Erbaut: 1754 (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836: 164
Grundfläche des Hauses 1836: 21,5 Quadratruten (entspricht ca. 176,5 qm)
Steueranschlag 1745/1750:

ca. 400 Gulden für den Vorgängerbau, 200 Gulden für die Lateinschule (Sonderpreis für eine öffentliche Einrichtung)
Grundherrliche Abgabe:
Stadt Waiblingen 53 Kreuzer, 5 Heller aus den Luftlöchern durch die Stadtmauer
Geistlichen Verwaltung 15 Kreuzer, 1 Heller aus der Scheune des Vorgängerbaus
Geistlichen Verwaltung 6 Kreuzer, 3 Heller aus der Hoffläche

Kurze Str. 51 (Bildquelle: Helmut Proß)Kurze Str. 51 (Bildquelle: Helmut Proß)

Das Gebäude Kurze Straße 51 wurde 1754 als Lateinschule, direkt an der Stadtmauer, neu erbaut.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. Stockichte Behausung mit einem Scheuren Thenn, gewölbten Keller darunter, und Hoffreithen, Vornen her in der Kurzen Gaßen ohnfehrn des Fellbacher Thors, Zwischen Johann Jacob Steinlen, Mößner und des Jnnhabers Höfflen, beÿ der Scheuren, stost Vornen auf die Kurze Gaßen, und hinten die Statt Mauren.

Eine Scheuren in der Kurzen Gaßen, samt einem Höfflen, und Plaz darbeÿ, Zwischen der Kurtzen Gaßen und dem Jnnhaber selbst, stost Vornen auf des Jnnhabers Hoffraithen, und hinten den Kuchen Gartten, so eine Hoffstatt.

Eine Hoffstatt, nächst des Jnnhabers Hoff und Scheuren an der Kurzen Gaßen, so darmahlen ein Kuchen Gartt und 6¾ Ruthen Plaz, Zwischen Herrn Mr: Vahrenbühlers jezmahligen Specials Kuchen Gartten, und dem Jnnhaber selbst, stost vornen auf die Kirch Gaßen [Pfarrgasse], und hinten die Statt Mauren.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch ca. 1750 (für die Lateinschule)
Eine neue .3. stockigte Behausung, welche Zur Lateinischen Schul, auch eines jedesmaligen Præceptoris und Provisoris bewohnung a[nn]o: 1754 ganz neu erbaut worden, mit einen gewölben Keller und Hoffraithin, vorneher in der Kurzen Gaßen, unfern des Fellbacher Thors, zwischen Johann Jacob Steinlen, Mößners, und hinachstehender Hoffstatt, stoßt vornen auf die kurze Gaßen, und hinten die StattMauren.

Eine Hoffstatt nächst disem Hauß, an der kurzen Gaßen, so darmalen ein Küchengartt, und 8¾ Ruthen Plaz, zwischen Herrn Special vahrenbühlers Fr:[au] Wittib Kuchengartten, und dem zum Hauß gehörigen Höfflen, stosst vornen auf die Kirchgaßen [Pfarrgasse], und hinten die StattMauren.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 51 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches unmittelbar nördlich an die Stadtmauer gebaut wurde. Das sehr stattliche Gebäude diente einst als Lateinschule und zeigt sich an der südlichen Giebelseite viergeschossig, wo in die dortige Stadtmauer zwei Türzugänge zu Kellerräumen vorhanden sind. Über einer teils massiv, teils in Fachwerkbauweise errichteten Erdgeschosszone erheben sich zwei fachwerksichtige Obergeschosse. Die symmetrisch gegliederten Giebelfassaden zeigen jedoch keine Zierformen und bestehen aus einem rein konstruktiven Fachwerk. Das Gebäude schließt nach oben mit zwei Dachgeschossebenen und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Auf der östlichen Dachfläche befindet sich ein Dachhaus mit beidseitigen Schleppgauben, welches wohl im späten 19. Jh. aufgerichtet wurde.

Bau- und Besitzgeschichte

Die alte Lateinschule in der Kurzen Straße 51, direkt an der Stadtmauer gelegen, wurde 1754 auf dem Platz eines abgebrochenen Anwesens erbaut. Die Vorgängerbauten gehörten den Kindern des verstorbenen Leonhard Friedrich Beck, bestanden aus einem großen Haus mit Scheune und Hoffläche, was aber laut der Bürgermeisterrechnung von 1754 alles sehr baufällig war. Die Stadt Waiblingen hat das Anwesen am 07.05.1754 für 1.000 Gulden gekauft in der Absicht an diese Stelle die Lateinschule zu verlegen. Dazu wurden im Sommer 1754 die Vorgängerbauten abgerissen und ein großer Fachwerkbau errichtet mit zwei Klassenräumen sowie Wohnungen für den Präzeptor (Hauptlehrer) und Collaborator (Hilfslehrer). Das neue Gebäude konnte im Mai 1755 bezogen werden. Bauherr war zunächst die Stadtgemeinde, die das Anwesen aber dann der Armenkastenpflege, als der für Schulen zuständigen Behörde überlassen hat, wahrscheinlich hätte diese die Baukosten selber nicht tragen können.

Im März 1981 wurden Bauarbeiten durchgeführt, um im Erdgeschoss Geschäftsräume und in den oberen Stockwerken Wohnungen einzubauen. Dabei wurden Fundamente von zwei Kellern aus der Zeit vor dem Stadtbrand gefunden, außerdem Sandsteine mit einem Steinmetzzeichen und Jahreszahlen (1597 und 1605) und viele Keramikbruchstücke. Diese wurden von Fachleuten des Landesdenkmalamts folgendermaßen eingeordnet:
„Das älteste Fundstück gehört der sogenannten älteren gelbtonigen Drehscheibenware an und dürfte aus dem 9./10. Jahrhundert stammen. Die Reihe der keramischen Funde, die eine ausdauernde Besiedlung des Areals bezeugen, beginnt aber erst mit den Scherben der rotbemalten Feinware, die zwischen dem späten 12. und dem frühen 15. Jahrhundert nach Waiblingen gelangten. Dieses durch Bemalung und sehr feine Tonbeschaffenheit aus der Masse der mittelalterlichen Keramik herausgehobene Geschirr findet sich meist in Burgen, klösterlichen Bereichen oder vermögenden bürgerlichen Haushalten. Die Wohlhabenheit der Bewohner drückt sich auch darin aus, dass sie sich Ofenkacheln leisten konnten.“ Darüberhinaus wurde aber auch normale mittelalterliche Gebrauchskeramik und Bruchstücke frühneuzeitlicher Gläser und Flüssigkeitsbehälter gefunden.

Literaturhinweis:
Günther Bubeck: Mittelalterliche und frühneuzeitliche Funde bei Bauarbeiten auf dem Grundstück der Alten Lateinschule in Waiblingen, Kurze Str. 51, in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 7, 1984, S. 198-204.

1745
die Kinder des Leonhard Friedrich Beck, Küfer

1754
Stadt Waiblingen, später Armenkastenpflege, erbaut an dieser Stelle eine neue Lateinschule.

1758
Als Steueranschlag hatte man sich auf 200 Gulden geeinigt (Sonderpreis für eine öffentliche Einrichtung)

1892
ist das Gebäude auf die bürgerliche Gemeinde übergegangen, gemäß Ausscheidungs- und Abfindungsurkunde