Parzellennummer 1836: 181
Grundfläche des Hauses 1836:
Haus - 18,4 Quadratruten (entspricht ca. 151 qm)
Scheune - 23,1 Quadratruten (entspricht ca. 189,6 qm)
Steueranschlag 1745: 667 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Haus und Scheune gemeinsam:
Geistliche Verwaltung 16 Kreuzer, 1 Heller und 2 Herbsthühner
Heiliger zu Oßweil 30 Kreuzer von 32 Kreuzer, 2 Heller (die restlichen 2 Kreuzer 2 Heller zinst ein Nachbargebäude)
Das Haus allein:
Kellerei Waiblingen 2 Kreuzer, 4 Heller
Die Kellertreppe:
Stadt Waiblingen 5 Kreuzer, 2 Heller
2 Säulen und ein Stück Mauer:
Stadt Waiblingen 15 Kreuzer
Inschriften:
Am Hauptbau: .OFFICIN: .PHARMAC: .BECHER: (an einem Kragstein unter dem Eckbalken am oberen Ende des Erdgeschosses)
Am Nebeneingang in der Zwerchgasse: JFD (Jakob Friedrich Demmler)
Kurze Strasse 28 (Bildquelle: Helmut Proß)
Der Gebäudekomplex Kurze Straße 28 / Zwerchgasse 1 stand früher schräg gegenüber dem herzoglichen Schloss, das aber nach dem Stadtbrand von 1634 nicht wieder aufgebaut wurde. Trotzdem war diese Stelle, vielleicht abgesehen vom Marktplatz, einer der prominentesten Bauplätze in der Waiblinger Altstadt. Die Ecksituation des Gebäudes ist durch einen Neidkopf betont, der mit einer lateinischen Inschrift (OFFICIN[um] PHARMAC[iae] das Gebäude als Apotheke ausweist und mit einer nach vorne zugespitzten Steinform auf das Schloß weist. Über dem Neidkopf sind in den Hausecken übereck stehende, kleine Fenster eingebaut, die durch ein Fußelement und einer kleinen Bedachung zusätzlich betont sind. Das gesamte Gebäude ist also architektonisch auf die Lage an einer Straßenecke ausgerichtet. Die Schaufront des Hauses mit Giebel steht an der Kurzen Straße, der repräsentative Teil des Hauses setzt sich in der Zwerchgasse noch über zwei Fensterzonen fort, den Abschluß bilden Fachwerkrauten, die teilweise Bemalungen aufweisen. Der hintere Gebäudeteil in der Zwerchgasse besteht aus einer einfacheren, zweckmäßigen Fachwerkkonstruktion ohne repräsentativen Anspruch, möglicherweise handelt es sich hierbei um einen Anbau oder einen Rest der 1928 abgebrochenen Scheune, die sich im Anschluß an das Hauptgebäude in der Zwerchgasse befand. In der Zwerchgasse ist in Nebeneingang mit den Initialien “JFD” versehen, was auf einen Umbau um 1800 durch Jakob Friedrich Demmler hinweist. Der elegante, klassizistische Türeinbau mit Steinzarge und Türblatt ist gut erhalten. Das gesamte Ensemble, mit Haus, Stall und Scheune war eines der größten Anwesen in der Waiblinger Altstadt, das sich über mindestens 2 ehemalige Parzellen erstreckte.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. stockichte Behausung mit einem großgewölbten Keller Eine Scheuren und Ein besonderer Anbau mit einer s: v: TungGerechtigkeit darhinter alles an und beieinander in der Kurtzen Gaßen beÿ der Cappel, zwischen der ZwerchGaßen einanderseits H:[err] Johann Christoph Knausen Hauß auch H:[err] daniel Schreibers und ged:[achtem] [Johann Christof] Knausen nicht weniger Johann Friderich Kauffman[n]s Scheuren, stost Vornen auf die Kurtze Gaßen, und hinten Johannes Waßmußen Hauß.
Lage
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Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Kurze Straße 28 handelt es sich um ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Ecklage zur Zwerchgasse, welches unmittelbar gegenüber der Nikolauskirche den Straßenraum prägt. Die Erdgeschosszone dürfte überwiegend massiv gemauerte Außenwände besitzen und wurde im 20. Jahrhundert durch einen Ladeneinbau mit Schaufensterfront überformt. Darüber erheben sich zwei fachwerksichtige Obergeschosse, die mit Andreaskreuzen und Rautenfeldern gestaltet sind. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Geschosse zeigen leichte Stockwerksvorstöße.
Die ehemalige Scheune in der Zwerchgasse (westlich an Kurze Straße 28 angebaut) zeigt sich ebenfalls dreigeschossig, mit massivem Erdgeschoss und zwei fachwerksichtigen Obergeschossen. Hier hat das Fachwerk jedoch keinen gestalterischen Anspruch und ist rein konstruktiv aufgebaut. Im Erdgeschoss dominiert ein Sandsteinportal mit Oberlicht die nördliche Traufseite. Wohl im frühen 19. Jh. wurde die Scheune zu Wohnzwecken umgebaut.
Auf dem Gelände ließ Abraham Staib nach dem Stadtbrand 1643, also noch während des Dreißigjährigen Krieges ein Gebäude errichten. Dabei hat er Holz verwendet, dass aus einem Haus in Neustadt bei Waiblingen stammte. Die Hauseigentümer waren gestorben und wegen ausstehender Steuern war ihr Besitz der Gemeinde zugefallen, die zur Erstattung ihrer Kosten das Haus auf Abbruch verkauft hat. In Waiblingen brauchte man nach dem Stadtbrand dringend Bauholz, während in den umliegenden Dörfern durch Pest und Kriegsereignisse die Bevölkerung stark dezimiert war und viele Häuser leer standen. Daher war es in diesen Jahren gängige Praxis vor allem in Korb Gebäude abzubrechen und das Bauholz in Waiblingen zum Wiederaufbau zu verwenden. Die herzogliche Regierung hat dieses Vorgehen um 1645 verboten, um in den Dörfern Gebäude für eine Wiederansiedlung von Bewohnern vorzuhalten. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass ein derart großes und repräsentatives Gebäude bereits 1643 mitten im Dreißigjährigen Krieg im kompletten verarmten Waiblingen gebaut werden konnte. Stilistisch dürfte der Bau in den 1680er Jahren enstanden sein, was gut zur Anbringung der lateinischen Anschrift passen würde. Da bislang keine archivalischen Baudaten vorliegen, könnte hier aber nur eine bauforscherische Untersuchung mit dendrochronoligscher Datierung der Bauhölzer weitere Erkenntnisse bringen.
Der Besitzübergang von der Familie Staib an die Familie Becher ist bislang nicht geklärt. Ab 1685 betrieb die Familie Becher dann ihre Apotheke an dieser Stelle und vererbte den Besitz innerhalb der Familie über mehrere Generationen, teilweise auch über Seitenverwandte an die Familien Klemm, Demmler und Marggraf. Der Apothekenbetrieb wurde erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eingestellt.
1643
Abraham Staib, Geistlicher Verwalter und Bürgermeister überbaut seine eigene Hofstatt an der Kurzen Gasse, “Steeb’sche Apotheke”.
1650-1673
Abraham Staib I, Sohn des Bürgermeisters
1673-1685
Abraham Staib II “Becher’sche Apotheke”
1685-1707
Matthias Becher I
1707-1720
Johann Matthias Becher II
1739-1749
Johann Matthias Becher III, dann “Obere Apotheke”
1751
Die Erben des verstorbenen Apothekers Johann Matthias Becher sind die Kinder seiner Schwester Christina Kunigunda, die am 04.10.1729 Jakob Salomon Klemm, Amtsvogt in Zwingenberg bei Darmstadt geheiratet hat.
1756
Verkauf eines Anbaus an Ulrich Bunz
1757
Regina Barbara Klemm, verheiratet am 12.07.1757 mit dem, aus Kirchheim/Teck stammenden Apotheker Johann Friedrich Demmler, der am 26.04.1773 stirbt
Kurze Str 28 Hauszeichen (Bildquelle: Helmut Pross)
Initialen am Schlußstein der Türe: J[ohann] F[riedrich] D[emmler]
1792
Jakob Friedrich Wilhelm Demmler, Apotheker durch Erbschaft
1824
½ Johann Friedrich Ludwig Markgraf ohne Scheune (Schwiegersohn des vorigen)
½ Witwe Demmler
1849
Theodor Marggraff, Apotheker (Sohn des vorigen)
Durch Kauf samt Scheuer und Gerätschaften vom Vater übernommen für 24.000 Gulden
1894
Gustav Marggraff, Apotheker (Sohn des vorigen), von der Mutter um 60.000 Mark
1918
Apotheker Eugen Hengstberger
Umbau nach Aussagen von Eugen Hengstberger
1922 Küche
1927 Treppenhaus
1928 Stall und Scheune abgebrochen
1927-1929 Wohnung und Apotheke
1929 Verputz
1935 Hof überbaut: Garage, Kellerraum
1956 Umbau der Apotheke