Erbaut: um 1711/1712 (archivalisch datiert), 1780/1781 Erhöhung um ein Stockwerk
Parzellennummer 1836: 82
Grundfläche des Hauses 1836: 22,6 Quadratruten (entspricht ca. 185,5 qm)
Steueranschlag 1745: 392 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Geistliche Verwaltung Waiblingen 10 Schilling oder ½ Pfund oder 21 Kreuzer, 4 Heller
Armen Kasten Waiblingen 1 Pfund aus der Maderischen Hofstatt und 3 Schilling aus der Eblinischen Hofstatt
Inschriften:
Johann Georg Becherer, Der Zeit Burger Maister

Marktplatz 2 (Bildquelle: Helmut Proß)Marktplatz 2 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Haus Marktplatz 2 bildet gemeinsam mit dem Rathaus den südlichen, oberen Abschluss des Marktplatzes. Dahinter stehen, quer verlaufend die sieben Anwesen Lange Straße 31-43 (ungerade Nummern), die im hinteren Bereich mit Scheunen ausgestattet sind. Dadurch verbleibt für das Gebäude Marktplatz 2 rückwärtig kein Platz für Nebengebäude.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung, mit einer daran gebauten Stallung, gewölbten Keller und s:[alva] v:[enia] TungLegin auf dem Marckht, alles auf 3. hoffstätt stehend, Zwischen H[an]ß Jerg Becherers Hauß und Scheuren ein: anderseits dem Marckht, stost Vornen auf H[an]ß Jerg Becherern, und an die Lange Gaßen, und hinten das Allmand Gäßlen.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Marktplatz 2 handelt es sich um ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches unmittelbar westlich des Alten Rathauses an der Südseite des Marktplatzes steht. Durch die leicht abgewinkelte Nordfassade formt das Gebäude die Ecksituation am Übergang der Lange Straße in den Marktplatz und ist dadurch in hohem Maße straßenbildprägend. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbauten modern überformten Erdgeschosszone erheben sich zwei teils unverputzte Fachwerk-Obergeschosse. Das dort sichtbare Fachwerk wurde allerdings im 20. Jahrhundert "aufgebrettert" und läßt daher keine bauhistorischen Details mehr erkennen. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach mit Schleppgauben ab.

Bau- und Besitzgeschichte

Der Platz, auf dem heute das Gebäude Marktplatz 2 steht, war vor der Brandkatastrophe von 1634 auf drei Parzellen aufgeteilt, von denen sich aber nur zwei, die Eblinische und Maderische Hofstatt genannt, aufgrund der Abgaben in den Armen Kasten belegen lassen. Die Trennung dieser beiden Grundstücke ist deutlich sichtbar durch den Knick in der Bauflucht des langgezogenen Hauses. Die zwei (oder vielleicht auch drei) Parzellen waren nach der Brandkatastrophe von 1634 lange unbebaut und gehörten zu einem Besitzkomplex der Familie Hitzler (nähere Angaben zu dieser Familie siehe bei Lange Straße 31), der auch die Lange Straße 31 und die dahinterstehende Scheune umfaßte. Das gesamte Areal wurde 1689 aus der Konkursmasse der Anna Maria, Witwe des Johann Hitzler, an Johann Andreas Steck, Vogt in Neuffen, Sohn des Stadtschreibers in Owen/Teck und der Tochter des Stadtschreiber Volmar in Waiblingen verkauft. Seine Witwe Rebekka wiederum veräußerte 1709 einen umfangreichen Besitz mit der Lange Straße 31, der dahinter stehenden Scheune, den noch unbebauten Grundstücken am Marktplatz und vielen Äckern für 3.000 Gulden an den Bürgermeister Johann Georg Becherer.

Die Armenkastenrechnung 1711/12 enthält bei der Zinsabgabe der Eblinischen Hofstatt folgenden Hinweis: “Künff:[tig] in die Gebbäw Zů bring[en] Weilen dise: ůnd Vorkomende [davor eingetragene – die Maderische] Hoffstatt mit 1. Haůß überbawt.”. Das heißt der Schreiber der Armenkastenrechnung hat sich selber einen Vermerk gemacht, dass die Eblinische und die Maderische Hofstatt neu überbaut wurden und daher die Einnahmen aus diesen Grundstücken zukünftig bei den Häusern und nicht mehr bei den unbebauten Grundstücken zu verrechnen waren. Marktplatz 2 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Marktplatz 2 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Der Bauherr Johann Georg Becherer stammt aus einer Familie, die um 1600 nach Waiblingen gekommen war. Ein Familienmitglied, Rudolf Becherer, hat nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Lange Straße 27 die Gastwirtschaft zum Bären eröffnet. Er ist der Stammvater einer umfangreichen Nachkommenschaft, die in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in die städtische Führungsschicht aufgestiegen ist (siehe Kurze Straße 28 und Lange Straße 36). Johann Georg Becherer hat am Gebäude Marktplatz 2 eine Bauinschrift anbringen lassen: “Johann Georg Becherer, Der Zeit Burger Maister”. Die Fassade des Hauses ist heute allerdings mit einer Fachwerk-Bretterauflage versehen, die von außen keinerlei Rückschlüsse auf die darunterliegende Bausubstanz zuläßt.

 

1689
Herr Johann Andreas Steck, Vogt zu Neuffen [1687-1695], Sohn des Stadtschreibers in Owen und der Anna Magdalena, Tochter der Stadtschreiber Volmar in Waiblingen kauft drei Hofstätten aus der Konkursmasse der Anna Maria, geb. Hägele, Witwe des Johann Hitzler, Lebküchler.

1709
Rebeckka, Witwe des Herrn Johann Andreas Steck, Regimentsquartiermeister, verkauft an Johann Georg Becherer, Bürgermeister

um 1711/1712
Johann Georg Becherer, Bürgermeister läßt das heute noch existierende Haus erbauen und eine Inschrift mit seinem Namen anbringen

1728
Johann Adam Weiß, Barbier, kauft eine Hälfte von Heinrich Friedrich Hellwag, Handelsmann

1745
Ein Hausteil gelangt an dessen Schwiegersohn Johann Friedrich Knauß, Bäcker, der später das ganze Gebäude erwerben kann

1780/1781
Das Haus wird um ein Stockwerk erhöht, weshalb der Steueranschlag ab 1781 um 28 Gulden angehoben wird

1784
Ein Teil gelangt an den Sohn Adam Friedrich Knauß und ein Teil an die Tochter, eine Frau Winter

1791
Die andere Hälfte kommt an Christof Friedrich Weiß, den Ehenachfolger des Adam Friedrich Knauß

um 1800
Das Haus wird um einen Anbau erweitert.

1810
Johann Gottfried Maier, Kellereiküfer, kauft eine Hälfte von den Knauß-Erben

1835
Maier veräußert seine Hälfte an Ludwig Lang

1836
Ludwig Lang, Metzger, und Konditor Weiß je hälftig