Erbaut: Keller und Erdgeschoss wohl 16. Jahrhundert, Fachwerk-Obergeschoss 1678 (dendrochronologisch datiert)
Parzellennummer 1836: 41
Grundfläche des Hauses 1836: 19,5 Quadratruten (entspricht ca. 160 qm)
Steueranschlag 1745: 228 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 8 Heller oder 1 Kreuzer, 2 Heller

Mittlere Sackgasse 6 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Mittlere Sackgasse 6 (Bildquelle: Jörg Heinrich)

 

 

 

 

 

 

 

Der "Sack" (die Straßen Unterer, Mittlerer und Oberer Sack) nimmt einen Großteil des unteren Teils der Waiblinger Altstadt ein. Das Gebiet grenzt im Osten an die Lange Straße und im Norden und Westen an die Stadtmauer, die hier einen ihrer längsten Abschnitte hat. Der südliche Teil mit der Oberen Sackgasse mündet in den ehemaligen Hafenmarkt (beim Haus Lange Straße 32) und erreicht somit fast den Marktplatz. Der Bereich war der größte Arme-Leute-Wohnbereich in der Waiblinger Altstadt, der aber durchsetzt war von drei größeren Anwesen: 1.) einem Komplex um das Gasthaus Löwen, dessen Hauptgebäude zwar vorne in der Lange Straße 6 lag, dessen Nebengebäude sich aber nach hinten in den "Sack" erstreckten. 2.) Das Gebäude Untere Sackgasse 1, ein ehemaliges großes Bauernhaus mit Nebengebäuden, die sich bis zur Stadtmauer hinzogen. 3.) Ein weiterer, ehemals landwirtschaftlich geprägter Komplex mit einem Haus und einer Scheune. Das Haus befand sich auf einem Grundstück, das nach der Brandkatastrophe von 1634 geteilt wurde, heute stehen dort die Gebäude Mittlere Sackgasse 9 und 11. Dazu gehörte der Bau Mittlere Sackgasse 6, ehemals eine große Scheune die auch heute noch eines der auffälligsten Gebäude in der Waiblinger Altstadt ist. Alle drei Gebäudekomplexe sind mehrfach mit grundherrlichen Abgaben belastet, was darauf schließen läßt, dass die Ursprünge wenigstens ins Spätmittelalter liegen, wahrscheinlich aber noch weiter zurück reichen. Die zwischen diesen drei großen Komplexen und den langen, und als Wohnplätze ziemlich unattraktiven Abschnitten an der Stadtmauer liegenden Restflächen, wurden in der Frühzeit gerne mit Scheunen besetzt oder mit meist einstockigen Häusern auf kleinen Parzellen bebaut. Als die Stadt nach und nach ihren landwirtschaftlichen Charakter verlor, wurden auch die Scheunen zu Wohnzwecken umgenutzt.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine ohnbewohnte Behaußung, Keller darunter und Hoffreithe im Sack, zwischen H[an]ß Jerg Fisher, Veit Kreuttel und Johannes Wittmar, ein: anderseits H:[err] Advocat Weÿßer Scheuren Einfahrt, stost vornen auf die Gaßen, und hinten Martin Jäger.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Mittlere Sackgasse 6 ca. 1980 (Bildquelle: Helmut Proß)Mittlere Sackgasse 6 ca. 1980 (Bildquelle: Helmut Proß)Wie bereits oben erwähnt, gehörte das Gebäude Mittlere Sackgasse 6 über einen langen Zeitraum als Scheune zu einem landwirtschaftlichen Komplex. Das zugehörige Haus stand auf einem Grundstück, das heute auf die Gebäude Mittlere Sackgasse 9 und 11 aufgeteilt ist. Beim Wiederaufbau Waiblingens nach der Brandkatastrophe von 1634 war die Familie Weißer, vor allem hier im unteren Bereich der Altstadt stark beteiligt (weitere Informationen zur Familie Weißer siehe Lange Straße 24). Der Bürgermeister Gall Weißer ist 1671 im Lagerbuch der Kellerei als Besitzer einer Hofstatt genannt, die sich anhand der Zinsabgaben dem Grundstück Mittlerer Sack 6 zuordnen läßt. Es ist davon auszugehen, dass Gall Weißer das Fachwerkobergeschoss einige Jahre später errichten ließ, das hohe, massive Untergeschoß mit der großen Scheueneinfahrt dürfte den Brand aber überstanden haben und noch vom Vorgängerbau stammen. Einen Anhaltspunkt wann das Fachwerkobergeschoss aufgesetzt wurde, gibt der an der Ecke zum Hof angebrachte Neidkopf, der mit seiner frühbarocken Fruchtwerkverzierung sehr dem Neidkopf in der Schmidener Straße 2 ähnelt, einem auf 1680 inschriftlich datierten Haus. Im Jahr 1996 wurde die Fachwerkkonstruktion des Gebäudes auf die Zeit um 1678 dendrochronologisch datiert. Das Gebäude Mittlere Sackgasse 6 wird in den Güterbüchern des 18. Jahrhunderts als eine „unbewohnte Behausung“ bezeichnet, vermutlich kein Hinweis auf einen Leerstand, sondern der Versuch das Erscheinungsbild des Gebäudes und seine abweichende Nutzung mit einem Namen zu erfassen. Das Gebäude hat zur Gasse eine Fachwerk-Schaufassade, zumindest ist davon auszugehen, dass sich unter dem Verputz eine solche befindet. Daher gleicht die Fassadengestaltung dem eines Wohnhauses aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, ähnlich der Schauseite der Schmidener Straße 2 oder Kurze Straße 18. Auf der Hofseite weist die Mittlere Sackgasse 6 im massiven Erdgeschoss aber ein großes Tor auf, was eine Nutzung als Scheune nahelegt.

Mittlere Sackgasse 6 Neidkopf (Bildquelle: Helmut Proß)Mittlere Sackgasse 6 Neidkopf (Bildquelle: Helmut Proß)Die Besitzgeschichte beginnt 1350 mit der Nennung der Tochter des Amtmann Strubelin im Kellereilagerbuch, die hier ihr Haus hatte. 1494 waren Albert Mühlsteiner, ein Stuttgarter Apotheker, und 1511 Lukas Schütz Eigentümer einer Hofstatt an dieser Stelle. Weshalb diese große Parzelle so lange nicht bebaut war und was mit dem Haus der Tochter des Amtmanns passiert ist, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Im Kellereilagerbuch von 1568 sind die Kinder des Wilhelm Lidorn als Eigentümer genannt. Wie bereits erwähnt, stand das zugehörige Wohnhaus auf den Grundstücken Mittlere Sackgasse 9 und 11 (bei Mittlere Sackgasse 9 auch weitere Informationen zur Familie Lidhorn).

Der Neubau nach der Brandkatastrophe von 1634 scheint zunächst im Besitz der Nachkommen des Bürgermeister Gall Weißer, dem Archivar Christian Friedrich Sattler in Stuttgart und der Witwe des Ernst Christof Caspar sowie deren Sohn Zinngießer Hegel zu bleiben. Die genauen verwandtschaftlichen Zusammenhänge konnten bislang aber nicht geklärt werden. Erst um 1800 werden Teile davon verkauft. Das Gebäude wird dann teilweise als Scheune für den Bauer Bürkle, der wieder in der Mittleren Sackgasse 11 wohnte, aber auch als Lagerhalle für verschiedene Handelsleute genutzt.

1350
Anmanin Strůbelins tohter 8 h. von ihr huse

1494
Albert Mühlsteiner, Apotheker von Stuttgart als Eigentümer einer Hofstatt, Anrainer: Margaretha Schütz und weitere, dem Apotheker gehörige Häuser

1511
Lukas Schütz aus des Bechterlins Hofstatt

1568
Wilhelm Lidhorn Kinder, Anrainer: Peter Feierabend Erben und Apollonia, Michael Schmitz Witwe

1671
Bürgermeister Gall Weißer, Anrainer: Abraham Bertsch und Andreas Weißer

1678
Laut dendrochronologischer Datierung wurde das Fachwerk-Obergeschoss in dieser Zeit neu erbaut.

1745
Herr Christian Friedrich Sattler, Geheimer Archivar in Stuttgart, später Frau Ernst Christof Caspar Witwe

1786
Christian Philipp Wendel Hegel, Zinngießer

1805
Jakob Friedrich Pflüger kauft eine Hälfte von Zinngießer Hegel

1819
Ein Viertel von Handelsmann Ferdinand Friedrich Weber an Imanuel Ludwig Käferle verkauft.

1836
Friderich Stüber, Stadtrat drei Viertel (1821 von Friedrich Bunz), Jacob Bürkle, Bauer ein Viertel (seit 1810)