Erbaut: 1771 (archivalisch datiert) über Grundmauern von 1640
Parzellennummer 1836: 203
Grundfläche des Hauses 1836: 27,8 Quadratruten (entspricht ca. 228 qm)
Scheune: 14,1 Quadratruten (entspricht ca. 115,7 qm)
Steueranschlag 1745: 416 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Stadt Waiblingen 2 Kreuzer, 1 Heller aus einem Luftloch im Keller
Inschriften:
Inschriftenstein über der Eingangstüre (von 1640, nach dem Brand 1771 erneuert)
Der löblich Kayser Friderich
Rothbart genandt, hat zieret mich. 1164
Ferdinand des andern Kriegsmacht
hat mich umb allen Wolstand bracht. 1634
Eberhard, der dritt, zue Wirtemberg,
schützt wider thuet ein christlich Werck. 1638
Wolfgang Zacher, der erst Amptmann,
fangt wider hier zu bauen an. 1640
Und diß Hauß ist das erst gesein,
gieng nachmals wieder vff gar fein,
Nam zue und bessert mich sehr wol,
dessen ich Gott steets dancken sol.

Marktplatz 9 (Bildquelle: Helmut Proß)Marktplatz 9 (Bildquelle: Helmut Proß)Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung mit 2.en Stöcken gewölbten Keller Höfflen und einer s. v. Tung Gerechtigkeit, auf dem Marckt, neben H[err] Georg daniel Griesinger Handelsmann, und dem HeuGäßlen, stost Vornen auf den Marckt, und hinten H.[err] Griesingers Scheuren Einfahrt.

Gebäudebeschreibung 1877
Eine 2-stockiges Wohnhaus die Untere Apotheke mit dinglicher Gewerbeberechtigung, 1 Stock von Stein, sonst Fachwerk, mit gewölbtem Keller am Markt und der Neuen Gasse.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Marktplatz 9 handelt es sich um ein zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Ecklage zur Neuen Gasse. Über einer massiv gemauerten Erdgeschosszone mit Eckquaderungen, die auf eine Vorgängerbebauung zurück geht, erhebt sich ein fachwerksichtiges Obergeschoss. Das Gebäude schließt nach oben mit drei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach mit Walmdachgauben ab. Bemerkenswert sind die durchweg erhaltenen Fensterverdachungen.

Bau- und Besitzgeschichte
Marktplatz 9 Inschriftenstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Marktplatz 9 Inschriftenstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Die Zacherchronik berichtet über den Wiederaufbau der Stadt nach dem Stadtbrand von 1634 folgendes: „Nun baute der Vogt [Wolfgang Zacher] sich und den lieben Seinigen eine neue Behausung am Markt gegenüber dem Marktbrunnen. Er ließ das Haus mit einer Esche bemalen, die während der vorhergehenden sechs Jahre auf dem Platz dieses Hauses gewachsen war. Es ist dies die Hofstatt, auf der vor Zeiten [1164] die Gebeine der drei Weisen aus dem Morgenlande geruhet haben sollen, als sie von Kaiser Friedrich I. nach der Zerstörung Mailands [1164] nach Köln am Rhein gebracht worden waren.“ Die Einweihung erfolgte am 11. April 1642 nach zwei Jahren Bauzeit als das erste nach der Brandkatastrophe von 1634 wieder aufgebaute Gebäude in der Waiblinger Altstadt. Zacher feierte das Ereignis mit einem mehrtägigen Fest mit Instrumental- und Vokalmusik und lud alle benachbarten Geistlichen ein.

Wolfgang Zacher (1606-1687), der aus einer angesehenen Waiblinger Familie stammte, war von 1638 bis 1643 Vogt in Waiblingen und leitete den Wiederaufbau der Stadt nach der Brandkatastrophe von 1634. Seine Amtsführung endete aber abrupt mit einer Anklage wegen Bereicherung. Ankläger war die Stadt Waiblingen, vor allem die Bürgermeister Abraham Staib und Johannes Weißer, die ihm unter anderem vorwarfen er habe die einträgliche Stadtschreiberei neben dem Vogtamt an sich gerissen und den Einzug aller Steuern- und Abgabengelder selbst übernommen. Diese Aufgaben stünden aber den Bürgermeistern und Gerichtsverwandten zu. Er mußte deshalb eine Strafe von 2.000 Gulden bezahlen. Bereicherungen dieser Art sind eine typische Erscheinung des Dreißigjährigen Kriegs, wo sich viele lokale Machthaber aufgrund der Schwäche der Zentralregierung unberechtigte Vorteile verschafften. Nach Beendigung des Verfahrens ging er mit seiner Frau nach Wien, um Beschwerde einzulegen, womit er aber nicht erfolgreich war. Da ihm das Geld ausging, wurde er kaiserlicher Verwalter beim Generalproviantmeister Bernhard von Gültlingen, mit dem er einen Feldzug nach Böhmen mitmachte. 1646 kehrte er nach Württemberg zurück und wurde für 16 Jahre Stadt- und Amtsschreiber in Dornstetten. 1662 kam er wieder nach Waiblingen, wo er noch sein Haus Marktplatz 9 und viele Güter besaß und wollte sich zur Ruhe setzen, mußte aber wegen finanzieller Schwierigkeiten das Amt eines Renovators der Lagerbücher im Amt Waiblingen annehmen. Zudem verfaßte er in dieser Zeit die Zacher-Chronik. Er starb 83-jährig am 24.10.1689 in Waiblingen. Da die Familie Zacher in den 1680ern erneut in Geldschwierigkeiten steckte, verkaufte die Witwe den hinteren Teil des Anwesens an Philipp Lipp, Bäcker und Gerichtsverwandter.

1710 und 1712 erwarb der Apotheker Johann Christof Lidvogel zunächst die vordere Hälfte des Anwesens für 950 Gulden und dann den hinteren Teil für 650 Gulden. Damit waren Haus und Scheune wieder in einer Hand. Lidvogel eröffnete in dem Gebäude eine Apotheke, die bis ins 20. Jahrhundert innerhalb der Familie oder durch Kauf weitergegeben wurde.

In den Jahren 1771 bis 1784 wurde Waiblingen mehrfach von Feuersbrünsten heimgesucht. Am 31.10.1771 fielen sieben Wohngebäude und zehn Scheunen den Flammen zum Opfer. Dabei wurde auch das Gebäude Marktplatz 9 zerstört.

1640
Bau des Hauses und der Scheune als erstes Bauvorhaben nach dem Stadtbrand von 1634, Bauzeit 2 Jahres.

1643-1675
Vermietung während der Abwesenheit von Wolfgang Zacher

1680
Einbau eines Kramladens auf der Marktseite für den mit der Enkelin verheirateten Krämer Wunderlich.

1689
Witwe Anna Elisabeth Zacher, geb. Bulacher verkauft die hintere halbe Behausung an Philipp Lipp, Bäcker und Gerichtsverwandter für 595 Gulden.

1692
Erbteilung beim Tod der Frau Zacher: Enkeltochter Anna Elisabeth Wunderlich, geb. Oberg, Witwe des Kaufmann J. D. Wunderlich erbt die vordere Hälfte mit Scheune.

1697
Wilhelm Hieronimus Hornung, Barbier und Gerichtsverwandter durch Tausch mit Anna Elisabeth Wunderlich, vordere Hälfte für 800 Gulden.

1706
Johann Sack, Stadt- und Amtspfleger, vordere Hälfte und Scheune für 950 Gulden erkauft.

1710
Johann Christof Lidvogel, Apotheker und Gerichtsverwandter kauft die vordere Hälfte und die Scheune für 950 Gulden.

1712
Apotheker Lidvogel (1668-1724) erwirbt auch die hintere Hälfte für 650 Gulden, damit sind beide Hausteile wieder in einer Hand.

1724
Witwe Regina Katharia Lidvogel, geb. Wölfing

1737
Erbvergleich mit 3 Kindern, Schwiegersohn Johann Heinrich Ledermann kauft 1742-1747 von Schwägerinnen die übrigen Teile.

1753
1/10 Witwe Elisabeth Regina Ledermann, geb. Spindler
9/10 Kinder

1760
Gottlieb Friedrich Seeger (1732-1797), Apotheker, verheirat mit Charlotte, geb. Ledermann, Kauf von Miterben Ledermann für 1.200 Gulden.

1771
Stadtbrand, Brandschaden an Haus und Scheune 3.865 Gulden, neu und vergrößert wieder aufgebaut

1793
Christof Jacob Seeger (1768-1821), Apotheker, Übergabe vom Vater für 8.600 Gulden

1816
Christian Friedrich Neidhardt, Apotheker, Kauf für 17.500 Gulden

1833
Wilhelm Dietrich, Apotheker, Kauf von Haus und Apotheke für 29.000 Gulden, Scheune 1851 für 1.200 Gulden.

1863
Wilhelm Philipp Heim (1833-1907), Apotheker, Kauf für 44.000 Gulden.

1891
Franz Otto Sträßle, Apotheker, kauft das Anwesen für 90.000 Mark.

1903
Ernst Schäfer, Apotheker

1949
Helmut Schäfer, Apotheker

1966
Scheune abgebrochen