Erbaut: 1655 (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836: 201
Grundfläche des Hauses 1836: 15,3 Quadratruten (entspricht ca. 125,6 qm)
Scheune: 11,4 Quadratruten (entspricht ca. 93,6 qm)
Steueranschlag 1745: 218 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

zinsfrei

Marktplatz 5 (Bildquelle: Helmut Proß)Marktplatz 5 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Haus Marktplatz 5 liegt an der Nordseite des Marktplatzes. Die Parzellen der vier Anwesen Marktplatz 3, 5, 7 und 9 gehören zu den längsten Parzellen in der Waiblinger Altstadt und reichen rückwärtig fast bis zum Heugäßle. Alle vier waren ursprünglich durch eine Abfolge von Vorderhaus – Innenhof – Scheune gegliedert.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3-stockige Behausung, worunter 1 Keller samt einem Scheuerle und Höfle, Wasch- und Farbhaus, alles beieinander auf dem Markt, zwischen Wilhelm Friedrich Pfleiderer und Herr Liesching.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Marktplatz 5 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus an der Nordseite des Marktplatzes. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern überformten Erdgeschosszone erheben sich zwei Fachwerk-Obergeschosse, die sich am südlichen Giebel unverputzt zeigen. Allerdings ist das dortige Fachwerk lediglich modern durch Bretter imitiert, somit können keine Aussagen zur originalen Fachwerkkonstruktion und möglichen Schmuckelementen gemacht werden. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Die Fachwerkgeschosse besitzen giebelseitig leichte Geschossvorstöße.

Bau- und Besitzgeschichte

Marktpl. 5 von 1910 (Bildquelle: Helmut Proß)Marktpl. 5 von 1910 (Bildquelle: Helmut Proß)Die Zacher-Chronik berichtet aus dem Jahr 1655 „Ludwig Friedrich Dennhofer baute auf des alten Bürgermeister Weißer oder Staib Hofstatt am Markt ein Haus, so er nachgehends an Rest geben, zu einem Amtshaus gemacht worden ist“. Dennhofer stammte aus Öttingen und war von 1648 bis 1657 Vogt im Amt Waiblingen. Bei den Vögten, wie auch alle anderen Amtsträgern gab es keine Trennung zwischen einer privaten und einer öffentlichen Kasse. Einmal im Jahr wurde abgerechnet, wobei häufig ein so genanntes „Remanet“ anfiel, ein Rest, den der Amtsträger der öffentlichen Institution noch schuldig war. Dies wurde nicht als Veruntreuung gesehen, sondern war durchaus üblich, so verzeichnen z.B. die Waiblinger Bürgermeisterrechnungen in fast jedem Jahr ein Remanet, das nach und nach abbezahlt wurde. Gelegentlich kam es aber vor, dass nicht genügend Bargeld vorhanden war, um den Rückstand zu bezahlen - so scheint es auch in diesem Fall gewesen zu sein - dann musste der Rest mit anderen Vermögenswerten abgegolten werden. Oder anders formuliert: Dennhofer hatte mithilfe von öffentlichen Geldern über seine Verhältnisse gelebt und konnte den Rückstand nicht ausgleichen, weshalb er sein Haus an seinen ehemaligen Dienstherrn abgeben musste. Das Haus wurde dann in den folgenden Jahren als „Vogtei“ genutzt, als öffentlicher Dienstsitz des Vogtes, des obersten Vertreters von Stadt und Amt Waiblingen, wozu neben der Amtstadt noch neun Dörfer gehörten.

Im Jahre 1730 wurde das Anwesen Marktplatz 5 gegen das Haus Kurze Straße 26 gegenüber dem Schloss (heute Marktdreieck) vertauscht. Handelspartner waren die Kinder des Johann Georg Weißer, die das Anwesen Marktplatz 5 sofort an Johann Georg Wagner, Zeugmacher und Ratsverwandter, weiter verkauften. In den 1760ern teilten die Wagnerschen Erben das Anwesen auf und in der Folgezeit war das Haus meist hälftig geteilt in einen unteren und oberen Bereich. Die Besitzer waren überwiegend vermögende Handwerker.

1655
Ludwig Friedrich Dennhofer baute auf des alten Bürgermeister Weißer oder Staib Hofstatt am Markt ein Haus, so er nachgehends an Rest geben, zu einem Amtshaus gemacht worden ist.

1657
Das Haus gelangt in den Besitz der Amtsverwaltung Waiblingen und wird als Vogtei, als öffentlicher Sitz des Vogtes genutzt.

1730
Tausch gegen das Haus Kurze Straße 26. Neue Besitzer werden die Kinder des Johann Georg Weißer, die sofort an Johann Georg Wagner, Zeugmacher und Ratsverwandter, weiterverkaufen.

1761
Erben Wagner: seine Witwe Christina, geb. Serre

1764
Erben: die Hälfte an Bürgermeister und Landschaftsassessor Ferdinand Dettinger, ein Viertel Heinrich Knauß, Gerichtsverwandter, ein Viertel Ludwig Jäger, Löwenwirt

1768
Johannes Braun, Säckler, Kauf von den Erben um 1.300 Gulden

1789
Die Hälfte an Philipp Heinrich Stuntz, Rotgerber und Schwiegersohn

1795
Die andere Hälfte an den Sohn Matthäus Friedrich Braun, Säckler

1803
Johann Jakob Läpple, Schuhmacher, die obere Hälfte aus der Gantmasse Stuntz für 1.000 Gulden

1826
Gottlieb Friedrich Pfleiderer, Rotgerber, die untere Hälfte, Kauf von Matthäus Friedrich Braun für 1.250 Gulden

1828
Johann Georg Jäger, Bäcker und Löwenwirt, die obere Hälfte Kauf aus der Erbmasse Läpple für 900 Gulden

1838
Friedrich Böhringer, Dreher, Kauf der unteren Hälfte von Friedrich Pfleiderer für 2.015 Gulden

1840
Karl Friedrich Pfleiderer, Rotgerber, Kauf der oberen Hälfte von den Erben der Witwe Jäger

1858
Johannes Pfander, Drehermeister, Kauf der oberen Hälfte von Witwe Friederike Pfleiderer für 1.300 Gulden

1872
Die Erben des Friedrich Böhringer verkauften die untere Hälfte auch an Johanes Pfänder, der damit alleiniger Eigentümer ist.