Erbaut: um 1640 von Korb nach Waiblingen versetzt (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836: 69
Grundfläche des Hauses 1836: 15,1 Quadratruten (entspricht ca. 124 qm)
Steueranschlag 1745: 94 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 11 Heller oder 1 Kreuzer, 5 Heller

Lange Str. 29 (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 29 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Gebäude Lange Straße 29 steht schräg hinter dem Anwesen Lange Straße 27 (Bäckerei Kauffmann), ist aber auch vom Marktplatz her über einen schmalen Durchgang zugänglich. Von dieser Seite aus ist es kaum einsehbar, weil es fast vollständig vom Gebäude Marktplatz 1 verdeckt wird. Der Durchgang vom Marktplatz, bis vor einigen Jahren eine Garageneinfahrt zwischen den Gebäuden Marktplatz 1 und 3, wird in den Güterbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts als „Taubenmarkt“ bezeichnet. Daher ist davon auszugehen, dass auf diesem ca. 5m breiten und 20m langen öffentlichen Grundstück von Zeit zu Zeit ein Markt stattfand, auf dem Tauben verkauft wurden.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Scheuer hinter dem Taubenmarkt zwischen Zeugmacher Pfleiderer und Christoph Pfleiderer Bek, stoßt vornen auf die Allmand und hinten Herrn Pflügers Anbäule.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte

Lange Str. 29 (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 29 (Bildquelle: Helmut Proß)Die Besitzgeschichte des Gebäudes läßt sich aufgrund einer Zinszahlung in die Kellerei Waiblingen bis 1494 zurückverfolgen. In dieser Zeit befand sich dort ein Haus, das bis ins späte 16. Jahrhundert der Familie Rieger gehörte. Allerdings sind nur über Jakob Rieger, dem im Lagerbuch von 1568 genannten Eigentümer weitere Einzelheiten bekannt. Er ist in der Türkensteuerliste von 1545 mit einem mittleren Vermögensanschlag von 350 Gulden eingeschätzt. In den Musterungslisten von 1553 bis 1569 ist er als Schütze in der 3. Wahl genannt und er läßt mit seiner Frau Margaretha Elsässer von 1559 bis 1569 die Kinder Jakob, Judith, Samuel, Johannes, Anna und Ulrich taufen.

Nach der Brandkatastrophe von 1634 gelangte das Grundstück in den Besitz des Waiblinger Stadtschreibers Johann Friedrich Volmar. Volmar war gebürtig aus Herrenberg, stammte aus einer Pfarrersfamilie und war mit der Tübinger Bürgerstochter Maria Magdalena Kormorell verheiratet.  Er war zunächst in Tübingen und Herrenberg in Schreiberdiensten tätig, kam um 1640 als Stadtschreiber nach Waiblingen und blieb bei dieser Stelle bis zu seinem Tod am 06.11.1679 im Alter von 65 Jahren. Sein Sohn Christof Volmar der Ältere, folgte ihm als Stadtschreiber nach und versah das Amt von 1679 bis 1700.

Der Cannstatter Vogt Hans Jakob Frischlin machte 1645 die herzogliche Regierung in Stuttgart darauf aufmerksam, dass in den Waiblinger Amtsdörfern Häuser abgebrochen und in die abgebrannte Amtsstadt gebracht wurden. Teilweise wurden die Häuser dort wieder aufgebaut, teilweise wurde das Holz nur als Bau- oder sogar Brennholz verwendet. Der Waiblinger Vogt Christian Herold verfaßte daher 1645 ein ausführliches Schreiben welche Häuser wo abgebrochen worden waren. Er berichtet unter anderem: „Anno [etc.] [1]640 ist Von Schuldthaiß, Burgermaistern vnd Gericht [in Korb] dem Stattschreiber Zue weiblingen Johann Friderich Vollmarn ahn seinem schreibverdienst Jung Jerg Zeidlers Scheüren daruon das Hauß daß Jahr Zuuor eingefallen, gegeben worden, So gedachter Stattschreiber Zue weiblingen wider Vfgerichtet.“ Das heißt, Volmar hatte für das Korber Dorfgericht Schreiberarbeiten ausgeführt, weil die Korber ihn aber nicht bezahlen wollten oder konnten, haben sie ihm angeboten Jung Jörg Zeidlers Scheune abzubrechen und nach Waiblingen zu versetzen. Das zu dieser Scheune gehörige Haus war bereits eingefallen, daher ist davon auszugehen, dass Jörg Zeidler schon einige Jahre zuvor durch Kriegseinwirkungen oder Krankheit gestorben war. Volmar hat wahrscheinlich nur die Fachwerkkonstruktion nach Waiblingen bringen und dort als Scheune wieder aufbauen lassen. Er hat sowohl in Korb, als auch in Bittenfeld noch je ein anderes Haus abbrechen und nach Waiblingen versetzen lassen. Bei diesen beiden anderen Gebäuden ist aber in den Quellen ausdrücklich erwähnt, dass sie, wahrscheinlich in der Kurzen Straße, als Häuser wieder aufgebaut wurden.

Ab dem 18. Jahrhundert gehörte diese Scheune als Nebengebäude zum benachbarten Haus Lange Straße 27 (Bäckerei Kauffmann). Das gesamte Anwesen (Lange Straße 27 und 29) war meist in zwei Hälften aufgeteilt, so dass jeder Eigentümer, die Besitzer waren Schmiede, Bäcker, Schuhmacher oder Schlosser, ein halbes Haus und eine halbe Scheune inne hatte. 1828 gelangte eine Hälfte an den Bäcker Christian Kauffmann, die Familie konnte später auch die andere Hälfte des gesamten Anwesens dazu kaufen und betreibt dort seit dieser Zeit eine Bäckerei.

1494
Leonhard Rieger, Anrainer: Hans Simmler und Agnes David

1511
Anna Rieger

1568
Jakob Rieger, Anrainer: Meister Wolf Jäger und Hans Mader, hinten Reinhard Eberle und Lorenz Aldinger von Fellbach gemeinsames Haus

1640
Johann Friedrich Volmar, Stadtschreiber, versetzt Jung Jörg Zeidlers von Korb Scheune nach Waiblingen und läßt sie auf diesem Grundstück wieder aufbauen.

1671
Johann Friedrich Volmar, Anrainer: Hans Weißer und Kaspar Schiller Hofraite, hinten Rudolf Becherer

1745
Eine Hälfte Jakob Teufel, Schuhmacher, später Johann Georg Pfander, Kupferschmied, und Johann Georg Maier, Schlosser. Die andere Hälfte Johann Georg Hauber, später Johannes Dannenhauer und Jakob Ostertag.

1796
Von Christof Pflüger an Johannes Dieterle verkauft

1808
Christof Kuppinger

1815
Eine Hälfte an Gottlieb Rösch

1828
Eine Hälfte an den Bäcker Christian Kaufmann

1832
Eine Hälfte an Jörg Pfander

1836
Christan Kaufmann und Jörg Pfander je hälftig