Erbaut: Haus wohl 2. Hälfte 17. Jahrhundert, Stall/Nebengebäude im rückwärtigen Bereich 1784 (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836:160 (Haus), 158 (Stall im rückwärtigen Bereich)
Grundfläche des Hauses 1836: 13,0 Quadratruten (entspricht ca. 106,7 qm)
Stall: 5,2 Quadratruten (entspricht ca. 42,7 qm)
Steueranschlag 1745: 244 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Spital Esslingen 9 Schilling oder 19 Kreuzer, 3 Heller
Armen Kasten Waiblingen 1 Schilling oder 2 Kreuzer, 1 Heller

Lange Str. 60 (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 60 (Bildquelle: Helmut Proß)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die beiden Geschäftshäuser Lange Straße 58 und 60 stehen am unteren Ende der Lange Straße, zwischen der Einmündung der Hadergasse und dem Fellbacher Tor. Das Fellbacher Tor und die daran anschließende Stadtbefestigung in diesem Bereich wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen, so dass heute nicht mehr eindeutig ablesbar ist, wo die innerhalb der Mauer liegende Bebauung aufhörte. Die beiden Häuser dürften bereits im Mittelalter Geschäftshäuser gewesen sein, während die rückwärtig anschließende Hadergasse eine Arme-Leute-Wohngegend war, mit Scheunen durchsetzt.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung, Höfflen, und Tung Gerechtigkeit in der Langen Gaßen, am Fellbacher Thor, zwischen der Allmand ein: anderseits Jung Jacob Letters, Rothgerbern, stost vornen auf die Gaßen, und hinten des Jnnhabers alte Scheuren.

Einer Scheuren hinter erstbeschriebener Behausung, Zwischen des Jnnhabers neuer Scheuren, und dem HaderGäßlen, stost Vornnen auf obiges Hauß, und hinten Martin Börithen Wittib.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte

Das Haus Lange Straße 60 zinste in das Spital Esslingen, weshalb sich die Besitzgeschichte bis 1568 zurück verfolgen läßt. In diesem Jahr war Hans Wolfart Eigentümer von Haus, Scheune und Hoffläche. Wolfart gehörte zu einer der einflußreichsten ehrbaren Waiblinger Familien und hatte einen Sitz im Stadtgericht. Er war Eigentümer eines weiteren Hauses in der Lange Straße, wahrscheinlich der Nr. 28 und ist als Besitzer von 25 Morgen Ackerland im Kellereilagerbuch verzeichnet, womit er zu den größten Güterbesitzern gehörte. Hinter dem Haus stand das „Totenhäusle“, wobei unklar ist, was damit gemeint ist.

Der Wiederaufbau nach der Brandkatastrophe von 1634 zog sich auf diesem Grundstück etwas länger hin. 1654 wird Heinrich Weißer, Müller, im Esslinger Spitallagerbuch als Besitzer einer abgebrannten Hofstatt genannt. Wann und von wem das bestehende Haus gebaut wurde, konnte bis jetzt nicht herausgefunden werden. Die Regelmäßigkeit der Fassade und die starken Stockwerksvorstöße zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss lassen eine Erbauung in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts vermuten.

Lange Str. 60 (Bildquelle: Helmut Proß)Lange Str. 60 (Bildquelle: Helmut Proß)Im Jahre 1745, beim Einsetzen der Güterbücher, ist das Anwesen im Besitz des Bäckers Johann Matthäus Jäger, dem auch die Hälfte der dahinterstehenden Scheune gehörte. Am 25.11.1783 sind in diesem Bereich die hinter dem Haus Lange Straße 60 stehende und eine benachbarte auf dem heutigen Grundstück Hadergasse 1 stehenden Scheunen abgebrannt. Beide Gebäude waren zu dieser Zeit im Besitz des Johann Jakob Jäger und des Jakob Friedrich Wagner, Sohn und Tochtermann des Johann Matthäus Jäger. Es läßt sich aber nicht mehr sich klären wem genau welche Scheune gehörte. Jäger und Wagner haben dann ein Tauschgeschäft vereinbart, so dass Jakob Friedrich Wagner auf dem Grundstück Hadergasse 1 ein neues Wohnhaus bauen konnte, während Johann Jakob Jäger hinter dem Haus Lange Straße 60 einen Stall mit Heuboden errichten ließ. Eine Teilfläche des Grundstücks blieb unbebaut.

1569
Hans Wolfart, Anrainer: Hans Hauser, alt Kaspar Eberle, hinten das “todten heůßlin”

1600
Heinrich Müller, Anrainer: Martin Turrer und Hans Eberle

1654
Hans Weißer, Müller, ist Eigentümer einer abgebrannten Hofstatt, Anrainer: Martin Turrer Erben und Georg Mohr Hofstatt

1745
Johann Matthäus Jäger

1784
Johann Jakob Jäger

1785
An seinen Bruder Matthias Jäger, Ratsverwandter, verkauft

1790
Jakob Friedrich Bühl, Ziegler

Um 1800
Johann Jakob Kurrle, Metzger

1836
Johann Jacob Kurrle Witwe