Parzellennummer 1836: 4
Grundfläche des Hauses 1836: 19,0 Quadratruten (entspricht ca. 156 qm)
Steueranschlag 1745: 300 Gulden
Grundherrliche Abgabe: Zinsfrei
Lange Str. 2 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Das Gebäude ist auf der nördlichen Straßenseite das erste Haus in der Langen Straße direkt nach dem Beinsteiner Torturm und sitzt mit der rechten Außenwand auf der Stadtmauer auf. Heute ist nicht mehr erkennbar, daß die Stadtmauer in diesem Bereich nicht direkt an den Beinsteiner Torturm anschloß, sondern die Lange Straße ca. 18m dahinter erreichte. Dazwischen befand sich eine langgestreckte Toranlage mit einem zweiten, stadteinwärts stehenden Stadttor und zwei Verbindungsmauern, die eine Art Vorwerk bildeten. Die gesamte Toranlage war im frühen 19. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß und wurde bis auf den Beinsteiner Torturm abgebrochen. Das Gasthaus Silberner Hecht, das durch seine Lage heute als das erste in der Lange Straße stehende Gebäude auf dieser Straßenseite empfunden wird, wurde erst 1819 erbaut.
Das Gebäude Lange Straße 2 befand sich von 1745 bis 1836 im Besitz der Familie Herzog, deren Familienmitglieder ihr Auskommen als Schmiede hatten, es handelte sich also um ein Handwerkerhaus. Da der gesamte Bereich hinter dem Haus von den Nebengebäude des Gasthauses Löwen (Lange Straße 6) eingenommen wurde, war für die Lange Straße 2 kein Platz mehr für irgendwelche Nebengebäude vorhanden. Hinter dem Haus befand sich ein kleiner Anbau, dessen obere Hälfte zunächst Theodor Braun, einem Säckler gehörte. Die Familie Herzog konnte diesen Hausteil 1756 von seiner Witwe kaufen. In diesem Anbau befanden sich möglicherweise die Schmiedewerkstatt und eine kleine Scheune. Der Anbau nahm ca. ein Drittel der Hausfläche ein, ist aber heute nicht mehr als solcher erkennbar, sondern in das Gebäude integriert, so daß dieses als ein einheitlicher Bau erscheint.
Literaturhinweis: Wilhelm Glässner: Das Torwarthaus zwischen den Toren, in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 6, 1980, 174-178.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Kellerlen auch einem Scheuren Thenn, nicht Weniger die untere helffte an dem darhinter stehenden Anbau, so mit einer Stuben Versehen, alles an und beÿ einander am Beinsteiner Thor, zwischen der Statt Maur, und der Allmand, stost vornen auf die Gaß, und hinten Ludwig Jäger und die Statt Maur.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 2 handelt es sich um ein zweigeschossiges, giebelständiges Wohn- und Geschäftshaus, das unmittelbar westlich an die Stadtmauer gebaut wurde. Die recht hohe Erdgeschosszone dürfte überwiegend massiv gemauerte Außenwände besitzen und wurde im 20. Jahrhundert durch Ladeneinbau und Schaufensterfront überformt. Darüber erhebt sich ein verputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Geschosse zeigen giebelseitig leichte Stockwerksvorstöße.
In das Jahr 1701 datiert der vordere, mit dem südlichen Giebel an der Straße stehende Gebäudeteil. Hierbei handelt es sich um einen, auf der alten Stadtmauerkrone aufsitzenden Fachwerkbau mit massivem Unterstock. Der Bau besitzt einen Keller. Das Satteldach ist zweistöckig abgezimmert. Im Erdgeschoss befindet sich ein Ladengeschäft. Die Gestaltung geht auf einen Umbau aus den Jahren um 1967 zurück.
1701
Erbauung des heutigen Gebäudes.
1745
Matthäus Herzog besitzt die vordere Hälfte des Gebäudes und den unteren Teil des Anbaus. Der obere Teil des Anbaus gehört Theodor Braun, Säckler.
1756
Die Witwe des Theodor Braun verkauft ihren Hausteil an die Familie Herzog.
1779
Matthäus Herzog übergibt die Hälfte des gesamten Hauses an seinen Sohn Friedrich.
1836
Friedrich Herzog als Eigentümer des gesamten Hauses genannt.