Erbaut: Erdgeschoss 1718 (inschriftlich datiert), Obergeschosse aus dem frühen 19. Jahrhundert
Parzellennummer 1836: 116
Grundfläche des Hauses 1836: 22,2 Quadratruten (entspricht ca. 182,2 qm)
Scheune: 18,9 Quadratruten (entspricht ca. 155 qm)
Steueranschlag 1745: 238 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Haus:
Geistliche Verwaltung Waiblingen 8 Kreuzer, 2 Heller
Scheune:
Geistliche Verwaltung Waiblingen 2 Kreuzer, 3 Heller
Haus und Scheune gemeinsam:
Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 4 Heller
Armen Kasten 10 Schilling oder 21 Kreuzer, 4 Heller
Hofstatt / Küchengarten:
Geistliche Verwaltung 10 Schilling oder 21 Kreuzer, 4 Heller
Inschriften:
1718
P[hilipp] I[akob]
W[eber]

Schmidener Str. 7 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Schmidener Str. 7 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2. stockichte Behasung mit einem gewölbten Keller, besonderer Scheuren und Hoffraithe in der Schmidemer Gaß, beÿm thor, zwischen dem Allmand Gäßle, und H:[err] Johannes Scherttinger Rothgerber, stost Vornen auf die Schmidemer Gaß, und hinten nachstehendes Hoffstättle, so dermahl ein Kuchen Gartt.

Eine Hofstatt 5¼ Ruthen im Meß, so dermahlen ein KuchenGartt, hinder Vorstehendem Hauß und Scheuren, Zwischen der Allmand und der Scheuren stoßt Vornen auf das Allmand Gäßle, und hinten die Statt-Scheuren.

Gebäudebeschreibung 1877
Ein 3-stöckiges Wohnhaus, 1. Stock von Stein, sonst Fachwerk mit gewölbtem Keller an der Schmidener Straße.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Das Gebäude Schmidener Straße 7 ist eine Mischung aus einem Neubau der Obergeschosse aus den 1830er Jahren und einem Erdgeschossbereich mit hoher Toreinfahrt, der von einem Vorgängerbau von 1718 stammt.

Am 09.02.1712 erwarb Rudolf Kaufmann, Metzger das Haus von Tobias Lang, Schuhmacher und Mesner um 700 Gulden, ein Kauf der aber von Philipp Jakob Weber „ausgelöst“ wurde. Die sogenannte „Losungsgerechtigkeit“ war eine Art Vorkaufsrecht, das im besitzzersplitterten Realteilungsgebiet Altwürttembergs ein wichtiges Instrument war, um zusammenhängende und wirtschaftlich sinnvolle Einheiten bilden zu können, nicht nur bei Gebäuden, sondern auch bei der Feldflur. In diesem konkreten Fall konnte Philipp Jakob Weber den Kauf wahrscheinlich nur übernehmen, weil er bereits Eigentümer der hinter dem Haus liegenden Scheune war, die gemeinsam mit dem Haus eine grundherrliche Abgabe in die Kellerei Waiblingen zu leisten hatte. Dies rechtfertigte die Losung, auch wenn es sich nur um den geringen Betrag von 1 Kreuzer 4 Heller handelte. Den hinter der Scheune liegenden Küchengarten hat Weber 1723 vom Hirschwirt Johann Heinrich Walch erworben. Damit war er im Besitz eines der größten, zusammenhängenden Anwesen in der Waiblinger Altstadt, das sich von der Schmidener Straße über drei Parzellen fast bis zum Hochwachturm erstreckte und aus einem Haus mit Scheune, rings um einen kleinen Innenhof gelegen sowie einem hinten daran anschließenden Küchengarten bestand.

Schmidener Str. 7 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Schmidener Str. 7 Schlußstein (Bildquelle: Martin Klöpfer)Philipp Jakob Weber ließ nach dem Kauf und möglicherweise dem Neubau des Hauses über der Toreinfahrt einen Schlußstein mit seinen persönlichen Merkmalen anbringen. Dieser besteht aus einer, aus geometrischen Figuren gebildeten Hausmarke, eine Art Bürger-Wappen, ergänzt um seine Initialien P[hilipp] I[akob] W[eber] und einer rahmenden, schildähnlichen, mit Palmzweigen besetzten Kartusche. Den oberen Abschluß bildete ein Fürstenhut, dessen Details nicht mehr eindeutig erkennbar sind, weil dieser Teil des Schlußsteins stark verwittert ist. Wahrscheinlich handelte es sich um ein einfaches, zinnoberrotes Barett mit Hermelinstulp, oben abgeschlossen durch einen goldenem Bügel mit Kreuz. Die unten stehende Darstellung stellt eine farbige Rekonstruktion dar.

Nach dem Tod des Philipp Jakob Weber 1728 ist für einige Jahre unklar, wer Eigentümer des Anwesens war. Ab 1745 ist mit Johann Balthasar Haiber, Bürgermüller, die Besitzfolge wieder gesichert. Ihm folgen durch Erbschaft oder Kauf weitere Vertreter der bürgerlichen oberen Mittelschicht, mehrere Bäcker, ein Rotgerber und ein Buchbinder. Im frühen 19. Jahrhundert gelangt das Anwesen durch Heirat mit einer Witwe in den Besitz des Werkmeisters (Architekten) Heinrich Lang, der einen schlichten Neubau unter Beibehaltung des Erdgeschosses und des Torbogens ausführen ließ.

1712
Tobias Lang, Schuhmacher und Mesner verkauft Haus und Hofraite an Rudolf Kaufmann, Metzger, ausgelöst von Herrn Philipp Jakob Weber für 700 Gulden. Weber besitzt die dazu gehörige Scheuer, wahrscheinlich aus dem Erbe seiner Frau Agnes Magdalena, geb. Pfleiderer, verwitwete Obermüller.

1723
Kauf des Küchengartens hinter der Scheune von Herr Johann Heinrich Walch, Hirschwirt

1728
Nach dem Tod des Philipp Jakob Weber verkaufen seine Witwe, die Tochter Katharina Cloß und der Sohn aus 1. Ehe Johannes Obermüller einige Güter, der Verkauf des Anwesens ist aber in den Kaufbüchern nicht feststellbar.

1745
Johann Balthas Haiber, Bürgermüller und Müllerobermeister (+ 1747)

1747
Witwe Maria Margaretha Haiber, geb. Bechtle (+1771)

1752
Ehenachfolger Hans Martin Jäger, Bäcker (+ 1758)

1773-1775
Johann Bernhard Lämmle, Bäcker, durch Kauf von einer großen Erbengemeinschaft mit folgenden Anteilen: Jakob Letters und Jakob Hermann je ein Drittel, Ludwig Häberle, Johannes Lorenz, Müller, zu Bittenfeld und Gottfried Lorenz, Provisor, je ein Neuntel

1808
Johann Friedrich Pfleiderer

1812
Michael Nägele, später Ehenachfolger Heinrich Lang, Werkmeister

1859
Karl Pfleiderer, Rotgerber

1880
Daniel Mergenthaler, Bäcker, mit Scheuer und Garten, gekauft um 12.000 Mark.

1891
Witwe Sofie Mergenthaler, geb. Kuppinger

1896
Albert Schäfer, Buchbinder