Parzellennummer 1836: 32
Grundfläche des Hauses 1836: 10,5 Quadratruten (entspricht ca. 86,2 qm)
Steueranschlag 1745: 158 Gulden, 1781 auf 198 Gulden erhöht
Grundherrliche Abgabe:
Kloster Adelberg 32 Kreuzer, 3 Heller (gemeinsam mit Lange Straße 19)
Armen Kasten Waiblingen 3 Schilling, 9 Heller oder 8 Kreuzer, 4 Heller
Lange Strasse 21 (Bildquelle: Helmut Proß)Die Häuser Lange Straße 17-21 liegen an der Kreuzung der Lange Straße mit der Neuen Gasse, dahinter verläuft leicht schräg das Heugäßle, das nach dem Haus 21 abknickt und wieder in die Lange Straße einmündet. Die drei Gebäude waren, wie auch die gegenüberliegende Lange Straße 24 dem Kloster Adelberg zinspflichtig, das Haus 21 hatte, als einziges der vier Gebäude, auch eine Abgabe in den Waiblinger Armenkasten zu entrichten. Das Gebäude steht auf der kleinsten der drei Parzellen, es bestand keine Möglichkeit Nebengebäude direkt am Haus zu bauen, weshalb es nur als Handwerkerhaus genutzt werden konnte.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller, und einer schlechten TungLegin darhinter in der Langen Gaßen zwischen daniel Thum Kirschner und Alt balthas Schäffers Witt:[we] ein- anderseits dem Gäßle, stost vorne auf die Lange Gaße, und hinten das Gäßle.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Lange Straße 21 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches in Ecklage zur Neuen Gasse steht. Über einem massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschoss erhebt sich ein verputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die beiden Dachebenen zeigen giebelseitig Stockwerksvorstöße. Markant sind ornamentale Putzprofile an der nördlichen Giebelfassade, die aus einem Gesimsband über dem Erdgeschoss und drei Brüstungstäfern bestehen.
Die beiden Häuser Lange Straße 19 und 21 bildeten ursprünglich eine Einheit und werden in den Lagerbücher des Kloster Adelberg gemeinsam geführt. Anhand der Lagerbucheinträge läßt sich für die Jahre 1538, 1597 und 1705 nicht entscheiden welcher Eigentümer zu welcher Doppelhaushälfte gehört, weshalb die Besitzverhältnisse für beide Häuser in diesen Jahren hier behandelt werden.
Die Zacher-Chronik berichtet über den Wiederaufbau der Lange Straße 21 nach der Brandkatastrophe von 1643: „1647 - Conrad Wagner [1616-1673] baute sich eine Behausung auf des alten Becken Conradlins und Schuenmelchers Hofstatt an der Langen Gasse”. Über die beiden Vorbesitzer, die wohl mit richtigem Namen Konrad Beck und Melchior Schuhmacher hießen, ist nichts bekannt. Die Zinsabgaben des Konrad Wagner sind in den Armenkastenrechnungen ab 1650 verzeichnet, wo auch vermerkt ist, dass er Schuhmacher war. Die Bausubstanz des Hauses dürfte sich seit 1647 wenig verändert haben, abgesehen von einem 1781 hinzugefügten Anbau. Die ornamentale Fassadengestaltung der Frontseite stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert.
Vor dem Dreißigjährigen Krieg sind für das Doppelhaus nur Details über Christin oder Christof Wagner und Konrad Kleinmann bekannt. Sie sind beide in der Türkensteuerliste 1545 eingeschätzt, Wagner mit 70 Gulden, Kleinmann mit 100 Gulden, womit sie zur Unterschicht gehörten. Von Christof Wagner erfahren wir aus einer Zeugenbefragung, dass er Unterkäufer war, eine Art Makler, der die Fuhrleute, die im Herbst Wein aufkauften an die Weingärtner vermittelte.
Im Jahre 1705 sind Michael Bauder, Seiler, Michael Pfahler, Weingärtner, und Andreas Ardner, Schmied, im Lagerbuch des Kloster Adelberg als Eigentümer der beiden Doppelhäuser erwähnt, wobei sich Bauder und Sailer ein Haus teilten. Andreas Ardner stammte aus Walbersdorf im Burgenland und hatte 1693 die Tochter des Hans Jörg Schmelzle geheiratet. Er war davor Hufschmied bei der Artillerie des Schwäbischen Kreises und ist wahrscheinlich durch die Franzosenkriege am Ende des 17. Jahrhunderts ins Remstal gekommen.
Ab 1745 sind die beiden Häuser Lange Straße 19 und 21 in den Güterbüchern getrennt geführt. Die Bewohner der Nr. 21 sind Bäcker, Färber und Weingärtner.
1538
Konrad Kleinmann, Schlosser, und Christof Wagner, später Jörg Süß, Schlosser, Hans Stolz und Konrad Weißer sind Eigentümer des Doppelhauses, Anrainer: Wolfgang Wertwein und Michael Eberle
1597
Georg Süß, Schlosser, und Konrad Weißer sind Eigentümer des Doppelhauses, Anrainer: Gall Nopp und Renz Eberle
1647
Conrad Wagner [1616-1673] baute sich eine Behausung auf des alten Becken Conradlins und Schuenmelchers Hofstatt an der Langen Gasse
1705
Michael Bauder, Sailer, und Michael Pfahler, Weingärtner, teilen sich eine Hälfte des Doppelhauses, Andreas Ardner ist Besitzer der anderen Hälfte
1745
Johann Matthäus Rohrauer, Bäcker
1757
Eine Hälfte an Andreas Rohrauer verkauft, 1770 kauft er das ganze Haus
1781
Das Haus geht an den Schwiegersohn Johann Andreas Kühtaisch und erhält einen zusätzlichen Anbau, vermutlich im rückwärtigen Bereich, der Steuerbetrag wird deshalb um 40 Gulden erhöht.
1813
An Philipp Friedrich Pfander, Bäcker, verkauft
1840
Josef Eberle