Erbaut: Erdgeschoss 1600 (inschriftlich datiert), Fachwerk-Obergeschoss 1652 (inschriftlich datiert), Umbau der Scheune zur Wohnnutzung 1776 (archivalisch datiert)
Parzellennummer 1836: 193
Grundfläche des Hauses 1836: 21,5 Quadratruten (entspricht ca. 176,5 qm)
Steueranschlag 1745: 346 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Spital Esslingen 8 Schilling, 17 Kreuzer, 2 Heller
Armenkasten Waiblingen 10 Schilling, ½ Pfund, 21 Kreuzer, 3 Heller
Stadtpflege 4 Kreuzer, 2 Heller
Kellerei Waiblingen 7 Kreuzer, 3 Heller aus einer Dunglege, die eine halbe Hofstatt ausmachte
Inschriften:
Am Erdgeschoß über der Eingangstür: 1600
Oben am Haus: 1652 C[ristof] F[riedrich] C[aspar]
Über der zweiten Eingangstür:
IA KTH [Johann Andreas Kietaisch]
CM KTH [Catharina Magdalena Kietaisch]
EGBR [momentan nicht auflösbar]
1792

Zwerchgasse 6  (Bildquelle: Markus Numberger)Zwerchgasse 6 (Bildquelle: Markus Numberger)

Das Haus Zwerchgasse 6, der sogenannte Casparische Bau liegt auf einer großen Parzelle an der Ecke zur Scheurengasse. Der Bereich, der unterhalb der Zwerchgasse zwischen der Langen Straße und der Scheurengasse fast bis zum Marktplatz reicht, ist gekennzeichnet durch eine Aufteilung in lange, schmale Parzellen, auf denen zur Lange Straße hin Häuser stehen. Im rückwärtigen Bereich sind Scheunen angebaut meist getrennt durch einen kleinen Hof. Das Haus Zwerchgasse 6 bildet dabei die Rückseite der Häuser Lange Straße 43 und 45, die sich den Platz an der Lange Straße teilen. Allerdings ist das Gelände, auf dem diese drei Gebäude stehen fast doppelt so breit wie die unten anschließenden schmaleren Parzellen.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine großen Scheuren, der CasParische Bau genannt, mit 2.en steinernen Stöcken, worunter ein groß gewölbter Keller, in der ZwerchGaß, Zwischen der Gaßen ein: anderseits Joh:[ann] Bernhard Pfleüderer Sattlers auch David Scherttingers Cronen Wirths behausungen, stost Vornen auf die Zwerch Gaßen, und hinten Johannes Binders Witt:[we].

Einer s. v: Tung Gerechtigkeit in der ZwerchGaßen, so die helffte von einer Hofstatt, und ohngefehr 1¾ Ruthen Plaz ist, ohnfern obigem Bau, Zwischen Johann Fridrich Kauffmann, und Johannes Waßmuß, Schuchmachern, stoßt vornen auf die Zwerch Gaßen, und hinten ged.[achten] [Johann Friedrich] Kauffmanns Tung Legin.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
Beim Gebäude Zwerchgasse 6 handelt es sich um ein zweigeschossiges Gebäude in Ecklage zur Scheurengasse. Das sehr markante und straßenbildprägende Bauwerk besitzt eine hohe, massiv gemauerte Erdgeschosszone mit teils aufwändig gestalteten Sandsteingewänden. Besonders auffallend sind hier die beiden rundbogigen Scheunentore an der östlichen Traufseite. Das Obergeschoss, sowie die Dachgeschoss-Giebelscheiben wurden als Fachwerkkonstruktion abgezimmert und sind fachwerksichtig. Das Gebäude schließt nach oben mit drei Dachgeschossebenen unter einem Satteldach ab. Die einzelnen Geschossebenen zeigen sowohl giebel- als auch traufseitig leichte Stockwerksvorstöße.

Bau- und Besitzgeschichte
Da die Zwerchgasse 6 in das Spital Esslingen zinspflichtig war, läßt sich die Besitzgeschichte des Hauses auch über den Stadtbrand von 1634 hinaus anhand der Esslinger Lagerbücher ermitteln. Der erste für den heutigen Bau relevante Besitzer ist Sebastian Schöck, der 1569 genannt ist. Er war einer der reichsten Waiblinger Bürger, gehörte zur städtischen Ehrbarkeit und ist in einem Schuldnerverzeichnis von 1591 als derjenige Gläubiger genannt, der 2.200 Gulden verliehen hatte, die höchste Summe im ganzen Amt Waiblingen. Wie in der städtischen Ehrbarkeit üblich, verheiratete er seine Tochter Maria nach außerhalb an Bernhard Grimmeisen, Hauptmann und Burgvogt in Stuttgart. Bernhard Grimmeisen erscheint 1583 als Fähnrich und während des Türkenkrieges als Kriegskommissar in Ungarn. Von 1586 bis 1593 war er württembergischer Burgvogt, ab 1587 auch Hauptmann der Trabanten in Stuttgart. Von 1595/96 an ist er als Hauptmann von Haus aus in Waiblingen bezeugt. Er starb am 22.08.1600, das Epithaph der Familie befindet sich an der Außenseite der Michaelskirche. In zweiter Ehe heiratete seine Witwe Abraham Müller aus Waiblingen, der im Esslinger Lagerbuch von 1600 auch als Eigentümer des Gebäudes Zwerchgasse 6 genannt ist. Für das mit der Jahreszahl 1600 datierte steinere Untergeschoss, das den Stadtbrand von 1634 überstanden hat, dürfte Bernhard Grimmeisen der Bauherr gewesen sein. Die Zacher Chronik vermerkt, dass 1652 Christof Caspar den schönen Grimmeisischen Keller überbauen ließ. Caspar gehörte zur nächsten Generation der Familie und hatte die am 13.08.1614 geborene Tochter Maria Margaretha des Bernhard Grimmeisen geheiratet. Er war Bürgermeister in Tübingen, dann Rat von Hause aus, wurde 1646 als Landschaftseinnehmer gewählt und ist am 25.06.1666 gestorben. Die Familie Grimmeisen-Caspar gehörte zu den vornehmsten Familien des Landes, so war z.B. Herzog Ludwig Pate eines des Grimmeisischen Kinder. Während die führenden Familien in Waiblingen stark lokal, in der Stadt oder der näheren Umgebung verwurzelt waren, so kamen z.B. die Bürgermeister aus Waiblinger Handwerkerfamilien, gehörte die Familie Grimmeisen-Caspar zur württembergischen Ehrbarkeit, die, häufig in herzoglichen Diensten überregional agierte und mit den vornehmsten Familien der Region versippt und verschwägert war. Trotzdem scheint sie, als Nachkommen und Erben der Familie Schöck in Waiblingen gelebt zu haben.

Bis ins 18. Jahrhundert wird der Bau in den Quellen als „Scheuer“ bezeichnet. Erst 1776 wurde das Gebäude von der Erbengemeinschaft Weiß-Krauß für eine Wohnnutzung umgebaut. Vermutlich erhielt in diesem Zusammenhang oder etwas später das Erdgeschoss eine zweite Tür, die 1792 mit den Initialen der damaligen Besitzer IA KTH (Johann Andreas Kietaisch), CM KTH (Catharina Magdalena Kietaisch) und EGBR (momentan nicht auflösbar) versehen wurde. Inwieweit in diesem Zusammenhang weitere Umbauten gemacht wurden, ließe sich nur durch eine umfassende bauforscherische Untersuchung klären.

Der Bau stellt mit seinem aus dem Jahre 1600 erhaltenen Untergeschoss und dem Fachwerkaufsatz von 1652 das beste in Waiblingen erhaltene Beispiel für einen repräsentativen Bau aus der Renaissancezeit dar.

1476
Andreas Metzger und Christian Maier sind in einem Lagerbuch des Spitals Esslingen als Eigentümer genannt.

1569
Meister Bastian Schöck

Um 1600
Abraham Müller

Renaissancezeitliches Türgewände mit der Inschrift 1600 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Renaissancezeitliches Türgewände mit der Inschrift 1600 (Bildquelle: Jörg Heinrich)

1652
Christof Caspar, Landschaftseinnehmer

1745
Herr Adam Weiß, Chirurg

1750-1775
Der Schwiegersohn Johann Friedrich Krauß kauft und erbt nach und nach drei Viertel des Gebäudes, ein Viertel gelangt an den Sohn Adam Weiß.

1784
¾ Adam Friedrich Kraus, Bäcker Sohn

¼ Christof Friedrich Weiß Ehenachfolger

1791
Andreas Kietaisch, Schuhmacher

Inschrift 1792 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Inschrift 1792 (Bildquelle: Jörg Heinrich)
 

1822 und 1826
je eine Hälfte an Gottlob Kietaisch

1834 und 1836
Christian Pflüger, Küfer

1859
Christian Herzog, Seifensieder