber, Zoller, Anrainer Georg Boger
1745
Herr Johann Jakob Frei, Gerichtsverwandter
1746
der Sohn Abraham Frei, später sein Ehenachfolger Christoph Gottlieb Bühner
1766
Verkauf an Johann Jakob Weihenmaier
1783
Ehenachfolger Johann Friedrich Megerle
1819
1/3 Johann Friedrich Megerle Witwe
2/3 Friedrich Jäger, Kaufmann
1842
Friedrich Jäger, Handelsmann erbt das letzte Drittel
1857
Friedrich Karl Jäger und Dr. Weißer Gattin je hälftig
1858
Kauf durch Gustav Bezner, Kaufmann und Konditor um 4.050 Gulden.