Erbaut: Steinernes Erdgeschoss möglicherweise um 1498, Fachwerkaufbau um 1657/1658
Parzellennummer 1836: 100 (Haus), 110 (Scheune)
Grundfläche des Hauses 1836: 24,6 Quadratruten (entspricht ca. 202 qm)
Steueranschlag 1745:

als Pfleghof einer geistlichen Institution war das Anwesen steuerfrei
Grundherrliche Abgabe:
an die Stadt Waiblingen 2 Pfund, 1 Schilling

Lange Str. 40 (Bildquelle: Helmut Pross)Lange Str. 40 (Bildquelle: Helmut Pross)Das gesamte Ensemble mit dem Pfleghof, einer dazugehörigen Scheune (Schmidener Straße 4) und einem großen, bis zur Stadtmauer reichenden Garten war eines der größten Anwesen in der Waiblingen Altstadt. Der Pfleghof, in zweiter Reihe in der Lange Straße stehend, dominiert mit seinem hohen Dach die Stadtsilhouette in diesem Bereich.

Gebäudebeschreibung im Adelberger Lagerbuch 1705
Eine Behauszung, Hoff und Ein Viertel Schorgartens, Oben in der Statt, Zwishen Johann Georg Becherers Burgermeisters und Kupfershmids Scheuren, und der Gemeinen Gassen einer„ anderseits Philipp Jacob Webers Handelßmanns Behaußung, Jtem diser Pfleeg nach Benamßte scheuren, Wie Auch Johannes Dehlen Obristen Scheuren und Bemelten [Philipp Jakob] Webers Anderm New Erbauten Hauß gelegen, stoßt Vornen auff die gemeine Gaß, und Hinden an die Stadtmauren.

Eine Scheuren samt Einer s.[alva] v.[enia] Mistgerechtsame daselbsten Zwishen dem Adelbergischen Pfleeg Hoff, und mit der Vsserhalb dem Hoff Befindlichen Mist Statt an der Schmidener Gasse gelegen, Vorne auff Philipp Jacob Weebers Behaußung und Hinden auff deß Obristen Johann Dehlen Scheuren stossendt.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung und Keller, samt einem Hoff, und Kuchen Gartten hinten daran oben in der Statt, zwischen der Allmand, und Johann Georg Gabriel und Philipp Heinrich der Becherer ein: anderseits Herrn Specialis Mr: Schmidin hinterbliebener Fr:[au] Witt:[we] Behausung der Adelberg:[ischen] Pfleeg und Johann Jacob Binders 2.en Scheuren nicht Weniger Georg Friderich Krausen Becken et Conss:[orten] gemeinschaftl:[icher] Behausung, stost Vornen auf den Gemeinen Wandel, und hinten die Statt Mauren.

Eine Scheuren beÿ obiger Behausung, neben der Gaßen gegen dem Schmidener Thor, und der Pfleeg selbst angehörigem Hoff, stost oben an Johann Jacob Binders Becken Steuerfreÿe Scheuren, und unten herrn Special Mr. Schmiden Frau Witt:[we] Hierbeÿ ist zu Wißen, daß F[ü]rstl:[iche] Visitation sich zu weiter nicht als 2. lb. 1 ß. ewige Steuer verstehen will, welches jährl:[ich] an Geld beträgt — 1. f. 28 x. 1 h.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Am 05.09.1253 schenkte Gräfin Mathilde von Württemberg das Haus der Witwe Eppin an das im Jahr 1178 auf dem Schurwald zwischen Schorndorf und Göppingen gegründete Kloster Adelberg. Das Kloster hatte umfangreiche Besitzungen in der näheren Umgebung und auch Einkünfte aus sieben Häusern in der Waiblinger Altstadt, in der oberen und unteren Lange Straße und unteren Kurze Straße. Das große und stattliche Gebäude in der Lange Straße 40 war über Jahrhunderte Sitz des Adelberger Pfleghofs und somit Verwaltungsgebäude für die Besitzungen des Klosters im unteren Remstal.

Lange Str. 40 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Lange Str. 40 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Das steinerne Erdgeschoss des Gebäudes stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist über dem Eingangsportal mit dem Wappen des Adelberger Abts Berthold Dürr – einem dürren Baum – geschmückt, das erst 1982 bei Renovierungsarbeiten wieder aufgedeckt wurde. Die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts war eine Blütezeit des Klosters, das Klostervermögen war so groß, dass die Klosterverwaltung mehrmals größere Gelddarlehen ausleihen konnte. Berthold Dürr ließ 1490 für das Dorf Hundsholz eine Kapelle errichten, ein Jahr vor seinem Tod wurde 1500 der Neubau der Ulrichskapelle im Kloster vollendet. Daher ist es wahrscheinlich, dass der repräsenstative Bau des Waiblinger Pfleghofs mit den mächtigen Mauern über dem großen Keller, der kunstvoll gestalteten Pforte und den Schießscharten auf der Seite zur Schmidener Straße unter Abt Berthold um das Jahr 1498 wesentlich umgebaut oder gar neu erstellt wurden. Der große Kellereingang auf der Nordseite scheint erst im 16. Jahrhundert angelegt worden zu sein. Hier wurden Jahreszahlen unter anderem aus dem Jahre 1568 gefunden.

Der Wiederaufbau nach dem Brand 1634 erfolgte 1657 unter Benutzung des steinernen Erdgeschosses und des großen Kellers, die Bäume für das dendrochronologisch datierte Bauholz wurden aber bereits 1656 gefällt. Der zunächst von Michael Wagner erstellte Bauüberschlag vom 24.07.1657 musste abgeändert werden, weil zwischen Mauerstock und Dach ein ursprünglich nicht vorgesehener mittlerer Stock eingezogen werden sollte. Am 25.08.1658 wurde aufgerichtet, Zimmermann war Sebastian Untermaier von Öffingen, Maurer war Georg Allezeh. Im Gebälk des Giebels ist die Jahreszahl 1658 (als Jahr der Fertigstellung des Fachwerkaufbaus) bei der Restaurierung in den 1980er Jahren freigelegt worden. Der weitere Ausbau dauerte nochmal ein Jahrzehnt. Die nicht erhaltene Scheune wurde erst 1676 neu erstellt.

Im 17.-18. Jahrhundert war der Pfleghof auch Sitz des Geistlichen Verwalters, und 1819-1889 Kameralamt. 1888/89 verkaufte die Finanzverwaltung das Gebäude an den Schmied Johannes Daiber für 27.000 Mark. In den 1970er Jahre wurde überlegt das Gebäude abzubrechen und an dieser Stelle ein Parkhaus zu bauen. Dann entschied man sich aber doch für eine Erhaltung und Sanierung, so dass die Stadt Waiblingen 1977 das Gebäude aus Privatbesitz kaufte und es 1983 sanieren ließ.

1538
Adelberger Pfleghof
Anrainer: Hans Lutz und Hans Geisel

1597
Adelberger Pfleghof
Anrainer: Hans Ulrich Krämer, Jakob Schmid Witwe

1657/1658
Neubau des Gebäudes Lange Straße 40

um 1676
Neubau der Scheune (Schmidener Straße 4)

1704
Die Adelberger Klosterpflege wurde mit der Geistlichen Verwaltung Waiblingen vereint.

1705
Anrainer: Johann Georg Becherer, Kupferschmied und Bürgermeister, Philipp Jakob Weber, Handelsmann und Johann Dehl, Oberst

1819-1889
Kameralamt des Oberamts Waiblingen

1850
Von Schmied Johannes Daiber für 600 Gulden eine Schmiedewerkstatt in der Lange Straße dazu gekauft und abgebrochen, nun Hofraum

1888/1889
Verkauf an Schreiner Wilhelm Kienzle. Die Finanzverwaltung erwirbt dafür Bahnhofstraße 1 von Karoline Jauß, Kunstmüller Witwe, für 27.000 Mark zum 01.02.1889

1977
Die Stadt Waiblingen kauft das Gebäude aus Privatbesitz

1983
Umfangreiche Sanierung