Parzellennummer 1836: 9
Grundfläche des Hauses 1836: 10,3 Quadratruten (entspricht ca. 84,5 qm)
Steueranschlag 1745: 247 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Armen Kasten Waiblingen 8 Kreuzer, 4 Heller
Lange Str. 11 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Haus steht an der Kreuzung Lange Straße / Kurze Straße im unteren Teil der Waiblinger Altstadt, nicht allzuweit vom Beinsteiner Torturm. Rechts neben dem Haus befand sich noch ein weiteres Gebäude, das im frühen 19. Jahrhundert abgebrochen wurde, jetzt gibt es dort, direkt an der Kreuzung, eine kleine Freifläche. Die Lage des Hauses in der dicht bebauten Waiblinger Altstadt war daher im 18. Jahrhundert noch beengter. Im hinteren rechten Bereich des Gebäudes gab es noch einen Anbau, der 1791 separat verkauft wurde, was auch im alten Katasterplan noch erkennbar ist. Die genaue bauliche Situation läßt sich aber heute nicht mehr abschätzen.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine neue 3. stockichte Behausung, mit einem Anbau, nebst einem gewölbten Keller auch einer s:[alva] v:[enia] TungLegin an der Gaßen, alles beÿsam[m]en unten in der Statt, zwischen Johannes EckensPerger Maurern, und Johann Bernhard Abbrecht Metzgern, stoßt vornen auf die Lange Gaßen, und hinten mit dem Anbau an H[an]ß Georg Ehins Wittib und Johannes Braunen Säcklers gemeinsch.[aftlicher] Behausung.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Lange Straße 11 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Ecklage zur Kurzen Straße. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau überformten Erdgeschosszone erheben sich zwei unverputzte Fachwerk-Obergeschosse, die am straßenseitigen Nordgiebel mit Zierfachwerkelementen (profilierte Schwellen, Schwellen mit kielbogigen Schnitzungen, Andreaskreuze) gestaltet sind. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach mit Wiederkehr ab. Die beiden Obergeschosse zeigen giebelseitig leichte Stockwerksvorstöße. Die abweichende Gestaltung der Schwellen sowie die Wiederkehr in den Dachgeschossebenen spricht für eine Erneuerung bzw. Umbaumaßnahme des Daches um 1900. Die Dachfläche wird heute leider durch überdimensionierte Schleppgauben geprägt.
Das hübsche Fachwerkhaus steht auf einer kleinen Grundfläche, Nebengebäude gehören nicht dazu. Um den Baugrund maximal auszunutzen, wurden drei Vollgeschosse gebaut, ein Geschoss mehr als sonst in der Waiblinger Altstadt üblich. Trotzdem eignet sich das Gebäude nur als reines Wohnhaus für Amtsträger oder Handwerker. Im Güterbuch von 1745 ist von einer “neuen Behausung” die Rede, daher ist davon auszugehen, dass Christof Melchior Sattler das Haus im frühen 18. Jahrhundert erbauen ließ. Er war Sohn des Johann Friedrich Sattler, Geistlicher Verwalter in Lauffen am Neckar und von 1729/30 bis zu seinem Tod am 24.09.1747 Stadt- und Amtspfleger in Waiblingen. Heute sind zwei Seiten des Gebäudes fachwerksichtig gestaltet, die rechte Nebenseite war aber bis ins 19. Jahrhundert nicht einsehbar, weil dort, wie oben bereits erwähnt, ein weiteres Haus stand, was die etwas einfachere Gestaltung der Seitenfassade erklärt. Der Zugang zum gesamten Haus kann damals nur von vorne erfolgt sein, da die Schaffung eines separaten Zugangs für den Ladeneinbau und dessen Durchfensterung erst nach Abbruch des Nachbargebäudes möglich war.
1745
Christof Melchior Sattler, Stadt- und Amtspfleger
1749
Felix Trück, Küfer kauft das Haus von den Erben
1777
Die Hälfte an Trücks Tochtermann Schuhmacher
1784
Die Hälfte an Maria Magdalena Trück, später verheiratet mit Johann Philipp Walz
1790
Die Hälfte an Bernhard Wolfer, Tuchmacher
1791
Ein Anbau wird an Bernhard Vester verkauft
1794
Christof Schertinger
1836
Johannes Lämmle, Tuchmacher