Parzellennummer 1836: 40
Grundfläche des Hauses 1836: 10,8 Quadratruten (entspricht ca. 88,6 qm)
Steueranschlag 1745: 196 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen die Hälfte (gemeinsam mit Mittlere Sackgasse 11) an 1 Schilling, 3 Heller oder 2 Kreuzer, 4 Heller
Spital Esslingen die Hälfte (gemeinsam mit Mittlere Sackgasse 11) an 1 Pfund oder 43 Kreuzer
Geistliche Verwaltung Waiblingen die Hälfte (gemeinsam mit Mittlere Sackgasse 11) an 10 Kreuzer, 5 Heller
Armen Kasten Waiblingen die Hälfte (gemeinsam mit Mittlere Sackgasse 11) an 8 Kreuzer, 4 Heller und 1 Henne (à 8 Kreuzer)
Gemeiner Stadt aus der auf die Allmende gebauten Ecke am Haus 4 Schilling oder 8 Kreuzer, 4 Heller
Mittlere Sackgasse 9 (Bildquelle: Martin Klöpfer)Der "Sack" (die Straßen Unterer, Mittlerer und Oberer Sack) nimmt einen Großteil des unteren Teils der Waiblinger Altstadt ein. Das Gebiet grenzt im Osten an die Lange Straße und im Norden und Westen an die Stadtmauer, die hier einen ihrer längsten Abschnitte hat. Der südliche Teil mit der Oberen Sackgasse mündet in den ehemaligen Hafenmarkt (beim Haus Lange Straße 32) und erreicht somit fast den Marktplatz. Der Bereich war der größte Arme-Leute-Wohnbereich in der Waiblinger Altstadt, der aber durchsetzt war von drei größeren Anwesen: 1.) einem Komplex um das Gasthaus Löwen, dessen Hauptgebäude zwar vorne in der Lange Straße 6 lag, dessen Nebengebäude sich aber nach hinten in den "Sack" erstreckten. 2.) Das Gebäude Untere Sackgasse 1, ein ehemaliges großes Bauernhaus mit Nebengebäuden, die sich bis zur Stadtmauer hinzogen. 3.) Ein weiterer, ehemals landwirtschaftlich geprägter Komplex mit einem Haus und einer Scheune. Das Haus befand sich auf einem Grundstück, das nach der Brandkatastrophe von 1634 geteilt wurde, heute stehen dort die Gebäude Mittlere Sackgasse 9 und 11. Dazu gehörte der Bau Mittlere Sackgasse 6, ehemals eine große Scheune die auch heute noch eines der auffälligsten Gebäude in der Waiblinger Altstadt ist. Alle drei Gebäudekomplexe sind mehrfach mit grundherrlichen Abgaben belastet, was darauf schließen läßt, dass die Ursprünge wenigstens ins Spätmittelalter liegen, wahrscheinlich aber noch weiter zurück reichen. Die zwischen diesen drei großen Komplexen und den langen, und als Wohnplätze ziemlich unattraktiven Abschnitten an der Stadtmauer liegenden Restflächen, wurden in der Frühzeit gerne mit Scheunen besetzt oder mit meist einstockigen Häusern auf kleinen Parzellen bebaut. Als die Stadt nach und nach ihren landwirtschaftlichen Charakter verlor, wurden auch die Scheunen zu Wohnzwecken umgenutzt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Behausung mit 2en Stöcken und einem gewölbten Keller, Mang und FarbWerckStatt im Sack, Zwischen der Allmand beederseits stost vornen auf die Gaßen, und hinten Johann Martin Wan[n]er.
Lage
Gebäudebeschreibung
Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.
Bau- und Besitzgeschichte
Anhand der Zinsabgaben in das Spital Esslingen und die Kellerei Waiblingen läßt sich abschätzen, dass die beiden Grundstücke Mittlere Sackgasse 9 und 11 ursprünglich gemeinsam mit einem Haus bebaut waren. Spätestens ab 1568 bildete dieses Haus mit der, schräg gegenüber in der Mittleren Sackgasse 6 stehenden Scheune einen Besitzkomplex. Beide Gebäude waren im Besitz der Kinder des Wilhelm Lidhorn, dessen Großvater Hans Lidhorn am Anfang des 16. Jahrhunderts als Vogt nach Waiblingen gekommen war. Hans Lidhorn muss sehr vermögend gewesen sein und steuerte 1545 zur Türkensteuer aus einem sehr hohen Anschlag von 4.000 Gulden. In der Türkensteuerliste sind auch die Kinder seines Sohnes jung Hans Lidhorn genannt, wahrscheinlich Wilhelm und Appolonia, die später als Frau des Thomas Küehorn als Patin genannt wird. Wilhelm Lidhorn ist von 1558 bis 1563 als Schütze gemustert und wird in der Musterungsliste von 1566 als „verstorben“ bezeichnet. Er war verheiratet mit einer Margaretha Böll und ließ am 17.02.1560 eine Tochter Anna und 17.09.1561 einen Sohn Johannes taufen. Er hat wahrscheinlich um 1550 die Vorgängerbauten auf den Grundstücken Mittlere Sackgase 9 und 11 und die dazugehörige Scheune, Mittlere Sackgasse 6 errichten lassen. Der Gebäudekomplex dürfte eines der größten Anwesen in der Waiblinger Altstadt gewesen sein.
Im Jahre 1671 läßt sich Michael Bebion anhand der Zinsgaben im Kellereilagerbuch als Eigentümer des Hauses Mittlere Sackgasse 9 bestimmen, so dass sich weitere Quellenbelege zuordnen lassen. So berichtet die Zacher-Chronik aus dem Jahre 1648: „Michael Bebion, Küfer, baute auf seines Altvaters - des alten Heppächers - Hofstatt oben im Sack.” Der Altvater (Großvater) hieß ebenfalls Michael Bebion, stammte aus einer vermögenden Kleinheppacher Schultheißenfamilie, daher der Beiname “der alte Heppacher”, ist dort am 31.10.1560 geboren und dann nach Waiblingen gezogen. Er hat um 1580 eine Frau geheiratet, von der nur der Vorname "Anna" bekannt ist, weil in Waiblingen zwar die Tauf-, aber nicht die Ehebücher erhalten sind. Mit ihr hatte er 13 Kinder, von denen wahrscheinlich die meisten bereits im Säuglingsalter gestorben sind, was in dieser Zeit durchaus üblich war. Es ist zu vermuten, dass es sich bei dieser "Anna" um die 1560 geborene Tochter des Wilhelm Lidhorn handelte, die Michael Bebion den Besitzkomplex Mittlere Sackgasse 6 und 9/11 in die Ehe gebracht hat. Bei einer Abfrage der Vermögenswerte in Waiblingen durch die herzogliche Regierung aus dem Jahre 1607 werden beispielhaft ca. 10 Gebäudekomplexe mit ihrem Steueranschlag genannt. Das Anwesen des Michael Bebion liegt dabei mit 1.270 Gulden an vierter Stelle. Beim Einfall der kaiserlichen Truppen im Jahre 1634 war Michael Bebion einer der Waibilinger Bürger, die von den Soldaten ermordet wurden. Von seinem gleichnamigen Enkel, einem Küfer und Sohn des Jos Bebion wird beim Vogtgericht 1639 berichtet, dass er sich noch auf Wanderschaft oder im Krieg befindet. Er muss aber bald darauf wieder nach Waiblingen zurück gekommen sein und hat auf der abgebrannten Hofstatt seines Großvaters ein neues Haus bauen lassen. Allerdings scheint das Vermögen nicht mehr so groß gewesen zu sein wie in den Generationen davor. Die Scheune in der Mittleren Sackgasse 6 war in den Besitz der Familie Weißer gelangt, und beim Haus reichte es nur noch für die Überbauung der halben Hofstatt (heute Mittlere Sackgasse 9). Er war mit Salome, Tochter des Melchior Geiger aus Walheim bei Besigheim verheiratet, hatte mit ihr mindestens 8 Kinder und ist in Waiblingen am 16.05.1685 im Alter von 79 Jahren gestorben.
Der nächste bekannte Besitzer des Hauses ist Georg Philipp Dietrich, ein Färber, der in dem Gebäude eine Färberwerkstatt mit einer “Mang” einrichtete. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Kaltmangel für die Färberei, angetrieben durch einen hölzernen Göpel mit der die Stoffe vor und nach dem Färben geglättet werden konnten. Die weiteren Besitzer waren ein Rotgerber, ein Metzger und ein Bauer, die zu den typischen Vertretern der im “Sack” ansässigen Gewerben zählten.
1494
Margaretha Schütz, Anrainer: Hans Huscher
1511
Lukas Schütz
1568/1569
Hans Lidhorn Kinder, Anrainer: Hans Ehreiß
1648
Michael Bebion wird in der Zacher-Chronik als Bauherr des heute noch bestehenden Hauses genannt, welches er auf der Hofstatt seines gleichnamigen Großvaters erbauen ließ.
1671
Michael Bebion, Anrainer: Nikolaus Krüger
1745
Georg Philipp Dietrich, Färber
1750
Johannes Letters, Rotgerber, kauft das Haus, später Friedrich David Letters
1826
Christoph Pfander, Bauer kauft das Haus von Jung Heinrich Pfander, Metzger