Parzellennummer 1836: 78 und 79
Grundfläche des Hauses 1836: 23,6 Quadratruten (entspricht ca. 193,7 qm)
Grundfläche der Scheunen: 19,6 und 18,2 Quadratruten (entspricht ca. 161 qm und 149 qm)
Steueranschlag 1745: 120 Gulden (Haus), 62 Gulden (1. Scheune), 62 Gulden (2. Scheune)
Grundherrliche Abgabe:
Das Haus:
Kellerei Waiblingen 11 Heller oder 2 Kreuzer, 5 Heller
Geistliche Verwaltung Waiblingen 2 Schilling, 6 Heller oder 5 Kreuzer, 2 Heller
Stadt Waiblingen 4 Kreuzer, 2 Heller
Die Scheune rechts neben dem Haus (Parzelle 79b, heute Flachbau):
Geistliche Verwaltung Waiblingen 6 Schilling oder 13 Kreuzer
12½ Ruten Garten im rückwärtigen Bereich bis zur Stadtmauer:
Geistliche Verwaltung Waiblingen 4 Schilling oder 8 Kreuzer, 4 Heller und die Hälfte von 6 Schilling oder 13 Kreuzer (3 Schilling oder 6 Kreuzer, 3 Heller)
Lange Str. 30 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die Lange Straße 30 war mit ihren Nebengebäuden eines der größten Anwesen in der Waiblinger Altstadt, das prominent am westlichen Ende des Marktplatzes lag, wo sich die Einmündung der Oberen Sackgasse in die Lange Straße, kurz bevor sie in den Marktplatz einmündet, zum Hafenmarkt aufweitet. Das Anwesen bestand von 1745 bis 1849 aus einem Haus, einer rechts daneben und zwei dahinter stehenden Scheunen. Außerdem gehörte ein großer Garten dazu, der sich im rückwärtigen Bereich bis zur Stadtmauer erstreckte. Nach hinten schloss sich, an den Küchengarten angrenzend, die große Zehntscheune der Geistlichen Verwaltung mit Wirtschaftshof an, die im 19. Jahrhundert abgerissen und durch das Gefängnis ersetzt wurde. Nach oben grenzte das Anwesen an die Lange Straße 32 mit dem anschließenden Sachsenheimer Gässle und nach unten an das am Hafenmarkt gelegene Haus Obere Sackgasse 1. Die rechts anschließende Scheune ist heute durch einen, in das Geschäftshaus integrierten Flachbau aus den 1950er Jahren (2024 abgebrochen und neu aufgebaut) ersetzt, die rückwärtigen Bereiche sowie der Garten sind durch die Marktgasse überbaut.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine große 3. stockichte Behaussung, so ein Freÿhauß, auf dem Marckt, Worunter Zwaÿ gewölbte Keller, Zwischen einem Allmand Gäßlen ein: anderseits dem Haffen Marckht und des H:[err] Jnnhabers anstoßender Scheuren, stost Vornen auf die Lange Gaßen, und hinten den zum hauß gehörigen beschloßenen Hoff und Kuchen Gartten.
Eine alte Scheuren mit einem Thenn, Bahrn und Stallung auch halber s:[alva] v:[enia] TungLegin auf dem Haffen Marckt, zwischen dem haffen Marckt, und dem Verwaltungshoff, Vornen auf des heren Jnhabers Hoff und Garten, und hinten Christian Böhringers Rothgebers hauß stossend.
Eine Scheuren hinter des Heren Possessoris Hoff, zwischen H[an]ß Jerg Röcklens Witt:[we] und des H:[errn] Jnnhabers Kuchen Gartten, stost vornen auf Johannes Majerlens Witt:[we] Hauß, und des H[err] Jnnhabers Hoff und hinten hienach stehende neue Stallung.
Eine neuerbaute Stallung und Heuhauß, zwischen des H:[errn] Jnnhabers Gartten, und Martin Wolffen, Kieffers Scheuren, stost vornen auf die alte Scheuren, und hinten die Stattmauren.
Lage
Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Die Besitzgeschichte des Hauses läßt sich mithilfe einer Abgabe in die Kellerei Waiblingen bis 1494 zurückverfolgen. 1568 befand sich das Anwesen im Besitz von Michael Sattlers Witwe, der Angehörigen einer bekannten ehrbaren Familie, und kam um 1600 in den Besitz des Ulrich Krämer und seiner Frau Katharina Renz. Dessen Schwiegersohn Kaspar Rösch, der aus Kirchheim am Neckar stammte, hat in herzoglichen Diensten Karriere gemacht und war 1617 als “Rentkammerexpeditionsrat” ein hoher Beamter der herzoglichen Verwaltung in Stuttgart. Rösch erwirkte bei Herzog Johann Friedrich ein umfangreiches Privileg, in dem das Anwesen, samt den Scheunen für alle Zeiten von den grundherrlichen Lasten befreit war. Allerdings scheint dies eher ein symbolischer Akt gewesen zu sein. In den ab 1745 erhaltenen Güterbüchern werden alle vier Gebäude zur Steuer veranlagt, das Haus sogar mit einem, der Größe und Lage sicherlich angemessen hohen Betrag von 623 Gulden und auch die unablösigen Zinsen in die Geistliche Verwaltung blieben erhalten. Lediglich die geringe Abgabe in die Kellerei Waiblingen wurde aufgehoben.
Nach der Brandkatastrophe von 1634 berichtet der Chronist Wolfgang Zacher für das Jahr 1656: “Hans Ludwig Roesch, Gerichts-Advokatus, baute auf seines Altvaters Kammerrat Röschens Freihaus-Hofstatt daselbsten an der Straße und dem Hafenmarkt.” Die Familie Rösch war also Eigentümer des Areals geblieben und hat 1656 ein stattliches Gebäude auf das wahrscheinlich noch vorhandene steinerne Erdgeschoss setzen lassen. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das heute noch existierende Gebäude, das mit seinen drei Vollgeschossen zu den größten und stattlichsten im 17. Jahrhundert gebauten Häusern in der Waiblinger Altstadt gehört und am ehesten dem im selben Jahr errichteten Nachbargebäude Lange Straße 32 vergleichbar ist.
Im Kellereilagerbuch von 1671 ist Hans Georg Krauß als Eigentümer genannt. Krauß stammte aus Nürtingen und war Bäcker und Gastwirt “zum Löwen”, wahrscheinlich richtete er in der Lange Straße 30 für einige Jahre ein Gasthaus ein. Beim Beginn der Güterbücher 1745 befand sich das Haus im Eigentum des Bürgermeisters Ferdinand Friedrich Dettinger, dem Sohn eines Kellers in Tübingen, der durch die Heirat mit der Witwe des Ratsverwandten Johann Christof Jäger nach Waiblingen gekommen war. 1790 betrieb Johann Daniel Kurrle in der Lange Straße 30 wieder eine Gastwirtschaft, dieses Mal mit dem Namen „Lamm“. 1849 kam die große Scheune hinter dem Haus in den Besitz des Immanuel Bunz und gehörte von da an nicht mehr zum restlichen Anwesen.
1494
Jakob Schweiker, Anrainer: Jörg Happ und Ulrich Nutzbeck
1511
Klaus Beck
1568
Michael Sattler Witwe, Anrainer: Hans Eltlin Hofraite und Thomas Hainle Scheune, hinten Christian Aigenmann Hofraite
1617
Kaspar Rösch, Rentkammerexpeditionsrat in herzoglichen Diensten in Stuttgart, davor sein Schwager Ulrich Krämer und seine Frau Katharina Renz, Anrainer: Konrad Dötz kleines Häusle, hinten Johann Hunn, Bürgermeister Witwe. Zum Anwesen gehören ein Haus am Markt und Hafenmarkt sowie dabei und dahinter gelegene Scheunen.
1656
Hans Ludwig Rösch, Gerichts-Advokat [1660-1674 Kastenpfleger], baute auf seines Altvaters Kammerrat Röschens Freihaus-Hofstatt daselbsten an der Straße und dem Hafenmarkt
1671
Hans Georg Krauß aus Haus und Scheunenplatz (die Scheunen sind also nicht oder noch nicht alle wieder aufgebaut), Anrainer: Daniel Schlegelbauer und Jörg Lang Scheune
1745
Ferdinand Friedrich Dettinger
Zum Haus gehören:
eine alte Scheune auf dem Hafenmarkt
eine Scheune hinter des Besitzers Hof
eine neu erbaute Stallung und Heuhaus zwischen des Inhabers Garten und Stadtmauer
Parzelle 306: 12¼ Ruten Küchengarten
1787
Johann Georg Kaufmann, Kellereikastenknecht, aus der Erbmasse der Familie Dettinger erkauft um 4.225 Gulden
1790
Johann Daniel Kurrle, Lammwirt
1831
Johann Daniel Kurrle, Lammwirt
Eine große 3-stockige Behausung, so eine Freihofstatt, auf dem Markt mit gewölbtem Keller
1836
Imanuel Kurrle und Frau Luise, geb. Wenzel, vom Vater erkauft für 6.000 Gulden mit alter Scheune, Scheune hinter dem Hof, neuerbauter Stallung und Heuhaus, 12¼ Ruten Garten, bzw. Scheunenhof
1843
Ein 3-stockiges Wohnhaus mit Anbäule auf dem Markt mit Schweinestall, Hofraum – die Lammwirtschaft
1851
Christian Kaufmann, Stadtrat
1857
Jakob Pfleiderer, Rotgerber
1877
Ein 3-stockiges Wohnhaus mit 2-stockigem Anbau, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk mit gewölbtem Keller, am Markt
1894
Gotthilf Pfleiderer, Rotgerber
Lange Str. 30 von 1975 (Bildquelle: Helmut Proß)
2024
Sanierung und Umbau des Erdgeschosses zur Markthalle
Die Scheune:
Bis 1849 zum Haus gehörig
1849
Immanuel Bunz
Eine 1-stockige Scheuer mit Tenne, Barn und Remise, Barn und Remise hinter dem Haus
1877
Eine 1-stockige Scheuer, teils von Stein, teils von Fachwerk
Eine an obige angebaute 1-stockige Scheuer von Stein und Fachwerk (Parzelle 79 und 79a)
1879
sechs Bunzsche Kinder
1882
Gottlob Balz, Bortenmacher