Parzellennummer 1836: 226
Grundfläche des Hauses 1836: 12,5 Quadratruten (entspricht ca. 102,6 qm)
Steueranschlag 1745: 222 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kloster Salem 10 Schilling oder 21 Kreuzer, 3 Heller
Kurze Str. 9 (Bildquelle: Helmut Proß)
Die Häuser Kurze Straße 5-11 grenzen rückwärtig an die Gasse, die nach dem Bädertörle benannt ist. Diese verläuft schräg, so dass bei den unteren Häusern zwischen den beiden Gassen die Möglichkeit bestand eine Scheune zu bauen und einen kleinen Innenhof anzulegen, während im oberen Teil der Platz hinter dem Haus nur für kleine Gärten reichte.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung mit 2.en Stöcken und einem gewölbten Kellers auch 2½ Ruthen Kuchen Gartten darhinter in der Kurzen Gaßen, zwischen Herrn Obrist von Nettelhorst, und Johann Michael Winter, Mezger, stost vornen auf die Kurze Gaßen und hinten das Bad Gäßle.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Kurze Straße 9 handelt es sich um ein zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude. Über einem massiv gemauerten Erdgeschoss mit profiliertem Türgewände und Eckquaderungen erhebt sich ein symmetrisch gegliedertes Fachwerk-Vollgeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Geschosse zeigen giebelseitig leichte Stockwerksvorstöße.
Die nebeneinander stehenden Häuser Kurze Straße 9 und 11 sind die einzigen beiden in der Waiblinger Altstadt, die zu einer Zinsabgabe an die Pflege des Kloster Salem in Esslingen verpflichtet waren, weshalb sie in deren Lagerbücher verzeichnet sind. Der erste bekannte Eigentümer des Vorgängerbaus war demnach 1572 Veit Weber, der vermutlich ziemlich vermögend war, da ihm auch die Lange Straße 32, ein großes Haus in der Hauptstraße gehörte. Er und seine Frau, die den Beinamen “Nußgreth” hatte, erscheinen in den Kirchenbüchern häufig als Paten, lassen aber keine eigenen Kinder taufen. In den Musterungslisten ist er 1566 und 1569 als Spießer mit Rüstung in der 3. Wahl genannt.
Die Zacher-Chronik berichtet, dass nach der Brandkatastrophe von 1634 Jakob Seuferle (1607-1656), Steinmetz von Freudenstadt auf des Werkmeister Wolfgang Zachers, dem Großvater des Chronisten Hofstatt ein Haus baute. Wilhelm Glässner, der Herausgeber der Zacher-Chronik, bringt diese Nachricht mit dem Haus Kurze Straße 9 in Verbindung, ohne dass im Moment ersichtlich wäre, wie er diesen Zusammenhang hergestellt hat. 1727 verkaufte Friedrich Wilhelm Schmidt, Pfarrer in Rommelshausen und später Spezial in Weinsberg, dem Schneider Johann Heinrich Burkhardsmaier das Anwesen mit einigen anderen Gütern und zwei mit Eisen gebundenen und im Keller liegenden Fässern à 19 und 35 Eimer (ca. 4.200 und 9.300 Liter) Fassungsvermögen. Friedrich Wilhelm Schmidt, Sohn des Amtsarzts Johann Ulrich Schmidt, und seine Frau Maria Katharina, Tochter des Stadtschreibers Johann Christof Volmar, stammten beide aus Waiblingen, haben wahrscheinlich das Haus von seinen oder ihren Eltern geerbt, und veräußerten es 1727, im selben Jahr in dem sie vom nahegelegenen Rommelshausen nach Weinsberg gingen.
Der Schneider Johann Heinrich Burkhardsmaier war ca. 30 Jahre im Besitz des Hauses und verkaufte es 1755 an Johann David Bauder, aus einer Familie von Rotgerbern, die für die nächsten einhundert Jahre Eigentümer blieb. Die Bauder hatten ihre Rotgerber-Werkstatt ganz in der Nähe am Mühlkanal jenseits des Bädertörle. Zum Anwesen gehörte auch eine Scheune auf der gegenüberliegenden Straßenseite, so dass davon auszugehen ist, dass sie, wie auch die danach kommenden Eigentümer, die alle Handwerker waren, etwas Landwirtschaft oder Weinbau betrieben haben.
1572
Veit Weber
ca. 1600
Wolfgang Zacher, Werkmeister
1653
Erbauung des heutigen Gebäudes
1727
Johann Heinrich Burkhardsmaier, Bürger und Schneider, kauft von Herrn Magister Friedrich Wilhelm Schmidt, Pfarrer in Rommelshausen, eine Behausung, einem hinter dem Haus befindlichen Küchengärtlein und der zum Haus gehörigen Mistgerechtigkeit für 900 Gulden.
1755
Johann David Bauder, Rotgerber, kauft das Haus von den Erben
1799
Johann Georg Bauder vom Vater erkauft
1826
Die Hälfte geht an den Sohn David Bauder, Rotgerber
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1857
Eine Hälfte wird an Karl Ferdiand Oßwald, Sattler, verkauft
1866
Eine Hälfte wird an Johannes Kuppinger, Sattler, verkauft
1877
Das Haus befindet sich komplett im Besitz von Karl Ferdiand Oßwald, Sattler
1892
Die Witwe Rosine Friederike, geb. Häfele
1896
Friedrich Hermann Häusermann, Bäcker