Parzellennummer 1836: 66
Grundfläche des Hauses 1836: 18,4 Quadratruten (entspricht ca. 151 qm)
Scheune: 14,8 Quadratruten (entspricht ca. 121,5 qm)
Steueranschlag 1745: ca. 800 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kloster Adelberg 1 Pfund, 43 Kreuzer
Lange Str. 24 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Das stattliche Haus Lange Straße 24 steht in einem Bereich der Waiblinger Altstadt dessen Straßenführung geändert wurde. Heute befindet es sich in einer Ecksituation, noch im frühen 19. Jahrhundert war das oberhalb des Hauses gelegene Gelände dicht bebaut, eine Anbindung von der Langen Straße zur Weingärtner Vorstadt durch die Obere Sackgasse nicht vorhanden. Eine solche Straßenführung hätte auch keinen Sinn ergeben, weil die Stadtmauer in diesem Bereich keine Öffnung hatte. Auf den alten Plänen ist lediglich ein schmaler Weg erkennbar, der oberhalb des Hauses eine Verbindung zwischen Lange Straße und Oberer Sackgasse herstellte.
Literaturhinweis:
Wilhelm Glässner: Zerstörung und Wiederaufbau von Stadt und Amt Waiblingen im 17. Jahrhundert, in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, S. 30-68, hier: S. 61-63.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine große 3. stockichte Behausung in der Langen Gaßen, auch eine Hoff und Tung Legin darbeÿ, Wie auch eine hinter diesem Hauß befindliche Scheuren, ferner ein unter dem Hauß befindlicher gewölbter Keller.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 24 handelt es sich um ein dreigeschossiges, markant in den Straßenraum an der Einmündung zur Mittleren Sackgasse gesetztes Wohn- und Geschäftshaus. Über einer hohen, überwiegend massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschosszone erheben sich zwei unverputzte Fachwerk-Obergeschosse, die jeweils Geschossvorstöße besitzen. Nach oben schließt das Gebäude mit drei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die in den Obergeschossen und im Dachgiebel symmetrisch gegliederten Fassaden zeigen Schmuckfachwerkelemente, wie geschweifte Andreaskreuze und Rautenmotive.
Die Besitzgeschichte des Hauses ist eng mit der Familie Weißer verbunden. Diese Familie war bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg mit verschiedenen Namensträgern in Waiblingen vertreten und gehörte zur städtischen Ehrbarkeit. Zwei Brüder, Gall Weißer (1608-1672, Bürgermeister 1663-1672) und Johannes Weißer (1611-1674, Metzger und Gerichtsverwandter), waren aktiv am Wiederaufbau der Stadt nach 1634 beteiligt. Gemeinsam betrieben sie einen Viehhandel, besonders mit Schafen, die sie in Polen und Böhmen aufkauften. An anderen Orten richteten sie Schäfereien ein, wozu kleineren Gemeinden nach dem Krieg oft die Mittel fehlten. Selbstverständlich betrieben sie - wie fast alle anderen Waiblinger Bürger - Acker- und Weinbau. Sie wußten aber auch die Gunst der Stunde zu nutzen und kauften Güter zu Schleuderpreisen auf. Gall Weißer, der Sohn des Bürgermeisters wurde Verwalter aller herrschaftlichen Schäfereien in Württemberg, mit seinem Vetter, dem Bürgermeister Johann Weißer (1645-1722) baute er die Neustädter Mühle wieder auf, die bis 1776 im Besitz der Familie Weißer blieb.
Lange Str. 24 Neidkopf (Bildquelle: Martin Klöpfer)Der untere Teil der Lange Straße war eigentlich eher eine Wohngegend für Weingärtner und kleinere Handwerker. Was die beiden Brüder Gall und Johannes Weißer dazu bewogen hat sich nach 1634 in zwei schräg gegenüberliegenden Häusern in diesem Bereich der Waiblinger Altstadt niederzulassen, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Johannes Weißer oder sein gleichnamiger Sohn sind in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts als die Erbauer des Anwesens Lange Straße 24 mit Haus, Scheune und Stallungen zu vermuten, spätestens 1836 gehörte auch ein Waschhaus dazu. Die nicht allzugroße Grundfläche wurde durch eine dreistöckige Bauweise ausgeglichen, während die meisten anderen Häuser in dieser Zeit nur zwei Vollgeschosse hatten. Während das Haus des Gall Weißer in der Lange Straße 15 nicht mehr existiert, dort steht jetzt ein Neubau, vermittelt die Lange Straße 24 auch heute noch einen guten Eindruck vom Repräsentationsbedürf einer der wichtigsten Bürgermeisterfamilien Waiblingens im 17. Jahrhundert.
Da das Haus eine Abgabe von 1 Pfund Heller an das Kloster Adelberg zu entrichten hatte, sind in den Adelberger Lagerbüchern immerhin die Namen der Vorbesitzer überliefert. Zunächst wird 1538 Jakob Heppeler als Besitzer genannt, Anlieger sind die Metzger Anna und Balthasar Klas. Das Haus wurde in der Herdstättenliste von 1525 nur mit 60 Gulden angeschlagen und liegt damit im Mittelfeld der Häuseranschläge. In einem Nachtrag des Lagerbuchs wird Jörg Kautz als Eigentümer genannt. Er ist Haumeister, also Gehilfe in einer der Waiblinger Mühlen. Sein Vermögen wird in der Türkensteuerliste von 1545 mit 250 Gulden angegeben, was ein durchschnittlicher Vermögenswert war. Im nächsten Lagerbuch des Klosters Adelberg wird 1579 Hans Buck als Eigentümer erwähnt, Anlieger sind Sebastian Kurz und Simon am Bach, der die hinten an das Haus stoßende Scheune inne hatte. Die 1634 abgebrannten Vorgängerbauten dürften also kleiner gewesen sein, auch gehörte die hinter dem Haus liegende Scheune nicht dazu.
1538
Jakob Heppeler und später Jörg Kautz
1579
Hans Buck
1655
Johannes Weißer, Galls Sohn, überbaut nach dem Stadtbrand Benedikt Grötzingers doppelten Keller mit einer Scheune und Kornhütte. Benedikt Grötzinger ist in der Bürgermeisterrechnung von 1613/14 als Viehmeister genannt.
1705
Johann Weißer, Bürgermeister
1722
Erbteilung nach dem Tod des Johann Weißer. Es erben die Witwe und Kinder aus zwei Ehen, außerdem Herr Stadtschreiber Jäger und seine zwei Kinder, vermutlich ein Schwiegersohn. Der Besitz am Haus wird dadurch stark zersplittert, die einzelnen Erbparteien besitzen teilweise nur ein Neuntel.
1750
2/5 Herrn Stadtschreiber Jäger durch Erbkauf.
1760-1783
Johann Heinrich Knauß kann das Haus nach und nach von den Erben kaufen und ist schließlich alleiniger Eigentümer.
1794
Johann Georg Esenwein, Geistlicher Verwaltungsknecht
1827
Christian Bunz, Weißgerber
1836
Carl Friedrich Bunz, Kaufmann Witwe
1865
2/3 J. F. Reinhard, Kaufmann
1/3 Gerichtsnotar Keiler