Parzellennummer 1836: 95
Grundfläche des Hauses 1836: 9,7 Quadratruten (entspricht ca. 79,6 qm)
Steueranschlag 1745: 166 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen 7 Heller oder 1 Kreuzer, 1 Heller
Lange Str. 35 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die sieben Anwesen Lange Straße 31-43 (ungerade Nummern), auf der Ostseite der Lange Straße gelegen, sind alle auf gleichartigen, länglichen Parzellen gebaut. Vorne an der Lange Straße befinden sich die Häuser, in der Scheurengasse, in der Quellen gelegentlich auch “Zwerchgasse” (für querverlaufende Verbindungsgasse) genannt, stehen die Scheunen hinter einem kleinen Innenhof. Die Parzellen sind zwar unterschiedlich breit, mussten aber alle eine Abgabe von ca. 1 Kreuzer in die Kellerei Waiblingen bezahlen, die eine Parzelle etwas mehr, die andere etwas weniger. Dieser Teil der Waiblinger Altstadt ist der einzige Bereich, von dem man den Eindruck hat, dass zu Beginn der Siedlungstätigkeit im Mittelalter eine planmäßige Aufteilung der Parzellen erfolgt ist. Aufgrund der Abgaben in die Kellerei, lassen sich die Besitzfolgen in den Lagerbüchern bis mindestens 1494 nachvollziehen. Aufgrund der Größe der Grundfläche und der Art der Anlage, mit Haus und Nebengebäude, scheinen die Parzellen bei der Planung für Handwerkerhäuser mit Nebenerwerbslandwirtschaft, Weingärtnerhäuser oder auch für kleinere Vollerwerbsbauern vorgesehen zu sein. Für Gasthäuser oder große Geschäftshäuser, wie man sie in der Lange Straße als Hauptverkehrsstraße eigentlich erwarten würde, sind die Häuser zu klein. Als Wohnhäuser für die städtischen Beamten oder die Ehrbarkeit waren sie ebenfalls nicht groß und nicht repräsentativ genug. Daher findet sich auch an keinem der Häuser irgendwelcher Bauschmuck, keine Inschriften oder Neidköpfe, lediglich auf Schmuckfachwerk hat man auch in diesen, eher kleinbürgerlichen Handwerkerschichten nicht verzichtet. Während die Scheunen im hinteren Bereich teilweise zusammengelegt wurden, so dass einem Vorderhaus eine doppeltbreite Scheunenparzelle gegenüber steht, ist dies bei den Häusern an der Lange Straße nicht der Fall, so dass hier keine Häuser auf zwei Parzellen gebaut wurden. Die Scheunen in der Scheurengasse sind heutzutage alle in Wohnhäuser umgewandelt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine behausung mit 2.en Stöcken und einem gewölbten Keller auch einem Höfflen darhinter in der Langen Gaßen, neben Johannes Löwman[n], Barbierer, und Johannes Pfingstag Schmid, stost vornen auf die Lange Gaßen und hinten Johann Wolffgang Bäßlers, Mezgers Scheuren.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 35 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches in einer eng bebauten Häuserzeile auf der Ostseite der Lange Straße steht. Über einer hohen, massiv gemauerten und durch Ladeneinbau überformten Erdgeschosszone erhebt sich ein verputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die schlichte Putzfassade mit liegenden Fensterformaten im Obergeschoss spricht für eine umfangreiche Fassadensanierung im 20. Jahrhundert.
Bau- und Besitzgeschichte
Auf dem Grundstück des Hauses Lange Straße 35 standen vor der Brandkatastrophe von 1634 zwei Häuser, wie sich das auf einer solch kleinen Parzelle bewerkstelligt ließ, ist unklar. Eines davon war 1568 sogar von zwei Parteien bewohnt, woran sich abschätzen läßt wie eng die Waiblinger Altstadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bebaut war.
Wolfgang Zacher berichtet in seiner Chronik aus dem Jahre 1646: “Georg Dürr, Keßler, baute ob dem Markt auf Joachim Dötzens Hofstatt zur linken Hand, wenn man die Lange Gasse hinaufgeht.“ Das heute an dieser Stelle stehende Haus ist komplett verputzt, die Fassade weist nur einen Stockwerksvorstoß unterhalb des Dachgeschosses auf, so dass es von außen keinerlei Anhaltspunkte gibt, um den Bau zu datieren und sich nicht abschätzen läßt, ob sich hinter dieser Putzfassade der Bau von 1646 befindet oder das Haus zu einem späteren Zeitpunkt umgebaut oder neu errichtet wurde. Wie oben erwähnt, stehen in diesem Abschnitt der Lange Straße hinter einem kleinen Innenhof in der Scheuerngasse die zu den Häusern gehörigen Nebengebäude. Allerdings sind die Scheunen doppelt so breit, so dass auf jede Scheune zwei Häuser kommen. Zur Lange Straße 35 gehörte zwar immer der Innenhof, aber zu keinem Zeitpunkt die rückwärtig stehende Scheune. Daher war das Haus nur als Handwerkerhaus nutzbar, die Bewohner waren meist Bäcker.
1494
Hans Mendle und Heinrich Schneider aus 2 Häusern, Anrainer: Hans Trunk und Johannes Kieß
1511
Hans Mendle und Anna Sailer
1568
Jos Schönwalder, Barbara Thomas Wolfart Witwe und Lorenz Keßler aus 2 Häusern, Anrainer: Bastian Schöck und Konrad Kienzle Hofraite, hinten Jung Ulrich Schweizer
1646
Georg Dürr, Keßler, baute ob dem Markt auf Joachim Dötzens Hofstatt zur linken Hand, wenn man die Lange Gasse hinaufgeht
1671
Georg Dürr, Kessler, Anrainer: Philipp Knauß, Barbier und Hans Georg Schmälzle, hinten Jakob Weiß Scheune
1745
Johannes Herte, Bäcker, vorher Christof Simmerdinger, Nagelschmied
1747
Johann Christof Pfleiderer
1762
An Herrn Handelsmann Daniel Beck vertauscht und sofort an Jakob Pfander, Bäcker, verkauft
1776
An Johannes Bunz verkauft
1810
Rudolf Kaufmann tauscht das Haus von Johann Friedrich Pfander, Bäcker, ein
1834
An den Schwiegersohn Matthäus Schwarz
1836
Rudolf Kaufmann drei Viertel, Matthäus Schwarz, Nagelschmied, ein Viertel
Lange Str. 35 von 1890 (Bildquelle: Wilhelm Bauder Die Mergenthaler 1939 S. 153)