Parzellennummer 1836: 37
Grundfläche des Hauses 1836: 22,1 Quadratruten (entspricht ca. 181,4 qm)
Steueranschlag 1745: 416 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen die Hälfte (gemeinsam mit Mittlere Sackgasse 1) an 7,5 Heller oder 1 Kreuzer, 1,5 Heller
Lange Strasse 22 (Bildquelle: Helmut Proß)
Die beiden Häuser Lange Straße 22 und Mittlere Sackgasse 1 liegen an der Einmündung der Mittleren Sackgasse in die Lange Straße. In diesem Bereich Bereich sind die, ansonsten engen Straßenfluchten zu einem kleinen Platz mit Brunnen erweitert, der verschiedene Namen hatte: Galtbrunnen, Brunnen bei Anstet Wolfharts Haus, Gumpbrunnen, oberer Gumpbrunnen und oberer Schöpfbrunnen.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine neue 2. stockichte Behausung mit einem Scheuren Thenn und einem gewölbten Keller, auch einer s:[alva] v:[enia] TungLegin in der Langen Gaßen, beÿm oberen GumppBronnen, Zwischen Alt und J[ung] Fr:[au] Burgermeister Weÿßerin gemeinschaftl:[icher] Behausung ein: anderseits H[an]ß Jerg SPaichen Schreinern, stost Vornen auf die Gaß, und hinden Johann Christoph Jarecken.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 22 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches an der Einmündung der Mittleren Sackgasse in die Lange Straße steht. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschosszone erhebt sich ein, am Straßengiebel unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die im Obergeschoss und im Giebel symmetrisch gegliederte Straßenfassade besitzt leichte Geschossvorstöße.
Die Besitzfolgen der beiden Häuser Lange Straße 22 und Mittlere Sackgasse 1 sind aufgrund einer Zinsabgabe in die Kellerei Waiblingen gut nachvollziehbar, allerdings gibt es bei der Quellenüberlieferung kleinere Ungenauigkeiten. In den Güterbüchern des 18. Jahrhunderts ist die Zinsabgabe zwischen den beiden Gebäuden hälftig geteilt. In den Lagerbüchern ist aber nur ein Hausbesitzer genannt, zunächst Ulrich Schmied, dann Konrad Hauser und schließlich Peter Schweizer, als Anrainer erscheinen verschiedene Vertreter der Familie Wolfhart. Die Zacher-Chronik berichtet aber, Peter Schweizer habe 1644 auf Anstets Wolfharts Hofstatt ein Haus gebaut. Die Bausubstanz der beiden Häuser unterscheidet sich äußerlich deutlich. Mittlere Sackgasse 1 hat eine kleinere Grundfläche, einen steileren Giebel und unregelmäßigere und stärkere Stockwerksvorstöße, das Fachwerk ist nicht frei gelegt. Vermutlich handelt es sich hierbei um das 1644 gebaute Haus des Peter Schweizer. Das Haus Lange Straße 22 hat eine größere Grundfläche, einen breiteren Giebel sowie eine sehr regelmäßig und symmetrisch gestaltete Fachwerkfassade, was auf einen Neubau im frühen oder mittleren 18. Jahrhundert schließen läßt. An welcher Stelle auf diesen beiden Grundstücken oder auch einem der Nachbargrundstücke genau die Häuser von Ulrich Schmied, Konrad Hauser und der Familie Wolfhart standen, läßt sich nicht mehr eindeutig klären.
Wie bereits oben erwähnt, ist das Haus Lange Straße 22 das jüngere der beiden Gebäude, was auch das Güterbuch von 1745 bestätigt, wo von einer “neuen Behausung” die Rede ist. Das Haus wurde also in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Davor war das Grundstück wahrscheinlich seit der Brandkatastrophe von 1634 unbebaut. Die Eigentümer seit 1745 waren Seifensieder und Rotgerber.
1745
Johann Georg Bauder, Seifensieder, danach Johannes Böhringer, Rotgerber
1792
Christian Böhringer erbt einen Teil des Haus vom Vater und kann 1801 ein letztes Vietel kaufen
1801
Gottlieb Friedrich Hölder als Ehenachfolger
1824
Philipp Friedrich Schneider, Seifensieder und Stadtrat durch Kauf