Parzellennummer 1836: 58
Grundfläche des Hauses 1836: 6,5 Quadratruten (entspricht ca. 53,4 qm)
Steueranschlag 1745: 81 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Armen Kasten Waiblingen 3 Schilling oder 6 Kreuzer, 3 Heller
Stadt Waiblingen 22 Kreuzer, 4 Heller
Obere Sackgasse 17 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die Obere Sackgasse verläuft auf der einen Seite über eine weite Strecke entlang der Stadtmauer und war daher ein nicht allzu beliebter Wohnplatz. Das Haus Obere Sackgasse 17 steht inmitten dieser, rückwärtig an der Stadtmauer gelegenen Häuserzeile in einer Reihe von zweigeschossigen Häusern auf kleinen Grundrissen.
Es handelt sich um ein hübsches Haus, mit einem Wappen über der Haustür, zwei Neidköpfen und einer Rollkonsole an der Fassade, eine Ausschmückung, die man eher an einer Hauptstraße vermuten würde und die für dieses kleine Haus in einer abgelegenen Gasse fast etwas übertrieben zu sein scheint. Über der Türe befindet sich eine Art Steinmetzwappen: in der Mitte ein Krönel, ein Steinwerkzeug zum Glätten der Oberflächen von weichem Gestein, der vor allem zum Bearbeiten von Sandstein eingesetzt wurde. Gekreuzt sind ein Pickel und ein Setzhammer abgebildet, der zum Abschlagen großer Steinüberstände benutzt wurde. Dazu wurde die, auf nur einer Seite befindliche Schneide am Stein angesetzt, während der zweite Steinmetz mit einem Vorschlaghammer oder großen Fäustel auf die plane Seite schlug.
Obere Sackgasse 17 Steinmetzzeichen (Bildquelle: Helmut Proß)
Die beiden Neidköpfe, der eine befindet sich an der linken Hausflanke, der andere an der Mittelpartie des steinernen Erdgeschosses unter der ersten Vorkragung, bestehen aus Mischwesen von Mensch und Tier, beides Fratzengesichter, die in der Typik den „vermenschlichten“ Löwenköpfen entsprechen. Dem Löwengesicht am nächsten kommt jeweils die Mundpartie, welche beim inneren Exemplar aus Zahnwerk zwischen weit geöffneten Lefzen, beim äußeren aus einem aufgerissenen Maul mit heraushängender Zunge besteht. Zwitterwesenhaft wirkt neben den Augen und der Nase jeweils auch die Mähnenhaar-Umrahmung der Gesichter in Form von Lockenkringeln.
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Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller im Sack, zwishen Johann Christoph Börith Schuhmacher, und Niclaus Zieglers hoffstatt, stost vornen auf die Sack Gaßen, und hinden die Statt Mauren.
Lage
Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Obere Sackgasse 17 handelt es sich um ein kleines, giebelständiges, zweigeschossiges Wohnhaus, welches unmittelbar an die westlich des Hauses stehende Stadtmauer angebaut ist. Über einer massiv gemauerten Erdgeschosszone mit Eckquaderungen, rundbogigem Kellertor und rundbogigem, profiliertem Eingangsportal, erhebt sich ein unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit einer Dachgeschossebene und Spitzboden unter einem Satteldach ab. Am straßenseitigen Giebel stossen die einzelnen Geschosse über Schwellen mit Kielbogen-Schnitzereien vor. Bemerkenswert sind die drei steinernen Konsolen im Erdgeschoss, die als Rollwerk und Neidköpfe ausgebildet sind.
Die Zacher-Chronik berichtet über das Jahr 1646 „Hans Leonhard Decker, Maurer, baute auch daselbst [im Sack] hin auf Johann Zachers Hofstatt, verkaufte hernach an Rotgerber Ciriax Lang“. Johann Zacher, vielleicht ein Verwandter des Chronisten Wolfgang Zacher, läßt sich bislang nicht identifizieren, Hans Leonhard Decker scheint während des Dreißigjährigen Krieges von auswärts gekommen zu sein und hat Waiblingen bald wieder verlassen. Von Ciriakus Lang ist immerhin bekannt, dass er aus Hegnach stammte. In den späten 1680ern war das Haus im Besitz des Hans Friedrich Heß, der Waldschütz im Immerreich war. Dort, oberhalb von Korb gelegen, befand sich der Waiblinger Gemeindewald, Aufgabe des Schützen war es vor allem in der weit von Waiblingen gelegenen Außenstelle Holzdiebstahl zu verhindern. Dazu hatte die Stadt Waiblingen im Immereich eine Unterkunft für den Waldschützen hergerichtet, wo er sich die meiste Zeit aufhielt. Um 1700 gelangte das Haus für kurze Zeit in den Besitz der Stadt, ab 1705 ist „Hannß Geörg Seüfferlen Maůrer [...] aůß seiner newen Behaůßůng ůnd Hoffraithe im Sackh in 2. Orthen ligendt“ in der Armenkastenrechnung genannt. Seiferle kam aus einer Waiblinger Steinmetzenfamilie in dritter Generation. Sein Großvater Jakob Seiferle war mit Magdalena Zacher, der Tochter des Werkmeisters (Architekt) Hans Wolfgang Zacher verheiratet, die Familie war also entfernt mit dem Chronisten Wolfgang Zacher verwandt.
Es ist davon auszugehen, dass Johann Georg Seiferle 1705 das 1646 gebaute Haus abgebrochen und das heute noch bestehende Gebäude erstellt hat. Dabei hat er an der Fassade eine Art Leistungsschau angebracht und ausgestellt, welche Steinmetzarbeiten man bei ihm kaufen konnte: z.B. Neidköpfe und Rollkonsolen. Wahrscheinlich hat er auch die Steine für das massive Erdgeschoss behauen und die Fachwerkfassade entworfen. Als Wohnhaus und Werkstatt eines Steinmetzen erklärt sich diese ungewöhnlich reich geschmückte Fassade eines kleinen Hauses in einer abgelegenen Straße.
1646
Hans Leonhard Decker, Maurer, baute auch daselbst [im Sack] hin auf Johann Zachers Hofstatt, verkaufte hernach an Rotgerber Ciriax Lang
1688
Hans Friedrich Heß, Waldschütz im Immereich bei Korb
1699
Stadt Waiblingen
1705
Hans Georg Seiferle, Maurer, baute ein neues Haus auf diesem Grundstück
1754
Johann Michael Stüber
1770
Erhard Schreiner, Rößlewirt
1797
Gottlieb Löffler
1831
Johann Georg Rühle, Weber
1867
Der Sohn Georg Jakob Rühle, Weber
Obere Sackgasse 17 historisch um 1970 (Bildquelle: Heinitz T. 79)