Parzellennummer 1836: 14
Grundfläche des Hauses 1836: 17,6 Quadratruten (entspricht ca. 144,5 qm)
Steueranschlag 1745: 410 Gulden
Grundherrliche Abgabe:
Kellerei Waiblingen 3 Schilling, 9 Heller oder 8 Kreuzer (geteilte Abgabe, davon 4 Kreuzer)
Armen Kasten Esslingen 19 Schilling, 6 Heller oder 41 Kreuzer, 5 Heller (geteilte Abgabe, davon 16 Kreuzer)
Untere Sackgasse 1 (Bildquelle: Barbara Klöpfer)
Der "Sack" (die Straßen Unterer, Mittlerer und Oberer Sack) nimmt einen Großteil des unteren Teils der Waiblinger Altstadt ein. Das Gebiet grenzt im Osten an die Lange Straße und im Norden und Westen an die Stadtmauer, die hier einen ihrer längsten Abschnitte hat. Der südliche Teil mit der Oberen Sackgasse mündet in den ehemaligen Hafenmarkt (beim Haus Lange Straße 32) und erreicht somit fast den Marktplatz. Der Bereich war der größte Arme-Leute-Wohnbereich in der Waiblinger Altstadt, der aber durchsetzt war von drei größeren Anwesen: 1.) einem Komplex um das Gasthaus Löwen, dessen Hauptgebäude zwar vorne in der Lange Straße 6 lag, dessen Nebengebäude sich aber nach hinten in den "Sack" erstreckten. 2.) Das Gebäude Untere Sackgasse 1, ein ehemaliges großes Bauernhaus mit Nebengebäuden, die sich bis zur Stadtmauer hinzogen. 3.) Ein weiterer, ehemals landwirtschaftlich geprägter Komplex mit einem Haus und einer Scheune. Das Haus befand sich auf einem Grundstück, das nach der Brandkatastrophe von 1634 geteilt wurde, heute stehen dort die Gebäude Mittlere Sackgasse 9 und 11. Dazu gehörte der Bau Mittlere Sackgasse 6, ehemals eine große Scheune, die auch heute noch eines der auffälligsten Gebäude in der Waiblinger Altstadt ist. Alle drei Gebäudekomplexe sind mehrfach mit grundherrlichen Abgaben belastet, was darauf schließen läßt, dass die Ursprünge wenigstens im Spätmittelalter liegen, wahrscheinlich aber noch weiter zurück reichen. Die zwischen diesen drei großen Komplexen und den langen, als Wohnplätze ziemlich unattraktiven Abschnitten an der Stadtmauer liegenden Restflächen, wurden in der Frühzeit gerne mit Scheunen besetzt oder mit meist einstockigen Häusern auf kleinen Parzellen bebaut. Als die Stadt nach und nach ihren landwirtschaftlichen Charakter verlor, wurden auch die Scheunen zu Wohnzwecken umgenutzt.
Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine 2 stockichte Behausung und Scheuren unter einem Tach mit einem gewölbten Keller und einem beschloßenen Höffle, alles beÿsam[m]en beÿm Gänßbronnen am Sack Gäßle, zwishen des Jnnhabers Scheuren Plaz, so dermahlen ein Kuchen Gartt ein: ander seits Herrn Advocat Weÿßers, Fr:[au] D.[oktor] CasParin, Christian Göllers Witt:[we] und des Jnnhabers Gemeinshafftl:[ichen] Hauß Hoffstatt, stost vornen auf das Zwerch Gäßlen, und hinten herrn Advocat Gall Weÿßers Scheuren.
Lage
Gebäudebeschreibung
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Die Anfänge des Anwesens Untere Sackgasse 1, einem stattlichen Gebäude, in dem ursprünglich ein Haus und eine Scheune untergebracht waren, reichen wahrscheinlich bis ins Mittelalter zurück. Dies legen die Einträge in den Lagerbüchern der Kellerei Waiblingen und des Armen Kasten Esslingen nahe. In beide Institutionen hatte dieses Haus gemeinsam mit benachbarten Bauten Zinsabgaben zu leisten, allerdings bei der Kellerei Waiblingen mit den Gebäuden Untere Sackgasse 4 und 6 und beim Armen Kasten Esslingen mit dem benachbarten Haus Untere Sackgasse 3. Da die Einträge im Kellerreilagerbuch wahrscheinlich älteren Ursprungs sind, läßt sich daraus schließen, dass zunächst die Grundstücke Untere Sackgasse 1, 4 und 6 und später Untere Sackgasse 1 und 3 zusammen gehörten. Dabei dürfte auf der Parzelle Untere Sackgasse 1, als dem größten Grundstück, das Hauptgebäude gestanden haben, auf den anderen Grundstücken befanden sich wahrscheinlich kleinere Häuser oder Nebengebäude.
Die Besitzverhältnisse sind aufgrund der Eintragungen in den Lagerbüchern gut nachvollziehbar und werden hier bis zum Beginn der Güterbücher im Jahre 1745 auch für alle zugehörigen Nachbargebäude dargestellt, da in den Lagerbüchern oft nicht deutlich wird, wie die Besitzverhältnisse im Detail aufgeteilt waren. Der erste Eigentümer über den nähere Einzelheiten bekannt sind, ist Hans Lidhorn, der von 1523 bis 1535 Untervogt in Waiblingen war. Die Vögte gehörten meist zu den wohlhabendsten Bürgern einer Stadt und hatten oft nebenbei umfangreichen Grundbesitz, den sie von Personal bewirtschaften ließen. Hans Lidhorns Anwesen wird bereits in der Herdstättenliste mit dem hohen Betrag von 250 Gulden angeschlagen, zudem hatte er Haus und Hof in Neckargröningen. In der Türkensteuerliste von 1545 zinste er aus 4.000 Gulden, wahrscheinlich dem höchsten Vermögensanschlag im ganzen Amt Waiblingen, sein gleichnamiger Sohn aus weiteren 300 Gulden.
Im Lagerbuch von 1568 sind Hans Nutzbeck und Christian Aigenmann als Eigentümer genannt, zu den zinspfichtigen Gebäuden gehörten damals zwei Häuser und eine Scheune. Aigenmann hatte den Teil an der Stadtmauer inne, also vermutlich Untere Sackgasse 4 und 6. Er war zusätzlich Besitzer des Hauses Zwerchgasse 7 und hat möglicherweise dort gewohnt. Das Haus Untere Sackgasse 1 gehörte Hans Nutzbeck, der im Kellereilagerbuch von 1568 zudem als Besitzer von 10 Morgen Acker in Waiblingen sowie 3 Morgen Acker und 5 Morgen Wiesen in Beinstein genannt ist. Da bei weitem nicht alle landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Lagerbüchern verzeichnet sind, ist davon auszugehen, dass sein Güterbesitz weit umfangreicher war und er als reicher Bauer einzuschätzen ist. Im Lagerbuch des Armen Kasten Esslingen von 1612, hier betreffen die Einträge die Gebäude Untere Sackgasse 1 und 3, ist immer noch Hans Nutzbeck gemeinsam mit Hans Staib und Georg Schindele Eigentümer der beiden Häuser. Allerdings gibt Nutzbeck eine Teilabgabe von 18 Schilling 6 Heller und die beiden anderen Beteiligten nur gemeinsam 1 Schilling. Hans Nutzbecks Teil am Gesamtbesitz scheint also deutlich größer gewesen zu sein.
Über die Bebaung nach der Brandkatastrophe berichtet die Zacher-Chronik: „1644: Johannes Binder, Hauptmann, baute auf Jörg Schindelin Hofstatt hinter Jörg Langen Haus und verkaufte es hernach an Hans Georg Mauz, Rittmeister”. Im Kellereilagerbuch von 1671 sind Hans Binder, Bürgermüller und Andreas Weißer als Eigentümer genannt.
1494
Ulrich Dobler und Hans Heppeler aus ihren 2 Häusern und Scheune hinterm Gabbronnen
1511
Ulrich Dobler und Hans Lidhorn
1568
Hans Nutzbeck und Christian Aigenmann aus ihren 2 Häusern und Scheune, Ainrainer: Herr Ulrich Dobler Hofraite, Melchior Häusele Scheune, Michael Wertwein und Hans Lang Scheune und Jörg Ecklinger Hofraite, Anna, Michael Sattler Witwe und Hans Beck Scheune
1612
Hans Nutzbeck, Hans Staib und Georg Schindele 2 Häuser beim Galgbronnen, Anrainer: Christof Sattler und Hans Klein
1644
Johannes Binder, Hauptmann, baut auf Jörg Schindelin Hofstatt hinter Jörg Langen Haus und verkauft es hernach an Hans Georg Mauz, Rittmeister
1671
Hans Binder, Bürgermüller, und Andreas Weißer, Metzger, aus einem Haus und einem Scheunenplatz, Anrainer: Hans Georg Krauß, Gall Weißer Scheune und Abraham Bertsch Haus
In den Güterbüchern ab 1745 betreffen die Einträge nur das Haus Untere Sackgasse 1 und nicht wie davor auch die jeweiligen Nachbargebäude.
1745
Johann Martin Jäger, Bauer
1752
An Adam Schmied verkauft
1789/1798
Adam Schmied verkauft Johann Friedrich Weber und Bernhard Abbrecht je eine Hälfte
1836
Alt Christian Spaich ein Viertel
Jung Christian Spaich drei Achtel
Leonhard Abbrecht ein Achtel
Jakob Friedrich Pflüger ein Viertel