Parzellennummer 1836: 55
Grundfläche des Hauses 1836: 8,1 Quadratruten (entspricht ca. 66,5 qm)
Steueranschlag 1745: 108 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Armenkasten Waiblingen 5 Schilling oder 10 Kreuzer, 5 Heller aus dem Haus
Geistlichen Verwaltung 3 Schilling, 6 Heller oder 7 Kreuzer, 3 Heller aus dem Anbau
Obere Sackgasse 23 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
Die Obere Sackgasse verläuft auf der einen Seite über eine weite Strecke entlang der Stadtmauer und war daher ein nicht allzu beliebter Wohnplatz. Das Haus Obere Sackgasse 23 steht inmitten dieser, rückwärtig an der Stadtmauer gelegenen Häuserzeile in einer Reihe von zweigeschossigen Häusern auf kleinen Grundrissen. Es ist innerhalb der Gasse etwas hervorgehoben, weil es in der Flucht der Mittleren Sackgasse steht und ist innerhalb des Gassengewirrs des Sack aus etwas größerer Entfernung sichtbar.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine [ge]ringe 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller und einer s:[alva] v:[enia] Tung Legin darbeÿ im Sack, Zwischen Georg Zieglern, und Jacob becken, stost Vornen auf die Gemeine Gaß, und hinten die Statt Mauren.
Lage
Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Obere Sackgasse 23 handelt es sich um ein giebelständiges, zweigeschossiges Wohnhaus, welches innerhalb einer Häuserzeile steht und durch seine Lage gegenüber der Einmündung der Mittleren Sackgasse eine straßenbildprägende Wirkung hat. Über einer massiv gemauerten und mit Eckquadern versehenen Erdgeschosszone erhebt sich ein unverputztes Fachwerk-Obergeschoss. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab.
Rückwärtig wurde das Wohnhaus wohl nachträglich nach Westen zur Stadtmauer hin erweitert und verfügt dort heute über einen Zugang auf den Wehrgang der Stadtmauer. Nördlich des Gebäudes befindet sich zudem ein ebenfalls zweigeschossiger, vom Straßenraum zurückgesetzter Anbau, der mit einem einhüftigen Satteldach abschließt.
Auf der linken Seite des Grundstückes Obere Sackgasse 23 befindet sich das Haus, während rechts daneben etwas zurückversetzt ein Anbau steht. Das Haus zinste in den Armenkasten Waiblingen und das Teilgrundstück mit dem Anbau in die Geistliche Verwaltung, weshalb die Besitzgeschichte des Anwesens gut nachvollziehbar ist.
Nach der Brandkatastrophe von 1634 berichtet die Zacher-Chronik über das Jahr 1648: "Michel Henkel, Maurer, baute ein Haus im Sack und verkaufte solches hernach gegen Nikolaus Krüger". Da später in den Quellen nicht mehr von einem Neubau berichtet wird, könnte es sein, dass sich zumindest im Haus noch Bausubstanz aus dieser Zeit erhalten hat, genaueres könnte aber nur eine bauhistorische Untersuchung klären. Auf dem rechten Teilgrundstück stand im 16. Jahrhundert eine kleine Scheune, später wird auch von einer Nutzung als Küchengarten berichtet, hierzu sind die Angaben in den Quellen nicht ganz eindeutig.
Der in den Zacher-Chronik genannte Nikolaus Krüger ist in den anderen, das Haus betreffenden Quellen nicht nachweisbar, möglicherweise hat Wolfgang Zacher sich hier geirrt. Stattdessen wird in den Rechnungen des Armenkastens ab 1650 Hans Müller als Zinser genannt. Er stammte aus einer vermögenden Familie, die spätestens seit dem 16. Jahrhundert in Waiblingen nachweisbar ist, betrieb aber die, zwischen Stetten und Endersbach gelegene Seemühle. Möglicherweise nutzte er das kleine Anwesen, um von hier aus seine Waiblinger Güter zu bewirtschaften. 1666 hat Müller das Haus an den Metzger Hans Silber weitergegeben. Silber stammte aus Weil im Dorf und hatte einige Jahre davor eine Witwe in Waiblingen geheiratet, die bereits einen Sohn in die Ehe mitbrachte. Gemeinsam hatten sie nochmal elf Kinder, von denen immerhin sechs überlebten. Er war bei Übernahme des Hauses erst 26 Jahre alt und behielt es in seinem Besitz bis zu seinem Tod 1694. Trotz der bescheidenen Verhältnisse, in denen die Familie lebte, hatte Silber zeitweilig einen Sitz im Rat der Stadt Waiblingen inne. Die späteren Besitzer des Hauses waren alle Weingärtner oder kleine Handwerker.
1559
Margaretha Mager, Michael Ruof Witwe, zinst aus einer Scheune an die Geistliche Verwaltung Waiblingen. Anrainer: Jörg Romei
1648
Michel Henkel, Maurer, baute ein Haus im Sack und verkaufte solches hernach gegen Nikolaus Krüger
1650
Hans Müller, Müller auf der Seemühle in Stetten, als Eigentümer genannt
1655
Hans Müller, Müller, zinst aus der Scheune. Anrainer: Ciriakus Lang
1666
Hans Silber übernimmt das kleine Anwesen, wahrscheinlich durch Kauf.
1694
Die Erben des Hans Silber verkaufen Haus und den dazugehörigen Küchengarten an den Zimmermann Josef Scheuermann um 205 Gulden, Anrainer: Georg Ziegler Haus und Georg Geiernest Küchengarten
1701
Josef Scheuermann im Lagerbuch der Geistlichen Verwaltung als Eigentümer eines "Scheurenplatzes" genannt, der als Küchengarten genutzt wurde.
1705
Hans Geiernest, Weingärtner
um 1740
Johannes Geiernest Witwe, später ihre Tochter Anna Barbara
1744
Verkauf an Jakob Off, Weingärtner, später Johannes Off
1764/65
Übergabe an den Schwiegersohn Georg Wößner, Weingärtner
1836
Katharina Wößner, ledig