Parzellennummer 1836: 7
Grundfläche des Hauses 1836: 12,6 Quadratruten (entspricht ca. 103,4 qm)
Steueranschlag 1745: 30 Gulden, ab 1802: 150 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen 1 Schilling, 10 Heller oder 3 Kreuzer, 5 Heller
Geistliche Verwaltung Waiblingen 30 Kreuzer, 2 Heller
Lange Str. 7 (Bildquelle: Helmut Proß)Die untere Lange Straße war hochwasssergefährdet und daher für vermögende Bürger nicht allzu attraktiv. Hier wohnte die untere Mittelschicht, ähnlich wie in den angrenzenden Straßen “Sack” und Bädertörle.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine alte einstockichte Behausung in der Langen Gaßen unten in der Statt, zwischen Johannes Hermann, und H:[err] Ambtspfleger Christoph Melchior Sattlern, stost vornen auf die Lange Gaßen und hinten ged.[achten] H.[err] Amtspfleger [Christof] Sattler.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Lange Straße 9 handelt es sich um ein zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude. Über einem hohen, massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern veränderten Erdgeschoss erhebt sich ein verputztes Fachwerk-Obergeschoss. Die straßenseitige Giebelfassade ist im Obergeschoss und den Dachgeschossen symmetrisch gegliedert. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen und Spitzboden unter einem Mansarddach ab. Die Dachgeschosse zeigen giebelseitig leichte Stockwerksvorstöße unter dem Verputz.
Das Haus Lange Straße 9 wurde 1645, relativ früh nach der Brandkatastrophe von 1634 wieder aufgebaut, wie die Zacher-Chronik berichtet: "Hans Georg Bieß, Schlosser, baute zur linken Hand der Langen Gasse, wenn man vom unteren Beinsteiner Tor heraufgeht". Allerdings muss es sich um ein einstockiges, kleines Haus ohne Nebengebäude gehandelt haben, das 1745 nur mit dem geringen Steueranschlag von 30 Gulden eingeschätzt wurde. 1789 kaufte Johann Georg Herzog das Haus für seinen Schwiegersohn Johann Georg Tochtermann, der 1802 den alten Bau abbrechen und ein schlichtes, aber hübsches Haus mit zwei Freigeschossen und einem zeittypischen Mansarddach errichten ließ.
Das Haus auf dieser nicht allzugroßen Parzelle war vor dem Dreißigjährigen Krieg immer auf zwei Eigentümer aufgeteilt, deren Namen bekannt sind, weil das Gebäude in die Kellerei Waiblingen zinspflichtig war. Die Eigentümer gehörten aber ausschließlich zur Unterschicht oder maximal unteren Mittelschicht, weshalb sie kaum in anderen Quellen nachweisbar sind. Lediglich in den Musterungslisten erscheint der eine oder andere von ihnen und dann nur mit einer Kurzen Wehr oder einem Spieß ohne Rüstung, beides schlechte, billige Bewaffnungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kennt man immerhin die Erwerbstätigkeit der Bewohner, die allesamt kleine Handwerker waren: Schlosser, Rotgerber, Maurer, Metzger oder Bäcker.
1494
Hans Hutmacher und Hans Schlosser, Anrainer: Erhard Happ und Hans Nufer
1511
Sebastian Binder und Hans Schlosser
1568
Kaspar Elch und Christof Sperling, Anrainer: Jörg Nallinger, Anna, Wolf Koch Witwe, Bartholomäus Bone
um 1645
Hans Georg Bieß [Büsch], Schlosser, erbaut nach dem Stadtbrand von 1634 ein neues Haus
1671
Hannß Georg Busch, Schlosser, Anrainer: Peter Ziegler Kinder, Ulrich Koch Erben und Bürgermeister Staib Erben
1745
Gall Buck, Rotgerber, später Johann Jakob Buck, Metzger
ca. 1760
Johannes Eckensberger, Maurer, später Jakob Bürkle, Bauer
1789
Johann Georg Herzog kauft das Haus für seinen Schwiegersohn Johann Georg Tochtermann
1802
Johann Georg Tochtermann, Bäcker, läßt das heutige Gebäude neu erbauen
1836
Johann Georg Tochtermann, Bäcker