Erbaut: 17./18. Jahrhundert, Neugestaltung der Fassade um 1900
Parzellennummer 1836: 31
Grundfläche des Hauses 1836: 10,6 Quadratruten (entspricht ca. 87 qm)
Steueranschlag 1745: 244 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kloster Adelberg 32 Kreuzer, 3 Heller (gemeinsam mit Lange Straße 21)

Lange Strasse 19 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Lange Strasse 19 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Die Häuser Lange Straße 17-21 liegen an der Kreuzung der Lange Straße mit der Neuen Gasse, dahinter verläuft leicht schräg das Heugäßle, das nach dem Haus 21 abknickt und wieder in die Lange Straße einmündet. Die drei Gebäude waren, wie auch die gegenüberliegende Lange Straße 24 dem Kloster Adelberg zinspflichtig, das Haus 21 hatte, als einziges der vier Gebäude, auch eine Abgabe in den Waiblinger Armenkasten zu entrichten. Das Gebäude steht auf der kleinsten der drei Parzellen, es bestand keine Möglichkeit Nebengebäude direkt am Haus zu bauen, weshalb es nur als Handwerkerhaus genutzt werden konnte.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. Stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller und einer s: v: Tung-Legin Vorne an der Langen Gaßen, zwishen Herrn Cantzleÿ Advocato Gall Weÿßern und Matthes Rohrauer, becken, stost vornen auf die Lange Gaßen und hinten das Heu-Gäßle.

 

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Lange Straße 19 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Über einem massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschoss erheben sich zwei verputzte Fachwerk-Obergeschosse. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach mit Wiederkehr und Schleppgauben ab. Über dem 1. Obergeschoss und dem 1. Dachgeschoss sind giebelseitig Stockwerksvorstöße sichtbar, die um 1900 ornamental verkleidet wurden. Bemerkenswert ist die aufwendige Fassadengestaltung am Nordgiebel mit Putz- und Stuckornamenten, Fensterverdachungen und den in den Verputz eingelassenen Initialen "K. W." im Spitzboden.

Bau- und Besitzgeschichte

Die beiden Häuser Lange Straße 19 und 21 bildeten ursprünglich eine Einheit und werden in den Lagerbücher des Kloster Adelberg gemeinsam geführt. Anhand der Lagerbucheinträge kann bis 1745 nicht unterschieden werden welcher Eigentümer zu welcher Doppelhaushälfte gehört, weshalb die Besitzverhältnisse bis 1745 für beide Häuser bei der Lange Straße 21 behandelt werden.

Für die Lange Straße 19 liegen keine Baudaten vor, es ist lediglich bekannt, dass das Haus zu Beginn der Güterbücher 1745 bereits existierte. Um eine exakte Datierung für das Gebäude zu erhalten wäre eine dendrochronologische Altersbestimmung zielführend. Die Fassade wurde um 1900 komplett neu gestaltet und symmetrisch aufgebaut, mit Fensterbedachungen, von Ornamenten durchsetzter Putzquaderung, einem in die Fassade integrierten Straßennamen mit Hausnummer und Wiederkehr im Giebel. Eine originelle Lösung sind die Fensterbedachungen des 1. Obergeschosses, die aufgrund des Stockwerkvorstoßes oberhalb der Schwelle zum 2. Obergeschoss angesetzt werden mußten. Die Stockswerksvorstöße oberhalb des 1. Obergeschosses und im Giebel deuten darauf hin, dass hier ein Haus aus dem 17./18. Jahrhundert überarbeitet wurde, da man bei einem um 1900 errichteten Neubau auf sie verzichtet hätte. Alles in allem handelt es sich bei dieser Fassade um ein sehr schönes Beispiel einer in der Gründerzeit überformten älteren Fassade.

Das Haus war ab 1745 fast immer auf zwei Parteien aufgeteilt. Die Eigentümer waren meist im Textilgewerbe tätig und verdienten ihren Lebensunterhalt als Strumpfstricker, Bortenmacher oder Kürschner.

1745
Haushälfte A Johann Jakob Beck, Gipser und Maurer, kauft eine Hälfte von Alt Balthasar Schäfer Witwe
Haushälfte B Daniel Thum, Kürscher, davor Kornelius Grötzinger, Thum kauft auch die andere Hälfte

1751
Haushälfte A an den Schwiegersohn Johannes Pfleiderer, Strumpfstricker, vom Schwiegervater Daniel Thum

1766
Haushälfte B an Johann Georg Esenwein, Verwaltungskastenknecht, von Kornelius Grötzinger Gantmasse im Aufstreich gekauft

1784
Haushälfte A an Jung Johannes Pfleiderer durch Kauf

1802
Jung Johann Bauder, Bortenmacher, kauft Haushälfte B von Johann Ulrich Lang, Schuhmacher, der sie von seinem Ehevorgänger Christian Seible, Strumpfstricker, erhalten hatte

1827
Haushälfte B an Werkmeister Heinrich Lang verkauft

1831
Haushälfte B an Bartholomäus Sauer, Bortenmacher, verkauft

1837
Haushälfte A an die drei Töchter von Johannes Pfleiderer