Parzellennummer 1836: 27
Grundfläche des Hauses 1836: 15,5 Quadratruten (entspricht ca. 127,2 qm)
Scheunen: 15,1 Quadratruten und 5,1 Quadratruten (entspricht ca. 124 qm und 41,9 qm)
Steueranschlag 1745: 208 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Zinsfrei
Inschrift:
1688
W[ilhelm] H[ieronimus] H[ornung]
Lange Strasse 14 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Anwesen Lange Straße 14, im unteren Teil der Lange Straße gelegen, steht auf einem Grundstück, das mit der im frühen 19. Jahrhundert dazugekauften Scheune bis weit nach hinten in den „Sack“ reichte. Da das Anwesen zinsfrei war, läßt sich die Besitzgeschichte nur bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückverfolgen.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller in der Langen Gaßen, Zwischen Joseph Christoph Luzen, Bortenwürcker, ein: anderseits Johannes Schillers und Jacob Herben Hauß, stost Vornen auf die Lange Gaßen, und hinten Fr:[au] D.[oktor] CasParin.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 14 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches innerhalb einer eng bebauten Häuserzeile auf der Nordseite der Lange Straße steht. Über einer massiv gemauerten Erdgeschosszone mit sandsteinernen Eckquaderungen und aufwendig gestaltetem Eingangsportal erhebt sich ein unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die Fachwerkgeschosse besitzen am Giebel leichte Geschossvorstöße. Im 2. Dachgeschoss ist noch eine ehemalige, rundbogige Aufzugsluke zu erkennen, die heute durch ein Fenster ersetzt ist. Bemerkenswert sind die drei Sandstein-Konsolen an der südlichen Straßenfassade im Erdgeschoss, die mit unterschiedlichen Neidköpfen gestalten sind.
Lange Str. 14 linker Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer) |
Lange Str. 14 mittlerer Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer) |
Lange Str. 14 rechter Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer) |
Das in der Lange Straße stehende Haus ist inschriftlich auf das Jahr 1688 datiert und über der Eingangstür mit den Initialien des Bauherrn W[ilhelm] H[ieronimus] H[ornung] versehen. Die Inschrift ist einer Kartusche einbeschrieben und wird von zwei geflügelten Löwen gehalten. Zusätzlich ist die Fassade mit drei Neidköpfen, die einen Frauen-, einen Männer- und einen Löwenkopf (ungewöhnlicherweise mit Beißring) darstellen, geschmückt. Die rundbogige Eingangstüre ist zudem oben um ein Ochsenauge ergänzt. Beim steinernen Untergeschoss ist unklar, inwieweit es den Stadtbrand von 1634 überstanden hat, auch bei den Neidköpfen ist eine Datierung vor oder nach dem Dreißigjährigen Krieg vorstellbar. Diesem, für ein nicht allzugroßes Haus umfangreichen Bildprogramm steht ein eher schlichtes Fachwerkobergeschoss gegenüber, das außer dezenten Abfasungen an den Fußschwellen des 1. Geschosses keinerlei Schmuckelemente aufweist, stattdessen aber symmetrisch aufgebaut ist, mit geringen Geschossvorstößen und somit bereits einer Fachwerkgestaltung entspricht, die in Waiblingen eigentlich erst im 18. Jahrhundert in Mode kommt.
Der Erbau
Lange Str. 14 Hauseingang (Bildquelle: Martin Klöpfer)er Wilhelm Hieronimus Hornung, Gerichtsverwandter, Barbier und Chirurg, war Sohn des Pfarrers in Köngen, heiratete am 17.06.1687 Maria Salome, die Witwe des Barbier Johann Georg Weig und Tochter des langjährigen Waiblinger Stadtschreibers Johann Friedrich Vollmar. Er vertauschte das Anwesen bereits im Jahr 1697 an Anna Elisabetha Wunderlich, Enkeltochter des Vogt und Chronisten Wolfgang Zacher und Tochter des Vogt Heinrich Otto Oberg. Ihr Tauschobjekt war der, von der Familie Zacher ererbte vordere Teil der Unteren Apotheke, Marktplatz 9. Beide Bauten wurden bei dieser Gelegenheit eingeschätzt: das Haus Lange Straße 14 mit 550 Gulden, die Haushälfte mit Hoffläche und Ställen am Marktplatz 9 mit 800 Gulden. Wilhelm Hieronimus Hornung mußte Anna Elisabetha Wunderlich daher 250 Gulden ausbezahlen. Aus dem Eintrag im Kaufbuch geht zudem hervor, dass die hinter dem Haus Lange Straße 14 gelegene Scheune sich damals im Besitz des Gall Weißer befand, Wilhelm Hieronimus Hornung hat also nur das Haus gebaut.
Die Familie Zacher und ihre Nackommen waren im späten 17. Jahrhundert im Niedergang begriffen, weshalb Anna Elisabetha Wunderlich die Lange Straße 14 nach nur drei Jahren am 06.11.1700 an Michael Letters gegen ein kleineres Haus im Sack vertauschen mußte. Dieses Mal war ihr neues Tauschobjekt um 190 Gulden geringer angeschlagen, die ihr Michael Letters ausbezahlt hat. Letters war Wagner, stammte aus Göppingen und hat am 17.10.1676 die Waiblinger Bürgerstochter Judith Buck geheiratet. Als diese bereits 1679 im Alter von 28 Jahren starb, ist er eine zweite und später noch eine dritte Ehe eingegangen. Es handelte sich um eine mittelständige Handwerksfamilie mit elf Kindern aus den ersten beiden Ehen, von denen fünf überlebten. Die Tochter Maria Margaretha aus zweiter Ehe hatte 1710 den Zeugmacher (ein Tuchmacher, der aus gekämmter Schafwolle leichte Stoffe herstellte) Christian Göller geheiratet, dem Letters 1720 das Haus für 800 Gulden verkaufte. Letters, ca. 1645 in Göppingen geboren, war zu dieser Zeit bereits etwa 75-jährig und für damalige Verhältnisse ein alter Mann. Daher verpflichtete er den Schwiegersohn ihn als Gegenwert für den Kaufpreis bis zu seinem Tod zu versorgen (gestorben am 04.05.1728).
Die hinter dem Haus liegende, verhältnismäßig große Scheune ist erst 1836 als zum Anwesen gehörig genannt. Der damalige Besitzer Friedrich Pflüger muss sie im frühen 19. Jahrhundert dazugekauft haben.
1688
Laut Inschrift wurde das Haus 1688 von Wilhelm Hieronimus Hornung erbaut.
Lange Str. 14 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)
Schlußstein von 1688 mit den Anfangsbuchstaben von Wilhelm Hieronymus Hornung
W
H H
1697
Anna Elisabetha Wunderlich, Anrainer Johann Krauß und Georg Idler, hinten Gall Weißer Scheune
1700
Michael Letters, Anrainer: Johann Krauß und Johann Rohrauer, hinten Gall Weißer Scheune
1720
Verkauf an den Schwiegersohn Christian Göller, Anrainer alt Johann Krauß und Adam Gottlieb Rohrauer
1757
Wiederum an die Schwiegersöhne Israel Samuel Hegel, Barbier, und Rudolf Kaufmann, Zeugmacher, je hälftig
1764
Die Hälfte an Rudolf Kaufmann vom Schwager, womit er Besitzer des gesamten Hauses wird.
1796
Christian Philipp Wendel Hegel, Zinngießer von Rudolf Kaufmann Witwe gekauft
1805
Jakob Friedrich Pflüger, Küfer
1862
Karl Häcker, Ökonom
1870
Friedrich Walter, Küfer


