Parzellennummer 1836: 184 + 185
Grundfläche des Hauses 1836: 5,9 + 6,8 Quadratruten (entspricht zusammen ca. 104 qm)
Steueranschlag 1745: 176 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Zinsfrei
Kurze Straße 35/1 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
Das Haus Kurze Straße 35/1, direkt neben dem Chor der Nikolauskirche gelegen und zu den Remsauen hin auf der Stadtmauer stehend, ist eines der beliebtesten Postkartenmotive Waiblingens.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung, Keller und Tung Gerechtigkeit im SchulGäßlen, Zwischen herrn Johann Matthiä Bechers Apotheckers Fr:[au] Witt:[we] und dem Gestäffel am Præceptorat Gärttlen, Vornen auf das Schul Gäßlen und hinten die Statt Mauren stoßend.
Kurze Str. 35/1 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Gebäudebeschreibung 1877
Ein zweistockiges Wohnhaus von Fachwerk auf einem Steinsockel, mit gewölbtem Keller im Schulgäßle.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges Wohnhaus, welches in sehr markanter Lage unmittelbar an der östlichen Stadtmauer und erhaben über der Rems das dortige Stadtbild prägt. Über einem massiv gemauerten Untergeschoss, welches Platz für einen Durchgang des einstigen Wehrgangs läßt, erheben sich zwei teils verputzte, teils fachwerksichtige Vollgeschosse. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Sämtliche Geschossebenen stoßen leicht vor. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über einen außenliegenden Treppenaufgang an der nördlichen Traufseite.
Bau- und Besitzgeschichte
Kurze Str. 35/1 von 1913 (Bildquelle: Helmut Proß)Wolfgang Zacher berichtet in seiner Chronik: „1652 hat man von Gall Weiser eine Behausung in der Gerbervorstadt pro 350 Gulden erkauft in der Meinung, es auf die Hofstatt der vorigen ansehnlichen deutschen Schule zu setzen, weil es aber zu kurz und schmal, wurde es nur auf die lateinische Schulhofstatt gebaut. Alldieweil aber dieser Bau gar zu unansehnlich, eng und klein worden, unterdessen Abraham Steeben quastoris et consulis zweite Hausfrau Margreth ad pics usus 50 Gulden Kapital gestiftet, wurde solch Geld auf ein Anbaulich dahin verwendet, vorab [dabei] der gebrauchte Maurer Stephan Hürner totgefallen“. Nach der Brandkatastrophe von 1634 wurde demnach eines der wenigen in der Weingärtner Vorstadt noch stehen gebliebenen Häuser abgebrochen und mit dem Bauholz ein Fackwerkaufbau auf das steinerne Untergeschoss der Lateinschule gesetzt, das an dieser Stelle den Brand überstanden hatte. Einige Jahre später hat die verstorbene Frau des Geistlichen Verwalters Abraham Staib eine testamentarische Verfügung von 50 Gulden für den Schulhausbau erlassen, womit man das Gebäude um einen Anbau erweitern konnte. Bereits 1673/74 war das Gebäude für den Schulbetrieb zu klein geworden und wurde für 250 Gulden an Johann Maier, Tuchknappe und Georg Mohr verkauft. Danach war der Hausbesitz überwiegend in zwei oder mehr Teile aufgesplittet. Die Eigentümer waren Weingärtner und Handwerker, die der unteren Mittelschicht zuzurechnen sind. Das Haus scheint keine besonders gute Bausubstanz gehabt zu haben und auch die Lage, weit weg von den Hauptstraßen war wohl nicht besonders beliebt. Daher wechseln die Eigentümer der Haushälften in kurzen Abständen, kaum einer hielt den Besitz länger als 10 bis 15 Jahre. 1829 ließ die Witwe Erhardt den Anbau abbrechen und neu aufbauen, während im Haupthaus so wenig Erneuerungen stattfanden, dass bis 1838, über 150 Jahre nach Einstellung des Schulbetriebs, noch der ehemalige Klassenraum erkennbar war. Am Ende des 19. Jahrhunderts war das Haus in Neuntelanteile aufgeteilt, was es wahrscheinlich vor Abbruch und Neubau bewahrte, obwohl die Bausubastanz damals ziemlich marode gewesen sein dürfte. Bei derart zersplitterten Besitzverhältnissen ist es normalerweise fast unmöglich Veränderungen vorzunehmen, da sich immer einer der Teileigentümer dagegen stellt.
1652
Die Stadt kaufte von Gall Weiser eine Behausung in der Gerbervorstadt und verwendete das Bauholz zur Wiedererrichtung der Lateinschule. Da dieses Gebäude aber zu klein war stiftete Margaretha, die zweite Ehefrau von Abraham Staib, 50 Gulden, wodurch die Lateinschule einen Anbau erhielt.
für 250 Gulden an Johann Maier, Tuchknappe, und Georg Mohr verkauft
1697
die Kinder des Georg Mohr verkaufen ihre Hälfte an Sebastian Kölz, Bürger und Weingärtner, für 130 Gulden
1739
die Hälfte von Sebastian Kölz Erben an Adam Krauß, Schneider, für 214 Gulden verkauft
1745
Adam Krauß, Schneider, und Johann Heinrich Friedrich Witwe je hälftig
1746
vorderer Teil ererbt von Friedrich Johann Christof Knauß, des Gerichts und Chirurg
1746
Die Hälfte Johann Georg Merz, Amtsknecht
1766
Die Hälfte Johann Gottlieb Göller, Schuhmacher
1772
Eine Hälfte die ledige Tochter Anna vom Vater ererbt, verheiratet mit Melchior Rommel, Beisitzer
1788
Friedrich Drexler, Schneider, kauft eine Hälfte von Göller für 400 Gulden
1791
Georg Daniel Nörrlinger kauft eine Hälfte von Drexler für 352 Gulden
1797
Gottfried Oppenländer, Stubenknecht, ererbt ein Viertel von Rommel
1797
Johannes Krauß, Schneider, ererbt ein Viertel von Rommel
1798
Johann Christof Böhringer, Dreher, ein Viertel von Oppenländer und Krauß erkauft für 500 Gulden
David Pfeil, Weingärtner, eine Hälfte von Böhringer erkauft für 511 Gulden
1801
Ehenachfolger Andreas Metz von Großheppach
1813
Johannes Erhardt, eine Hälfte von Nörlinger erkauft für 430 Gulden (im Kaufvertrag Beschreibung der dazugehörigen Räume mit Keller und Viehstall)
1829
Abbruch des Anbaus durch die Witwe Erhardt und Neubau der Parzelle 184. Witwe Erhardt gibt der Witwe Metz ihren „Anteil an der alten Schulstube, so daß die Metzin die ganze ehemalige Schulstube besitzt“.
1837
Christian Beißwanger, Schuhmacher, kauft fünf Sechstel für 525 Gulden
1838
Gottlieb Fetzer, Schuhmacher, kauft ein Drittel von fünf Sechstel = fünf Achtzehntel von Beißwanger, u.a. der ganze nächste Boden ob dem Keller, der ehemals eine Schulstube war
1870
Johann Martin Fetzele, Weber, kauft zehn Achtzehntel von Beißwanger für 600 Gulden
1875
Gottlieb Wenzel, Fuhrknecht, kauft fünf Achtzehntel von den Fetzerschen Erben für 815 Gulden
1877
vier Neuntel Johann Martin Fetzer, Weber
drei Neuntel Gottlieb Wenzel, Fuhrknecht
ein Neuntel Ferdinand Westhäuser
ein Neuntel Johann Schott Witwe
1890
Witwe Karoline Wenzel, geb. Frank ein Neuntel
1894
Johann Müller, Schreiner und Glaser in Cannstatt, erbt den Anteil der Witwe Wenzel
1897
Drei Kinder der 2. Ehe des Gottlob Baumgärtner, Schuhmacher, kaufen drei Neuntel von der Mutter für 1.200 Mark