Parzellennummer 1836: 120
Grundfläche des Hauses 1836: 25,1 Quadratruten (entspricht ca. 206 qm)
Steueranschlag 1745: als öffentliches Gebäude von der Steuer befreit
Grundherrliche Abgabe:
Zinsfrei, ein abgebrochener Anbau zinste der Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 4 Heller
Schmidener Str. 1 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
Das Kornhaus, Schmidener Straße 1, an der Kreuzung Schmidener Straße / Lange Straße gelegen, war seit dem späten Mittelalter neben dem Rathaus am Markt das für die Stadt Waiblingen wichtigste Gebäude. Der Name wechselte zwischen Kaufhaus, Kornhaus und altem, bzw. neuem Rathaus, je nachdem wie das Gebäude gerade genutzt wurde.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Ein altes Ratthauß mit 3. Stöcken und einem gewölbten Keller, Worinn die Statt und Amts Regitratur sich befindet, auch die Statt VorrathsFrüchten, nebst dem Vorräthigen Salz Verwahrlich auf behalten Werden, oben in der Statt, an Schmiedener und Langen Gaß, zwischen ged:[achter] Langen Gaßen ein: anderseitz H[an]ß Jerg Pfleiderer Zeügmachers Behausung, stost Vornnen auf die Schmidener Gaß, und hinten das Kornhauß.
Eine alte Bewohnung worunter das KornHauß, hinter dem alten Rathhauß an der Langen Gaßen, Zwischen dem Bronnen, und gedachtem alten Rathhauß, stost vornen auf die Lange Gaß, und hinten H[an]ß Jerg Pfleiderer Zeügmacher - abgebrochen, auf dem Platz ein Schůlhaůß habent.
Gebäudebeschreibung 1877
Ein 3 stockiges Wohnhaus, ein Stock von Stein, sonst Fachwerk, mit gewölbtem Keller, vormals das alte Rathaus.
Lage
Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Schmidener Str. 1 Rückseite (Bildquelle: Helmut Proß)Aufgrund von Streitigkeiten zwischen der Stadt Waiblingen und dem Kloster Adelberg, die im Frühjahr 1433 mit einem Vergleich beigelegt wurden, erfahren wir einiges über die Anfänge. Die Stadt hatte das Kornhaus „vor viel vergangener Zeit her” von einem Bürger namens „Schmäncke“ gekauft. Das Haus war dem Kloster um 10 Schilling zinspflichtig, die Waiblinger wollten diese Abgabe aber nicht mehr bezahlen. Die Vertragsparteien haben sich dann verglichen, dass die Zinszahlung entfallen soll und im Gegenzug Steuerzahlungen des Kloster an die Stadt verringert werden. Das Kloster Adelberg ist seit 1253 in Waiblingen begütert. Der „vor viel vergangener Zeit” erfolgte Kauf des Hauses von Schmäncke kann also ganz grob in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden.
Auch über den im Dreißigjährigen Krieg abgebrannten Vorgängerbau ist einiges bekannt. Er muss über einen Saal verfügt haben, den die Waiblinger Bürger für eine Zahlung von 2 Pfund und 2 Schilling für Hochzeitsfeierlichkeiten anmieten konnten. Außerdem geht aus der Bürgermeisterrechnung 1614/15 hervor, dass am Gebäude eine Skulptur mit Schwert, Dolch und Fahne angebracht war. Es scheint sich um einen Bau gehandelt zu haben, der sich durch Größe und Bauschmuck von den Bürgerhäusern abhob und somit den repräsentativen Ansprüchen der Stadt Waiblingen gerecht wurde. Der Keller wurde dagegen von der Stadtverwaltung nicht genutzt, sondern war für eine jährliche Zahlung von 1 Pfund an den Turmbläser Ulrich Schnaufer vermietet.
Nach dem Stadtbrand von 1634 wurde das Rathaus am Markt bis in die 1720er Jahre nicht wieder aufgebaut, die Stadtverwaltung nutzte stattdessen das Kornhaus. Bereits 1650 wurde eine Hälfte des Gebäudes überdacht, der weitere Ausbau erfolgte in den Jahren 1659 bis 1662 zu Kosten von 301 Gulden. Nachdem 1725 bis 1730 das Rathaus am Markt wieder aufgebaut wurde, wird das Kornhaus als “altes Rathaus” bezeichnet. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich die Registratur der Stadtverwaltung im Kornhaus, außerdem sollten die Räume im Erdgeschoß als Wachstuben vorgehalten werden, falls es durch kriegerische Ereignisse notwendig wurde Besatzungen in die Stadt zu legen. 1840 wurde das Gebäude an privat verkauft, ab 1906 befand sich hier das Kaufhaus Schumacher.
1650-1662
Wiederaufbau des Gebäudes und Nutzung als Rathaus.
1840
Die Stadtgemeinde verkauft an Johannes und Gottlob Kaufmann, beide Konditoren, das Gebäude je hälftig für 3.000 Gulden. Den Dachboden über dem Treppenhaus für die Mädchenschule behält sich die Stadt vor.
1843
Gottlob Imanuel Kaufmann
1872
Friedrich Gottlieb Pfander, Kaufmann
1906
Kaufhaus Schumacher
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Literaturhinweis:
Stefanie Albus-Kötz: Von Krautgärten, Äckern, Gülten und Hühnern. Studien zur Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Prämonstratenserstifts Adelberg im Mittelalter 1178-1535 (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 73), Ostfildern 2014, hier: S. 221-222.
Quellenhinweis:
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 469 I, U 361 und H 102/1, Bd. 110, fol. 17v-25v (Abschrift der Urkunde)