Erbaut: Massiver Unterbau 1734 (inschriftlich datiert), Neubau um 1772, Aufstockung des Gebäudes und Mansarddach um 1850
Parzellennummer 1836: 200
Grundfläche des Hauses 1836: 24,5 Quadratruten (entspricht ca. 201,1 qm)
Steueranschlag 1745: 625 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Zinsfrei
Inschriften:
Initialien über dem Hauseingang: 1734 G[eorg] D[avid] G[riesinger] mit Hausmarke in barocker Kartusche

Marktplatz 7 (Bildquelle: Helmut Proß)Marktplatz 7 (Bildquelle: Helmut Proß)Das Anwesen Marktplatz 7 liegt am nordöstlichen Rand des Marktplatzes. Die Parzellen der drei Anwesen Marktplatz 5, 7 und 9 gehören zu den längsten Parzellen in der Waiblinger Altstadt und reichen rückwärtig fast bis zum Heugäßle. Alle drei waren ursprünglich durch eine Abfolge von Vorderhaus – Innenhof – Scheune gegliedert.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine neue 3. stockichte Behausung mit einer Scheuren, gewölbten Keller, und Höfflen worauff vor diesem das Saltz Hauß gestanden, alles beÿsamen auf dem Marckt, zwischen H.[err] Johannes Wagner Zeuügmacher ein: anderseits H:[err] Johann Heinrich Ledermanns und H.[err] Zacharias Möllers gemeinschaftl.[iche] Behausůng, stost vornen auf den Marckt, und hinten Christian Göllers Witt:[we] und Johannes Pfanders Kupferschmids Scheuren.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Die meisten Gebäude im östlichen Bereich des Marktplatzes sind zinsfrei, weshalb sich ihre Besitzgeschichte selten über den Dreißigjährigen Krieg hinaus zurückverfolgen läßt. Es ist aber in der Waiblinger Lokalgeschichte seit langem bekannt, dass die Grafen von Württemberg nach der Stadtgründung zunächst ihren Sitz am Marktplatz hatten. Als sie im frühen 15. Jahrhundert das Schloss am heutigen Rathausplatz erbauen ließen, haben sie 1439 zwei Häuser am Marktplatz verkauft, eines davon an den damaligen Vogt Berthold Müßiggang um 700 Pfund Heller. Die beiden Verkaufsurkunden waren bereits anfangs des 20. Jahrhunderts nur noch als Abschriften in einem Kopialbuch vorhanden, das leider im 2. Weltkrieg verbrannt ist. Daher ist man wegen der Lage dieser Häuser auf Vermutungen angewiesen. Ein Adelssitz im 15. Jahrhundert war aber auf umfangreiche Nebengebäude, vor allem Stallungen für die Pferde angewiesen. Dafür wären die Parzellen Marktplatz 5, 7 oder 9 am besten geeignet gewesen.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg war der Gebäudekomplex als “Salzhaus” im Besitz der Stadt Waiblingen. Auf dem großen Gelände dürften sich rückwärtig aber auch Scheunen oder Wagenschuppen für die Unterbringung städtischer Gerätschaften befunden haben, da zum Rathaus auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes keine Nebengebäude gehörten. Nach der Brandkatastrophe von 1634 blieb das Gelände lange unbebaut. Bereits 1706 ersuchte der Bürger und Maurer Martin Rösch Vogt, Bürgermeister und Gericht um den Kauf der Salzhofstatt, ein Geschäft, das nicht zustande kam, weil der Vogt dagegen protestierte und erklärte die Herrschaft wolle das Anwesen selber kaufen, um das zu dieser Zeit am Marktplatz 5 stehende Amtshaus zu erweitern.

Erst Jahrzehnte später, nachdem das Amtshaus in die Kurze Straße 26 (heute Marktdreieck) verlegt und das Rathaus wiederaufgebaut worden war (davor befand es sich interimsmäßig in der Schmidener Straße 1), verkaufte die Stadt die Salzhofstatt an den Handelsmann Georg Daniel Griesinger. Griesinger war der Sohn eines Pfarrers des hessischen Marktflecken Kürnbach (bei Bretten) und heiratete in die Familie Schabhardt am Hafenmarkt, Lange Straße 28, ein. Der verstorbene Handelsmann Paul Schabhard hatte seinen Töchtern einen Laden hinterlassen. Da Griesinger den Kramladen mit seinem Schwager teilen mußte, was nicht funktioniert zu haben scheint, überließ er diesem bereits 1729 für 600 Gulden die von seiner Frau ererbte halbe Behausung mit dem Laden und allem Zubehör. Am 11.07.1733 erklärte er einer Kommission sein Neubauvorhaben am Marktplatz 7. Da die alten Fundamente nicht verwendet werden durften, möglicherweise stand das Salzhaus einige Meter weiter vorne, sollte das Haus mit der Baulinie der beiden Nachbarn abschließen. Ins Erdgeschoss wollte Griesinger einen Kramladen einbauen lassen, die beiden oberen Fachwerk-Stockwerke sollten nach vorne zwei Stuben und Kammern erhalten, die Küche sollte an den Innenhof angrenzen. Auf dem hinteren Teil des Platzes, wo vorher die Stadt ein Bretterhaus für Feuerwagen und dergleichen, also eine Art Wagenschuppen stehen hatte, wollte der Bauherr eine Scheune errichten, zu der er über das Gelände des Nachbarn die Zufahrt hatte. Bereits 1734 muss das Haus fertig gewesen sein, so dass er die heute noch vorhandene Hausmarke mit seinen Initialien „G[eorg] D[avid] G[riesinger]” und der Jahreszahl 1734 in einer barocken Kartusche über dem Portal anbringen lassen konnte. Er muss geschäftstüchtig gewesen sein, denn bald erwarb er andere Güter und verlieh Geld.

Der Brandkatastrophe am 31.10.1771 zwischen unterer Kurze Straße, Lange Straße und der Neuen Gasse bis zum Markt fielen sieben Wohnhäuser und zehn Scheunen im Wert von 24.187 Gulden zum Opfer. Griesinger gehörte nach Oberzoller Wendel Hegel (Lange Straße 15) und Apotheker Seeger (Untere Apotheke, Marktplatz 9) zu den am meisten geschädigten Hausbesitzern. Sein Schaden wurde für das 1734 neu erbaute, dreistockige Haus mit Scheune und Laden auf 2.000 Gulden geschätzt, dazu kamen 300 Gulden für Frucht und 500 Gulden für Mobiliar, zusammen 2.910 Gulden. Von den eingegangenen Spenden aus dem Land erhielt jeder Brandgeschädigte 30%, Griesingers Anteil betrug 887 Gulden. Den mittlerweile 70-jährigen Griesinger muss dieser Schicksalsschlag hart getroffen haben. Er übertrug seiner einzigen Tochter Katharina Regina und dem Schwiegersohn Magister Johann Maximilian Reinfelder, Pfarrer in Buoch, das Anwesen, die Hälfte des Areals wurde aber an Johann Jakob Aumüller für 300 Gulden verkauft.

Aumüller baute statt der vorherigen Scheune das Haus länger und ließ auch Stallung und Waschhaus neu errichten. Im Jahre 1800 überließ er seinem Schwiegersohn Handelsmann Friedrich Wilhelm Liesching seinen halben Hausanteil mit dem Laden um 2.500 Gulden, er selbst ging nach Stuttgart. Liesching war der Sohn eines Pfarrers in Münster und hatte zwei Töchter von Aumüller geheiratet (am 17.08.1799 Christiane Luisa und nach deren Tod am 21.01.1806 Charlotte Friederike), erbte also zwei Anteile. Es gelang ihm 1815 von Pfarrer Reinfelder junior, dem Enkel Griesingers, die andere Hälfte des Anwesens zu kaufen, obwohl er sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befand. Nach dem Gewerbekataster von 1829 war der Handelsstand in Waiblingen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überbesetzt. Es gab damals mit den beiden Apotheken und zwei Konditoren elf Handelsleute, die ihre Spezereien, Ellenwaren und auch Eisenwaren verkauften. Nach dem Gewerbesteuersatz stand Liesching mit 16 Gulden 36 Kreuzer an sechster Stelle.

Nach dem Tod Lieschings verkaufte die Witwe 1843 das Anwesen mit der Ladeneinrichtung an Kaufmann Christian Friedrich Sprösser aus Winnenden um 7.400 Gulden. Das gleichzeitig angelegte erste Gebäudekataster berichtet erstmals von einem dreistockigen Wohnhaus mit einem weiteren Mansardenstock, so dass davon auszugehen ist, dass Sprösser eine Aufstockung vornehmen ließ und das Haus damals sein heutiges Aussehen erhielt. Sprösser mußte bereits 1851 wegen Zahlungsschwierigkeiten seinen Betrieb aufgeben und geriet in Konkurs, selbst die Witwe Liesching hatte noch 2.400 Gulden rückständige Forderungen. Wegen der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Situation war das Haus zunächst unverkäuflich. Schließlich kaufte Frau Hofrätin Weißer, geb. Moser das Anwesen für 4.510 Gulden. Sie war die Witwe und dritte Frau des hohenzollern-hechingischen Hofrats Gall Friedrich Weißer und muss schon bei Liesching in Miete gewohnt haben. Als sie 1861 starb, aber keine Nachkommen hinterließ, erbten ihre sechs Geschwister das Gesamtvermögen von 37.000 Gulden, einschließlich dem Haus mit einem Brandversicherungsanschlag von 6.200 Gulden.

1613/14
In der Bürgermeisterrechnung 1613/14 sind Reparaturen an einer Türe und einer Dachrinne des Salzhauses erwähnt. Im hinteren Teil gibt es eine Waage. Anrainer: Samson Sigle und Johann Weißer Witwe

Marktpl. 7 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Marktpl. 7 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)         17   34
  G[eorg] D[aniel]
       G[riesinger]

1734
Neubau durch Handelsmann Georg Daniel Griesinger, der das, seit der Brandkatastrophe von 1634 brach liegende Gelände neu bebauen läßt. Davon ist heute noch der massive Unterbau vorhanden.

1765
Verpachtung des Ladens an Johann Jakob Aumüller, Handelsmann

1771
Nach der Brandkatastrophe von 1771 überschreibt Georg Daniel Griesinger den Gebäudekomplex seiner Tochter Katharina Regina, Johann Maximilian Reinfelder, Pfarrer zu Buoch Hausfrau. Eine Hälfte des Brandplatzes wird an Johann Jakob Aumüller verkauft.

1772/73
Das Haus wird auf der Ruine des massiven Untergeschosses neu gebaut und nach hinten verlängert. Dadurch bleibt im hinteren Bereich nicht genügend Platz für eine Scheune, sondern nur für einen kleinen Hof, einen Stall und ein Waschhaus.

1800
Friedrich Wilhelm Liesching, Handelsmann, kauft vom Schwiegvater Aumüller seine Hälfte für 2.500 Gulden.

1815
Liesching kauft die zweite Hälfte von den Erben Reinfelder um 2.050 Gulden.

1831
Eine neue Stallung wird hinter dem Haus erbaut.

1843
Lieschings Witwe verkauft den Gebäudekomplex an Christian Friedrich Sprösser, der aber bereits 1851 in Konkurs geht.

Um 1850
Handelsmann Sprösser stockt das Haus um ein Geschoss auf, so dass es sein heutiges Aussehen erhält.

Um 1855
Die Witwe des Gall Friedrich Weißer kauft das Anwesen um 4.510 Gulden.

1861
Nach ihrem Tod erben ihre sechs Geschwister das Gesamtvermögen.