Parzellennummer 1836: 103
Grundfläche des Hauses 1836: 9,4 Quadratruten (entspricht ca. 77,2 qm)
Steueranschlag 1745: 280 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 5,5 Heller
Armen Kasten Esslingen 21 Kreuzer, 4 Heller
Armen Kasten Waiblingen 7 Kreuzer, 3 Heller
Stadt Waiblingen aus der Dunglege 15 Kreuzer, 1 Heller
Lange Str. 41 (Bildquelle: Helmut Proß)Die sieben Anwesen Lange Straße 31-43 (ungerade Nummern), auf der Ostseite der Lange Straße gelegen, sind alle auf gleichartigen, länglichen Parzellen gebaut. Vorne an der Lange Straße befinden sich die Häuser, in der Scheurengasse, in der Quellen gelegentlich auch “Zwerchgasse” (für querverlaufende Verbindungsgasse) genannt, stehen die Scheunen hinter einem kleinen Innenhof. Die Parzellen sind zwar unterschiedlich breit, mussten aber alle eine Abgabe von ca. 1 Kreuzer in die Kellerei Waiblingen bezahlen, die eine Parzelle etwas mehr, die andere etwas weniger. Dieser Teil der Waiblinger Altstadt ist der einzige Bereich, von dem man den Eindruck hat, dass zu Beginn der Siedlungstätigkeit im Mittelalter eine planmäßige Aufteilung der Parzellen erfolgt ist. Aufgrund der Abgaben in die Kellerei, lassen sich die Besitzfolgen in den Lagerbüchern bis mindestens 1494 nachvollziehen. Aufgrund der Größe der Grundfläche und der Art der Anlage, mit Haus und Nebengebäude, scheinen die Parzellen bei der Planung für Handwerkerhäuser mit Nebenerwerbslandwirtschaft, Weingärtnerhäuser oder auch für kleinere Vollerwerbsbauern vorgesehen zu sein. Für Gasthäuser oder große Geschäftshäuser, wie man sie in der Lange Straße als Hauptverkehrsstraße eigentlich erwarten würde, sind die Häuser zu klein. Als Wohnhäuser für die städtischen Beamten oder die Ehrbarkeit waren sie ebenfalls nicht groß und nicht repräsentativ genug. Daher findet sich auch an keinem der Häuser irgendwelcher Bauschmuck, keine Inschriften oder Neidköpfe, lediglich auf Schmuckfachwerk hat man auch in diesen, eher kleinbürgerlichen Handwerkerschichten nicht verzichtet. Während die Scheunen im hinteren Bereich teilweise zusammengelegt wurden, so dass einem Vorderhaus eine doppeltbreite Scheunenparzelle gegenüber steht, ist dies bei den Häusern an der Lange Straße nicht der Fall, so dass hier keine Häuser auf zwei Parzellen gebaut wurden. Die Scheunen in der Scheurengasse sind heutzutage alle in Wohnhäuser umgewandelt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine behausung mit 3en Stocken und einem gewölbten Keller in der Langen Gaßen, Zwischen H[an]ß Jerg Kauffmann, Mezgern und Johannes Binders Becken Witt:[we] stoßt vornen auf die Lange Gaßen, und hinten das Zwerch Gäßle.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Lange Straße 41 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches inmitten einer eng bebauten Häuserzeile steht. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschosszone erheben sich zwei unverputzte Fachwerk-Obergeschosse. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die symmetrisch gegliederte Straßenfassade besitzt in allen Stockwerken Geschossvorstöße.
Das hübsche, dreigeschossige Fachwerkhaus Lange Straße 41 ließ der Kupferschmied Reinhard Darm nach dem Stadtbrand von 1634 im Jahre 1651 errichten. 1836 erfolgte durch Christof Eisele, Zimmermann eine Vergrößerung, es ist aber nicht bekannt welchen Umfang diese Umbaumaßnahme hatte.
Die Besitzgeschichte läßt sich ab 1494 nachvollziehen, über die ersten beiden Eigentümer, Konrad Schreiner und Kaspar Wattinger, ist aber nichts weiter bekannt. Im Jahre 1568 gehörte das Haus Ludwig Wolfhart, der weitere Gebäude besaß, z.B. Lange Straße 31. Wolfhart zinste 1545 aus dem eher durchschnittlichen Vermögensanschlag von 500 Gulden zur Türkensteuer, 1553 bis 1569 ist er als Schütze in den Musterungslisten erwähnt. In einem Zeugenverfahren 1586 machte er folgende persönliche Angaben: er sei ca. 73 Jahre alt und vor Jahren ein Kürschner gewesen, betreibe dieses Handwerk aber schon lange nicht mehr. Er sei vermögend und habe Stellen im Gericht und Rat der Stadt Waiblingen inne, einmal sei er sogar Bürgermeister gewesen.
Im Jahre 1612 war das Haus im Besitz von Samuel Mader. Er muss ebenfalls vermögend gewesen sein, da in den ab 1613 erhaltenen Bürgermeisterrechnungen gelegentlich Fuhrdienste abgerechnet sind, die er für die Stadt Waiblingen erledigt hat. So stellte er z.B. im August 1613 eins von vier Pferden für die Feuerspritze, als es in Weiler bei Schorndorf brannte. Der Türmer auf dem Hochwachtturm hatte die Rauchsäule gesehen, worauf die Waiblinger mit dem Feuerwagen und 31 Personen nach Weiler gezogen sind, um beim Löschen zu helfen. Er ist in den Bürgermeisterrechnungen auch mit Holzfuhren für die Stadt genannt, wozu wegen der schweren Ladung zwei Pferde notwendig waren. Die Fuhrdienste für die Stadt waren aber nur ein Nebenverdienst, die Pferde wurden normalerweise in der Landwirtschaft eingesetzt. Zwei oder mehrere Pferde konnten sich aber die Besitzer der großen Bauerngüter halten.
1494
Konrad Schreiner, Anrainer: Jörg Kreß und Hans Happ Scheune
1511
Kaspar Wattinger
1568
Ludwig Wolfhart, Anrainer: Michael Schmied und alt Ulrich Schweizer
1612
Samuel Mader, Anrainer: Hans Rotacker und Jeremias Stumpf
1651
Reinhard Darm, Kupferschmied, baute seine Behausung auf der anderen Seite der [Lange] Straße, auch an selbiger Hauptgasse, auf Samuel Maders Hofstatt.
1671
Reinhard Darm, Anrainer: Paul Gerstenmaier und Andreas Kuhnle
1745
Eine Hälfte Johann Markus Pfleiderer, Sattler
1750
Eine Hälfte an den Sohn Johannes Pfleiderer, Sattler
1772
Eine Hälfte an Wihelm Blaich, der vorher je ein Viertel von Johann Hirt Kindern und Markus Pfleiderer gekauft hatte.
1777
Eine Hälfte Johann Kaspar Herter, Kübler, von Wilhelm Blaich, Strumpfweber
1796
Eine Hälfte sein Bruder Johann Herter, später Friedrich Ludwig Kaiser
1805
Eine Hälfte an Friedrich Beißwanger verkauft
1806
Eine Hälfte an Wilhelm Beck verkauft
1832
Christof Eisele, Zimmermann, kauft eine Hälfte von Christian Weiß Ehefrau und Karline Börith
1836
Wurde wegen Verbesserung der Steueranschlag erhöht