Parzellennummer 1836: 179
Grundfläche des Hauses 1836: 17,1 Quadratruten (entspricht ca. 140,4 qm)
Steueranschlag 1745: 226 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Geistliche Verwaltung Waiblingen 8 Kreuzer, 4 Heller
Stadt Waiblingen 1 Schilling oder 2 Kreuzer, 2 Heller aus der Staffel
Kurze Str. 30 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
Das Areal obere Kurze Straße / Pfarrgasse ist von der Nähe zur Nikolauskirche geprägt. Hier standen vor der Reformation die meisten, der von den etwa zehn Pfarrern und Hilfsgeistlichen der Waiblinger Pfründen bewohnten Gebäude und auch die normalen Bürgerhäuser zinsten häufig in die Geistliche Verwaltung. So war auch das Gebäude Kurze Straße 30 mit einer Abgabe in diese Institution belastet. Zusätzlich wurde beim Wiederaufbau nach der Brandkatastrophe 1634 ein Stück Straßenland durch die Kellertreppe überbaut, wodurch eine jährliche Abgabe von 1 Schilling an die Stadt Waiblingen fällig wurde. Dadurch wird das Gebäude sowohl in den Lagerbüchern der Geistlichen Verwaltung als auch in den Bürgermeisterrechnungen genannt, wodurch sich die Besitzgeschichte gut nachvollziehen läßt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockete Behausung mit einem gewölbten Keller und einer halben Hofraithe in der kurzen Gaße, bei der Kappel, und H.[err] Mathias BrodHaag, stoßt vornen aůf die kůrze Gaß, und hinten H.[err] Matthias Brodhaag ůnd des Jnnhabers gemeinschafftlicher Scheuren.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Kurze Straße 30 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches unmittelbar gegenüber der Nikolauskirche steht. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau (Gastronomie) überformten Erdgeschosszone erhebt sich ein verputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die schlichte Putzfassade ist straßenseitig im Obergeschoss und Giebeldreieck symmetrisch gegliedert und besitzt jeweils Geschossvorstöße.
Der Chronist Wolfgang Zacher berichtet aus dem Jahr 1649: „Hieronymus Klöpfer baute auf Alexander Grimmeisens Hofstatt bei der Kapelle und verkaufte es hernach an den Wagner Hans Lehr“. Klöpfer stammte aus einer der führenden Waiblinger Familien, hat in Straßburg studiert und wurde in Orléans promoviert. Ab 1620 war er Advokat am Reichskammergericht in Speyer und ab 1630 bis zu seinem Tod am 26.08.1661 Ratskonsulent und Advokat in Schwäbisch Hall. Obwohl er bereits seit Jahrzehnten nicht mehr in Waiblingen wohnte, hat er bereits 1644 zwei Baumaßnahmen in der Kurzen Straße unterhalb des Marktplatzes durchführen lassen. Der Bau des Hauses Kurze Straße 30 scheint eine Art Investment gewesen zu sein, da er es bereits drei Jahre später, 1652 an den Wagner Hans Lehr verkauft hat. Die Familie Lehr stammte aus Nagold, drei Geschwister Hans, Gall und Katharina zogen in den 1650er und 60er Jahren nach Waiblingen, eine weitere Schwester heiratete 1663 den Waiblinger Andreas Weißer. Der Bruder Gall hat 1676 das Haus Kurze Straße 36 bauen lassen, so dass die Brüder in Waiblingen in zwei fast unmittelbar benachbarten Gebäuden wohnten. Hans Lehr ist 1705 gestorben, muss das Haus aber bereits vor 1698 an den Bürgermeister Johann Konrad Hahn verkauft haben. Im 18. und 19. Jahrhundert ist das Haus im Besitz von Handwerkern: Bäcker, Metzger und Schmiede, einige Jahrzehnte ist aber auch die Chirurgenfamilien Knauß Eigentümer. Die hinter den Häusern Kurze Straße 28 bis 36 liegenden Scheunen, heute alle abgebrochen, gehörten mal zu diesem mal zu jenem vorne an der Straße stehenden Haus, häufig waren sie auch aufgeteilt.
1568
Bonifatius Beutenmüller und die Kinder des verstorbenen Balthasar Mergenthaler, Anrainer: Ulrich Krämer und Veit Nördlinger, hinten Ulrich Krämer
1649
Hieronymus Klöpfer baut auf Alexander Grimmeisens Hofstatt bei der Kapelle und verkauft das Haus hernach an den Wagner Hans Lehr
1655
Hans Lehr, Wagner, Anrainer: Abraham Staib, Geistlicher Verwalter und Jeremias Kieß Witwe, hinten Abraham Staib
1698
Hans Konrad Hahn, Bürgermeister
1701
Hans Konrad Hahn, Bürgermeister, Anrainer: Matthias Becherer, Bürgermeister und er Hahn selber
1745
Eine Hälfte Johannes Maier, Schmied
Um 1750
Johann Friedrich Knauß, Chirurg
1778
Johann Christian Knauß, Chirurg, verkauft Christof Pfleiderer und Johann Michael Beißwänger je eine Hälfte
1800
Johann Michael Beißwänger Witwe verkauft ihre Hälfte an Christian Friedrich Andreä, Bäcker
1836
Gottlieb Utz und Gottlieb Holder, Metzger, je hälftig