Erbaut: 1643 (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836: 77
Grundfläche des Hauses 1836: 16,2 Quadratruten (entspricht ca. 133 qm)
Steueranschlag 1745: 294 Gulden, 52 Kreuzer, ab 1792: 494 Gulden, 52 Kreuzer
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 5 Heller
Geistliche Verwaltung Waiblingen 1 Pfund, 4 Schilling oder 51 Kreuzer, 4 Heller

Lange Str. 28 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Lange Str. 28 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Das Haus Lange Straße 28 liegt in einer Straßengabelung zwischen Langen Straße und dem Beginn der Oberen Sackgasse, die sich in diesem Bereich zu einem kleinen Platz aufweitet, der früher als Hafenmarkt bezeichnet wurde. Nach oben schließt sich in der Verlängerung der Marktplatz an, nur rückwärtig grenzt das Haus an andere Gebäude. In der direkten Nachbarschaft war kein Platz für Nebengebäude, weshalb die Besitzer sich meist eine Scheune in einer der Sackgassen dazu gekauft haben. In dieser einerseits total exponierten und andererseits etwas beengten Lage bot sich die Einrichtung eines Handelshauses an.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller in der Langen Gassen, auf dem Haffen Markt, zwischen H[an]ß Jerg Haagen Verwaltungs Kieffern und dem Haffen Marckt, stost vornen auf die Lange Gaßen, und hinten die Sack Gaßen.

Gebäudebeschreibung 1877
Ein Wohnhaus mit 3 gewöhnlichen Stöcken und 1 Mansardenstock, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk, 3 gewölbte Keller.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Das Gebäude wurde von Johannes Weißer, Bruder des Bürgermeister Gall Weißer bereits 1643 errichtet, als das neunte Haus, das nach dem Stadtbrand gebaut wurde. Die Familie Weißer war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die wirtschaftlich erfolgreichste Familie in Waiblingen und hat eine ganze Reihe von Häusern in der Altstadt wieder aufgebaut. Generell wurden in den frühen 1640ern in den Dörfern der näheren Umgebung leerstehende Gebäude abgebrochen, um Baumaterialien zu beschaffen. Möglicherweise wurden auch in diesem Haus ältere, zweitverwendete Bauhölzer verwendet, genaueres könnte aber nur durch eine bauhistorische Untersuchung herausgefunden werden.

Nach dem Tod des Johann Weißer wurde das Haus in den 1670ern an Hans Hägele, Krämer und Gerichtsverwandter in Waiblingen verkauft. Hägele ist 1611 in Hößlinswart geboren, hat 1639 in Stuttgart die Witwe des Hans Schmid aus Großheppach geheiratet und wurde dort 1640 Bürger. Seine Kinder hat er 1639 und 1640 in Esslingen taufen lassen, möglicherweise weil die Familie dorthin wegen der kriegerischen Ereignisse fliehen mußte. Ab 1645 ist er in Waiblingen nachweisbar, wo er als Krämer und Gerichtsverwandter zu einem gewissen Wohlstand gekommen sein muss und hochbetagt am 13.09.1691 im Alter von 87 Jahren starb. Soweit sich das aus den Quellen nachvollziehen läßt, hat er den Dreißigjährigen Krieg in voller Länge erlebt und überlebt, hat mehrfach den Wohnort gewechselt und sich schließlich 1645 im total zerstörten Waiblingen niedergelassen, wo er sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen konnte.

Das Haus Lange Straße 28 wurde dann in der Familie über mehrere Generationen jeweils über die Töchter weitergegeben an Johann Valentin Frei, Johann Paulus Schabhard und schließlich Christian Ulrich Helferich. Dieser geriet in Konkurs, die genauen Umstände sind nicht geklärt, so dass das Haus 1775 für 2.300 Gulden an den Handelsmann Rudolf Röhn verkauft wurde. Er ließ es 1792 erweitern und vergrößern, vermutlich wurde bei diesem Umbau das Mansarddach aufgesetzt. 1855 gelangte das Gebäude für 4.000 Gulden in den Besitz der Familie Villinger.

1670er
Johann Hägele, Krämer, Handelsmann und Gerichtsverwandter, danach sein Schwiegersohn Johann Valentin Frei, seit 1666, Handelsmann, Ratsverwandter und Bürgermeister

1695
Johann Paulus Schabhard (1668-1717), Schwiegersohn des Johann Valentin Frei, Bürger seit 1695, Handelsmann und Ratsverwandter

1717
Witwe Agnes Schabhard, geb. Frei

1722
Tochter Christina Elisabeth (1696-1754) in drei Ehen:
1722
Christof Gottfried Koch, Handelsmann

1729
Jakob Eberhard Ruof, Handelsmann

1743
Christian Ulrich Helferich, Handelsmann

1752
Gantverweisung
½ Stefan Koch, der Stiefsohn, Barbier
½ Bürgermeister Johann Georg Helferich in Göppingen

1755
Herr Jakob Friedrich Haag, Handelsmann und Eisenfaktor

1775-1777
Herr Johann Rudolf Röhn der Ältere, Handelsmann für 2.300 Gulden

1792
Erweiterung und Vergrößerung, der Steueranschlag erhöht sich um 200 Gulden auf fast das Doppelte.

1816
Rudolf Röhn der Jüngere, Handelsmann, vom Vater erkauft

1855
Gottlob Villinger, Kaufmann hat das Haus, gemeinsam mit einer Scheuer im Sack für 4.000 Gulden erworben.

1869
die Witwe Luise Mathilde, geb. Schwarz