Erbaut: 2. Hälfte 17. Jahrhundert, möglicherweise im 19. Jahrhundert überformt
Parzellennummer 1836: 97
Grundfläche des Hauses 1836: 11,9 Quadratruten (entspricht ca. 97,7 qm)
Grundfläche der Scheune: 8,1 Quadratruten (entspricht ca. 66,5 qm)
Steueranschlag 1745: 187 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 7,5 Heller oder 1 Kreuzer, 1½ Heller

Lange Str. 37 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Lange Str. 37 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die sieben Anwesen Lange Straße 31-43 (ungerade Nummern), auf der Ostseite der Lange Straße gelegen, sind alle auf gleichartigen, länglichen Parzellen gebaut. Vorne an der Lange Straße befinden sich die Häuser, in der Scheurengasse, in der Quellen gelegentlich auch “Zwerchgasse” (für querverlaufende Verbindungsgasse) genannt, stehen die Scheunen hinter einem kleinen Innenhof. Die Parzellen sind zwar unterschiedlich breit, mussten aber alle eine Abgabe von ca. 1 Kreuzer in die Kellerei Waiblingen bezahlen, die eine Parzelle etwas mehr, die andere etwas weniger. Dieser Teil der Waiblinger Altstadt ist der einzige Bereich, von dem man den Eindruck hat, dass zu Beginn der Siedlungstätigkeit im Mittelalter eine planmäßige Aufteilung der Parzellen erfolgt ist. Aufgrund der Abgaben in die Kellerei, lassen sich die Besitzfolgen in den Lagerbüchern bis mindestens 1494 nachvollziehen. Aufgrund der Größe der Grundfläche und der Art der Anlage, mit Haus und Nebengebäude, scheinen die Parzellen bei der Planung für Handwerkerhäuser mit Nebenerwerbslandwirtschaft, Weingärtnerhäuser oder auch für kleinere Vollerwerbsbauern vorgesehen zu sein. Für Gasthäuser oder große Geschäftshäuser, wie man sie in der Lange Straße als Hauptverkehrsstraße eigentlich erwarten würde, sind die Häuser zu klein. Als Wohnhäuser für die städtischen Beamten oder die Ehrbarkeit waren sie ebenfalls nicht groß und nicht repräsentativ genug. Daher findet sich auch an keinem der Häuser irgendwelcher Bauschmuck, keine Inschriften oder Neidköpfe, lediglich auf Schmuckfachwerk hat man auch in diesen, eher kleinbürgerlichen Handwerkerschichten nicht verzichtet. Während die Scheunen im hinteren Bereich teilweise zusammengelegt wurden, so dass einem Vorderhaus eine doppeltbreite Scheunenparzelle gegenüber steht, ist dies bei den Häusern an der Lange Straße nicht der Fall, so dass hier keine Häuser auf zwei Parzellen gebaut wurden. Die Scheunen in der Scheurengasse sind heutzutage alle in Wohnhäuser umgewandelt.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2 stockichte Behausung mit einem Klein gewölbten Keller darunter und einer ringen s:[alva] v:[enia] Tung Legin vornen daran in der Langen Gaßen, zwischen Christoph Sim[m]eringer, Nagelschmid, und H[an]ß Jerg Kauffmann, Kellereÿ KastenKnecht, stoßt vornen auf die Gaßen, und hinten des Jnnhabers und Christian Lorenzen Scheuren.

Eine darhinter stehende Scheuren mit einer s:[alva] V.[enia] TungLegin, und einem gewölbten Keller, zwischen Wollff:[ang] Bäßler, Mezger, und H[an]ß Jerg Kauffmann, stost vornen auf die Zwerch Gaßen, und hinten des Jnnhaber Hauß.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Das Haus Lange Straße 37 mit seinem hübschen Sichtfachwerk scheint aus dem späten 17. Jahrhundert zu stammen, die Fassade ist aber so gleichmäßig-symetrisch aufgebaut, dass zumindest eine Überarbeitung der Fassadengestaltung im 19. Jahrhundert vorstellbar ist.

Lange Str. 37 (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 37 (Bildquelle: Helmut Proß)Der erste Eigentümer, über den wir etwas mehr wissen, ist der im Lagerbuch von 1511 genannte Jörg Huttle. Sein Haus ist in der Herdtstättenliste mit einem Wert von 180 Gulden eingeschätzt, was einem durchschnittlichen Steueranschlag entspricht. 1568 waren Haus und Scheune in zwei Teile geteilt. Der erste Eigentümer Konrad Kienzle erscheint 1566 erstmalig als Spießer in den Musterungslisten und wird 1583 und 1592 als kriegserfahrener Soldat bezeichnet, ohne dass wir näheres über seine Kriegszüge erfahren. Er läßt zwischen 1566 und 1570 drei Kinder, Konrad, Susanna und Tobias taufen, bei der Geburt des letzten Kindes ist seine Frau verstorben. Für Hans Gauger, den zweiten 1568 genannten Eigentümer, verzeichnet das Kirchenbuch nur die Taufe einer Tochter Katharina am 30.05.1567. Merkwürdigerweise sind bei den Kindern beider Familien die selben Paten genannt, der Vogt Paul Greins und Katharina, zunächst des Witwe Hans Dietrich, dann Ehefrau des am Markplatz 8 wohnenden Handelsmann Hans Mager.

Hans Jörg Schmälzle, Hufschmied und Besitzer des Hauses im Jahre 1671, ist in der Zacher-Chronik beim Bericht über das Vogtgericht 1639 bei den 20 jungen Bürgersöhnen genannt, die im Krieg oder auf der Wanderschaft waren. Am 27.05.1651 hat er in Schmiden Anna Stüber aus Kleineislingen geheiratet, mit der er vier Kinder hatte. Er ist in Waiblingen am 10.04.1692 gestorben, seine Frau am 09.04.1707 im Alter von 76 Jahren.

1494
Johannes Kieß, Anrainer: die Schwilckin

1511
Jörg Huttle

1568
Konrad Kienzle (im Lagerbuch “Cöntzlin” genant) und Hans Gauger, Anrainer: Lorenz Keßler, Michael Schmid, Seiler, hinten Jung Ulrich Schweizer

1645
"Georg Schmältzlin, Schmied, baute auf Balthes Mergenthalers Hofstatt an der Langen Gasse, oberhalb dem Markt" (Zacher-Chronik)

1671
Georg Schmälzle, Schmied, Anrainer: Georg Dürr und Paul Gerstenmaier

1745
Johannes Pfingstag, Schmied, später Christoph Pflüger, Küfer

1757
Jakob Dobler, Bauer, ein Viertel von Martin Schweizer erkauft

1771
Eine Hälfte Johann Michael Korn, später David Weiß, Hutmacher, von Jakob Dobler erkauft und 1823 an Jörg und David Weiß weitergegeben

1777
Eine Hälfte Andreas Frank, später Ehenachfolger Christian Maier, von Markus Heß gekauft

1840
An Gottlob Pfander, Seifensieder, verkauft

1982
Über das Gelände wird eine Passage als Verbindung zwischen Langestraße und Scheurengasse eingerichtet.