Erbaut: vor 1671
Parzellennummer 1836: 94
Grundfläche des Hauses 1836: 9,8 Quadratruten (entspricht ca. 80,4 qm)
Steueranschlag 1745: 187 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 1,5 Heller

Lange Str. 33 von der Langen Straße aus (Bildquelle: Jörg Heinrich)Lange Str. 33 von der Langen Straße aus (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die sieben Anwesen Lange Straße 31-43 (ungerade Nummern), auf der Ostseite der Lange Straße gelegen, sind alle auf gleichartigen, länglichen Parzellen gebaut. Vorne an der Lange Straße befinden sich die Häuser, in der Scheurengasse, in der Quellen gelegentlich auch “Zwerchgasse” (für querverlaufende Verbindungsgasse) genannt, stehen die Scheunen hinter einem kleinen Innenhof. Die Parzellen sind zwar unterschiedlich breit, mussten aber alle eine Abgabe von ca. 1 Kreuzer in die Kellerei Waiblingen bezahlen, die eine Parzelle etwas mehr, die andere etwas weniger. Dieser Teil der Waiblinger Altstadt ist der einzige Bereich, von dem man den Eindruck hat, dass zu Beginn der Siedlungstätigkeit im Mittelalter eine planmäßige Aufteilung der Parzellen erfolgt ist. Aufgrund der Abgaben in die Kellerei, lassen sich die Besitzfolgen in den Lagerbüchern bis mindestens 1494 nachvollziehen. Aufgrund der Größe der Grundfläche und der Art der Anlage, mit Haus und Nebengebäude, scheinen die Parzellen bei der Planung für Handwerkerhäuser mit Nebenerwerbslandwirtschaft, Weingärtnerhäuser oder auch für kleinere Vollerwerbsbauern vorgesehen zu sein. Für Gasthäuser oder große Geschäftshäuser, wie man sie in der Lange Straße als Hauptverkehrsstraße eigentlich erwarten würde, sind die Häuser zu klein. Als Wohnhäuser für die städtischen Beamten oder die Ehrbarkeit waren sie ebenfalls nicht groß und nicht repräsentativ genug. Daher findet sich auch an keinem der Häuser irgendwelcher Bauschmuck, keine Inschriften oder Neidköpfe, lediglich auf Schmuckfachwerk hat man auch in diesen, eher kleinbürgerlichen Handwerkerschichten nicht verzichtet. Während die Scheunen im hinteren Bereich teilweise zusammengelegt wurden, so dass einem Vorderhaus eine doppeltbreite Scheunenparzelle gegenüber steht, ist dies bei den Häusern an der Lange Straße nicht der Fall, so dass hier keine Häuser auf zwei Parzellen gebaut wurden. Die Scheunen in der Scheurengasse sind heutzutage alle in Wohnhäuser umgewandelt.

Lange Str. 33 Rückseite (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 33 Rückseite (Bildquelle: Helmut Proß)Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung mit 2.en Stöcken und Keller in der Langen Gaßen, ob dem Marckt, mit einem Höfflen darhinter, zwischen Joh:[ann] Georg Becherer Mezgern, und Christoph Sim[m]endinger, Nagelschmid, stost vornen auf die Gaßen, und hinten Wolffgang Bäßlers, Metzgers, Scheuren.

Lage

Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 33 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches inmitten einer eng bebauten Häuserzeile steht. Über einer hohen, massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschosszone erhebt sich ein unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die symmetrisch gegliederte Straßenfassade besitzt in allen Stockwerken Geschossvorstöße, die an den Schwellen farblich abgesetzte, kielbogige Schnitzungen aufweisen, die typisch für die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts sind.

Bau- und Besitzgeschichte

Die Besitzgeschichte des Hauses Lange Straße 33 läßt sich anhand der Einträge in den Kellereilagerbüchern bis 1494 zurück verfolgen. Der erste bekannte Eigentümer war Hans Trunk, der von 1506 bis 1515 Stadtschreiber in Waiblingen war.

Im Jahre 1568 ist Sebastian Schöck als Besitzer genannt. Er war einer der reichsten Waiblinger Bürger, gehörte zur städtischen Ehrbarkeit und ist in einem Schuldnerverzeichnis von 1591 als derjenige Gläubiger genannt, der 2.200 Gulden verliehen hatte, die höchste Summe im ganzen Amt Waiblingen. In den Lagerbüchern der Kellerei Waiblingen und des Spital Esslingen sind mindestens 22 Morgen Acker verzeichnet, die ihm gehörten, womit er zu den größten Güterbesitzern in dieser Zeit zählte. Beim Haus Lange Straße 33 war kein Platz für Nebengebäude, Schöck war aber Eigentümer einer großen Scheune in der Zwerchgasse 6.

Wer nach der Brandkatastrophe von 1634 das Haus wiederaufgebaut hat, ist leider nicht bekannt. Im Lagerbuch von 1671 ist Philipp Knauß als Eigentümer genannt. Er, und auch seine Nachfolger bis 1762 sind Barbiere. Daher ist davon auszugehen, dass sie in diesem Haus einen Friseursalon betrieben haben.

1494
Hans Trunk, Stadtschreiber

1511
Hans Trunk, Stadtschreiber

1568
Sebastian Schöck, Anrainer: Ludwig Wolfhart, Jos Schönwalder und Barbara, Thomas Wolfhart Witwe, hinten Hans Wolfhart Scheune

1671
Philipp Knauß, Anrainer: Johannes Hitzler, Lebküchler, und Georg Dürr, Kessler, hinten Jakob Weiß

Vor 1745
Ottfriedrich Wolf, Barbier, eine Hälfte

1745
An Johannes Lehmann, Barbier, verkauft

1762 und 1767
Erkauft Johann Jacob Börith eine Hälfte von Johannes Lehmann Frau, seiner Schwiegermutter

1790
Kauft Johann David Börith eine Hälfte aus der Erbmasse

1820
Verkauft Johann David Börith eine Hälfte an Michael Schlegel

1831
Kauft Johann Weiß, Kameralamtsdiener, eine Hälfte von Michael Schlegel

1836
David Börith Erben und Johann Weiß, Kameralamtsdiener, je hälftig

1838
Erbt David Börith eine Hälfte