Erbaut: 17./18. Jahrhundert
Parzellennummer 1836: 118 (Haus), 119 (Scheune), 124 (Haus im hinteren Bereich; später Nr. 118a)
Grundfläche des Hauses 1836: 17,7 Quadratruten (entspricht ca. 145,3 qm)
Scheune: 27,7 Quadratruten (entspricht ca. 227,4 qm)
Hinterhaus: 6,5 Quadratruten (entspricht ca. 53,4 qm)
Steueranschlag 1745: 208 Gulden (Haus), 68 Gulden (Scheune), 98 Gulden (Haus im hinteren Bereich)
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 7,5 Heller aus dem Haus
Armen Kasten Waiblingen 16 Kreuzer für ½ Pfund Wachs aus dem Hof und der Stallung sowie 8 Schilling oder 10 Kreuzer, 5 Heller aus der Farbwerkstatt
Armen Kasten Waiblingen 5 Schilling oder 10 Kreuzer, 5 Heller aus dem Haus im hinteren Bereich

Schmidener Str. 3 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Schmidener Str. 3 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Die Schmidener Straße 3, direkt neben dem städtischen Kornhaus gelegen, ist eines der größten Anwesen in der Waiblinger Altstadt mit einem Haus vorne an der Straße, einem dahinter stehenden deutlich kleineren und eingeschossigen Häusle und einer großen, ebenfalls rückwärtig befindlichen Scheune, die nach rechts versetzt war und größtenteils hinter dem Haus Schmidener Straße 5 stand. Aufgrund der Größe war das Anwesen meist auf mehrere Besitzer aufgeteilt.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 3. stockichte Behausung und gewölbten Keller darunter nicht weniger die vornen daran befindliche s:[alva] v:[enia] Tung Legin alles in der Schmidener Gaß, beÿm alten Rathhauß, und Alt Lorentz Bauder, stost Vornen auf die Gemeine Gaß, und hinten hiernachbeschriebenen Bau.

Ein Bau, beschloßenen Hoff, eigener Stallung und einer s:[alva] v:[enia] Tung Legin, nicht weniger einer Farb Werckstatt alles hinter obigem Hauß Zwsichen dem Kornhauß und dem Allmand Gäßle, stost Vorne auf ged:[achtes] Hauß, und hinten die Allmand.

Ferner aus der Farbwerckstatt, worauff vor disem Schweinställ gestanden, und 2. hoffstättlen gewesen.

Eine Gerber Werckstatt / neü erbaute Einstockete Behaußung hinter dem Kornhauß, Zwischen H[an]ß Jerg Pfleiderer Zeügmachers und Jacob Tobias Rappen Weibs gemein: shafftl.:[ichem] Hoff ein: anderseits dem Kornhauß, stost vornen auf ged:[achten] [Hans Jörg] Pfleiderers und Rappin hauß und hinten wieder dieser 2. ihrer s:[alva] v:[enia] TungLegin, zinnst dem Armen Casten allhier aus diser Werckstatt, worauf vor diesem Schweinställ gestanden und die helffte von 2. Hoffstättlen ist.

Gebäudebeschreibung 1831
Eine 3-stockige Behausung mit gewölbtem Keller und Dunglege in der Schmidemer Gasse beim Rathaus.

Ein Bau mit ganz eingeschlossenem Hof, eigener Stallung, Dunglege, auch Farbwerkstatt zwischem dem Kornhaus und dem Allmendgäßle.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Bei dem Gebäude Schmidener Straße 3 handelt es sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus innerhalb einer eng bebauten Häuserzeile auf der Südseite der Schmidener Straße. Über einer massiv gemauerten und durch Ladeneinbau modern überformten Erdgeschosszone erheben sich zwei verputzte Fachwerk-Obergeschosse. Nach oben schließt das Gebäude mit zwei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die schlichte Putzfassade besitzt giebelseitig Geschossvorstöße.

Bau- und Besitzgeschichte

Mithilfe der Abgaben in die Kellerei Waiblingen läßt sich die Besitzgeschichte des Grundstücks bis 1494 zurück verfolgen. Die erste Eigentümerin, über die Näheres bekannt ist, war Elisabetha, die Witwe des Stadtschreiber Marx Trunk. Ihr Ehemann Marx, der um 1490/1500 als Sohn des Waiblinger Stadtschreibers Hans Trunk geboren worden, hat selbst dieses Amt über den langen Zeitraum von ca. 1520 bis zu seinem Tod nach 1561 versehen. Trotz des kompletten Verlusts des städtischen Archivs 1634 sind noch viele von ihm geschriebene Dokumente erhalten, so dass wir zumindest über sein Schriftbild genau Bescheid wissen.

Die Zacher-Chronik berichtet über das Jahr 1645: „Leonhard Müller, Küfer baute über der Herberge zum roten Löwen zur linken Hand, wenn man dem Schmidener Tor zugeht.“ Der Eintrag kann nicht eindeutig der Schmidener Straße 3 zugeordnet werden, zumal der heute bestehende Bau für eine Datierung auf das Jahr 1645 zu groß erscheint. Bisher sind aus dieser Zeit nur kleinere und zweigeschossige Bauten bekannt, die die zur Verfügung stehenden Grundstücke nicht unbedingt voll ausnutzten (siehe z.B. Mittlere Sackgasse 9), wahrscheinlich weil in dieser Zeit die finziellen Möglichkeiten für größere Bauten nicht gegeben waren. Ohne eine bauhistorische Begutachtung und dendrochronologische Altersbestimmung läßt sich der Erbauungszeitraum nur ungefähr ins 17./18. Jahrhundert einordnen. 1671 befand sich das Gebäude im Besitz des aus Winnenden stammenden Sattlers Martin Pfleiderer, der auf der gegenüberliegenden Seite auch das Anwesen Schmidener Straße 2 bauen ließ.

Mit Beginn der Güterbücher befand sich das Anwesen zu drei Vierteln im Besitz des Zeugmachers Johann Georg Pfleiderer und zu einem Viertel der Witwe des Barbier Jakob Tobias Rapp. Danach ging die Besitzzersplitterung wild durcheinander, Eigentümer waren oft Angehörige der Familien Pfleiderer und Bunz, bis im frühen 19. Jahrhundert der Konditor Johannes Kaufmann das gesamte Anwesen in seinem Besitz vereinen konnte.

Auf der Parzelle 124 (später Parzelle 118a), hinter dem Haus, direkt ans Kornhaus angrenzend, befand sich 1745 eine Gerberwerkstatt, die Johannes Schertinger gehörte, auf einem Grundstück, auf dem davor zwei Schweineställe standen. Im Güterbuch ist vermerkt, dass es sich um die Hälfte von zwei Hofstätten handelte, die Bebauung auf dieser Parzelle muss also vor der Brandkatastrophe von 1634 ganz anders gewesen sein, vermutlich standen zwei Gebäude hinter dem Kornhaus quer zur Lange Straße, die rückwärtig bis zur Scheune hinter der Schmidener Straße 3 reichten. Schertinger ließ die Gerberwerkstatt zu einem einstockigen Wohnhaus umbauen und vertauschte es 1750 an den Zeugmacher Johann Friedrich Friedrich. Über die Familien Truckenmüller und Bunz gelangte es 1821 an den Konditor Johannes Kaufmann und wurde 1838 abgebrochen.

1494
Der Burger und Hans Uhlbacher aus einer Scheune am Kornhaus

1511
Der Burger aus einer Scheune am Kornhaus

1568
Elisabetha, Witwe des Stadtschreiber Marx Trunk, Anrainer: das städtische Kornhaus und hinten Martin Braun Häuser und Hans Klemm Scheune

1671
Martin Pfleiderer, Sattler, aus einer Herberge, Scheune und Hofraite, Anrainer: das städtische Kornhaus

1745
Drei Viertel Johann Georg Pfleiderer, Zeugmacher
Ein Viertel Jakob Tobias Rapp, Barbier

1755
Ein Viertel die Söhne von Mutter Rapp
Ein Achtel Christof Leonhard Weiß, Barbiergesell
Ein Achtel Melchior Gottlieb Weiß, Küfer

1757
Ein Achtel Johann Weiß, gekauft vom Bruder Christof Leonhard Weiß

1764
Die Hälfte Johann Bunz, gekauft von Johann Georg Pfleiderer

1771
Ein Viertel Johann Melchior Pfleiderer, Zeugmacher von Melchior Gottlieb Weiß

1774
Ein Viertel Johann Christof Pfleiderer, Konditor, ererbt von der Mutter, der Witwe des Johann Georg Pfleiderer

1777
Ein Viertel Johann Christof Pfleiderer vom Bruder Christian Pfleiderer

1778
Die Hälfte Johann Bunz, Weißgerber, von Christof Pfleiderer

1801
Die Hälfte Johannes Kaufmann, Konditor, vom Schwiegervater Johann Bunz

1826
Ein Viertel Johannes Kaufmann von Christian Pfleiderer Witwe

1836
Johannes Kaufmann, Konditor, ist Alleineigentümer des gesamten Anwesens einschließlich des rückwärtig stehenden eingeschossigen Hauses.

1847
Gottlob Bauder, Flaschner, von Johannes Kaufmann gekauft für 4.525 Gulden (mit Scheune)

 

Parzelle 124 (später 118a) einstockiges Haus hinter der Schmidener Straße 3

1745
Johannes Schertinger als Eigentümer einer Gerberwerkstatt genannt, die er später zu einem eingeschossigen Wohnhaus umbauen läßt.

1750
Schertinger vertauscht das Haus an Johann Friedrich Friedrich, Zeugmacher

1755
Friedrich vertauscht gegen Friedrich Truckenmüller und Magdalena Teuffel

1779
Das Haus gelangt über verschiedene Umwege an Johannes Bunz

1821
Christian Bunz, der es an Johannes Kaufmann, Konditor, verkauft

1838
abgebrochen