Parzellennummer 1836: 159
Grundfläche des Hauses 1836: 11,3 Quadratruten (entspricht ca. 92,8 qm)
Scheune/Anbau: 9,3 Quadratruten (entspricht ca. 76,3 qm)
Steueranschlag 1745: 266 Gulden (Haus), 105 Gulden (Scheune/Anbau)
Grundherrliche Abgabe:
Geistliche Verwaltung Waiblingen 13 Kreuzer aus dem Vorderhaus an der Lange Straße
Kellerei Waiblingen 15 Heller oder 2 Kreuzer, 4 Heller aus dem hinteren Teil, der früher ein eigenständiges Gebäude war (Scheune/Anbau)
Lange Str. 58 (Bildquelle: Helmut Proß)Die beiden Geschäftshäuser Lange Straße 58 und 60 stehen am unteren Ende der Lange Straße, zwischen der Einmündung der Hadergasse und dem Fellbacher Tor. Das Fellbacher Tor und die daran anschließende Stadtbefestigung in diesem Bereich wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen, so dass heute nicht mehr eindeutig abzulesbar ist, wo die innerhalb der Mauer liegende Bebauung aufhörte. Die beiden Häuser dürften bereits im Mittelalter Geschäftshäuser gewesen sein, während die rückwärtig anschließende Hadergasse eine Arme-Leute-Wohngegend war, mit Scheunen durchsetzt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. Stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller, auch einem darhinter stehenden Anbau beÿm Fellbacher Thor, Zwischen der HaderGaße, und Matthes Jäger, Becken stost Vornen auf die Lange Gaßen und hinten des Jnnhabers Behausung.
Ein altes Häußlen / eine neue Scheuren mit einem gewölbten Kellerle in der Hadergaßen, Zwischen des Jnnhabers Vorbeschribenem Hauß, ein: anderseits Matthias Jägers Scheuren Einfahrt, stost vornen auf die Gaß, und hinten Matthes Jäger.
Gebäudebeschreibung 1877
Eine 3-stockiges Wohnhaus und Scheune unter einem Dach, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk, mit gewölbtem Keller und Bäckerbackofen am Fellbacher Tor mit 2 Hofräumen.
Lage
Gebäudebeschreibung
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Das Haus Lange Straße 58 hatte einen rückwärtigen, bereits in der Hadergasse stehenden Anbau, der heute in das Gebäude einbezogen ist. Dessen Besitzgeschichte läßt sich anhand einer Zinsabgabe in die Kellerei Waiblingen bis 1494 zurück verfolgen. Die Eigentümer des Grundstücks, das bis zum Dreißigjährigen Krieg mit einer Scheune bebaut war, waren 1494 Ludwig Wolfhart (Hauseigentümer in der Lange Straße 31, weitere Details siehe dort), 1511 Michael Beck und 1568 Christian Aigenmann (Hauseigentümer in der Zwerchgasse 7, weitere Details siehe dort).
Nach der Brandkatastrophe von 1634 berichtet die Zacher-Chronik: „1651 - Georg Maiers, genannt Schmalzmann verlassenes Weib baute das dritte Haus auf Dr. [med.] Pappius Hofstatt gegen dem Fellbacher Tor“. Georg Maier, der eigentlich Bäcker war, hatte bereits 1645 und 1646 zwei Häuser in der Lange Straße gebaut und muss um 1650 gestorben sein. Seine Witwe Anna Maria ist die einzige Frau von der bekannt ist, dass sie sich am Wiederaufbau Waiblingens nach der Brandkatastrophe beteiligt hat. Allerdings ist sie bislang nur als Eigentümerin des Anbaus in der Hadergasse im Jahre 1671 nachweisbar, da die Besitzgeschichte des Vorderhauses Lange Straße 58 sich erst ab 1745 nachvollziehen läßt. Ob das Vorderhaus auch bereits 1651 oder erst später gebaut wurde, könnte nur durch eine Auswertung der Lagerbücher der Geistlichen Verwaltung, die im Moment noch nicht erfolgt ist, oder durch eine bauhistorische Untersuchung mit dendrochronologischer Datierung ermittelt werden. Dann könnte auch geklärt werden, auf welchem Teil des Grundstücks das Haus des bei Zacher als Vorbesitzer genannten Dr. Pappius stand, der von 1614-1621 Stadtarzt in Waiblingen war.
1755 wurde der Anbau in der Hadergasse abgebrochen und durch eine mit dem Haus verbundene Scheune ersetzt, die vermutlich erst im 20. Jahrhundert zu Wohnzwecken umgebaut wurde. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Besitzer meist Handwerker, seit 1857 wird in dem Gebäude eine Bäckerei betrieben, die 1890 in den Besitz der Familie Schöllkopf kam.
1494
Ludwig Wolfhart aus seiner Scheune (hinterer Hausteil in der Hadergasse), Anrainer: Simon Beck
1511
Michael Beck aus seiner Scheune (hinterer Hausteil in der Hadergasse)
1568
Christian Aigenmann aus seiner Scheune (hinterer Hausteil in der Hadergasse), Anrainer: Hans Hauser und Hans Wolfhart
1651
Georg Maiers Witwe baut ein Haus auf Dr. [med.] Pappius Hofstatt gegen dem Fellbacher Tor (wohl der hintere Hausteil in der Hadergasse)
1671
Georg Maier Witwe aus ihrer Scheune (hinterer Hausteil in der Hadergasse), Anrainer: alt Georg Hauber und Hans Weißer, Müller
1755
Das alte Häusle (der rückwärtige Anbau) abgerissen, hingegen eine neue Scheuer erbaut
1777
Hälfte A: Johannes Letters, Rotgerber, vom Vater
1785
Hälfte B: Johann Jakob Läpple, Schuhmacher
1787
Hälfte A: Johannes Dieterle, Weingärtner
1791
Viertel A: Johann Gottfried Häfele, Bäcker
1793
Viertel A: Balthas Maier, Schlosser
1794
Hälfte B: Friedrich Beißwanger, Bäcker
1797
Viertel A: Friedrich Beißwanger
1827
Dreiviertel Jakob Sauer, Metzger (von Beißwanger)
1836
Friedrich Maier, Sattler drei Achtel und Jakob Sauer fünf Achtel
1857
Gottlob Würrich, Bäcker
1884
Ernst Würrich (Sohn), Bäcker
1890
Christian Schöllkopf, Bäcker