Erbaut: um 1649, 1787 um ein Stockwerk erhöht
Parzellennummer 1836: 107
Grundfläche des Hauses 1836: 8,1 Quadratruten (entspricht ca. 66,5 qm)
Steueranschlag 1745: 159 Gulden
Grundherrliche Abgabe:

Kellerei Waiblingen 1 Kreuzer, 1,5 Heller
Geistliche Verwaltung ½ Pfund oder 21 Kreuzer, 3 Heller

Zwerchgasse 8 (Bildquelle: Jörg Heinrich)Zwerchgasse 8 (Bildquelle: Jörg Heinrich)

 

 

 

 

 

 

 

Das Haus Zwerchgasse 8 steht an der Kreuzung der Lange Straße mit der Schmidener Straße, die sich hier in die Zwerchgasse verlängert, eine der wichtigsten Straßenkreuzungen in der Waiblinger Altstadt mit einer sehr dichten Bebauung. Gegenüber befindet sich das städtische Kornhaus, das zweite Waiblinger Rathaus. Rückwärtig schließt sich das Gebäude Zwerchgasse 6 an, ein großes Grundstück auf dem eine Scheune, in den Quellen der “Kasparische Bau” genannt, stand, die im späten 18. Jahrhundert zum Wohnhaus umgebaut wurde. Das Haus Zwerchgasse 8 steht auf einer vergleichweise kleinen Parzelle auf der für Nebengebäude kein Platz ist. Die Giebelseite des Hauses befindet sich in der Lange Straße und die Traufe in der Zwerchgasse, so dass eine Hausnummer in der Lange Straße eigentlich passender wäre.

Gebäudebeschreibung im Güterbuch 1745
Eine Kleine 2. stockichte Behausung mit einem gewölbten Keller in der Langen Gaßen beÿm Alten Ratthauß, zwischen Johann David Scherttinger CronenWirth, vnd der ZwerchGaßen, stost Vornen auf die Lange Gaßen, und hinten H[err] Johann Adam Weißen Scheuren, dem CasParischen Bau genannt.

Lage

 

Gebäudebeschreibung
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Bau- und Besitzgeschichte
Die Zacher-Chronik berichtet über das Jahr 1649: „Ludwig Haag, Küfer, baute auf Kannengießer Hans Ulrich Kienzle Eckhofstatt, oben gegenüber dem Kornhaus“. Ludwig Haag wurde in Waiblingen am 20.09.1617 als Sohn des Abraham Haag getauft und als 1639 beim ersten Vogtgericht, das nach der Brandkatastrophe von 1634 in Waiblingen abgehalten wurde, eine Bestandsaufnahme der Bürgerschaft erfolgte, wird er unter den 20 jungen Bürgersöhnen aufgeführt, die im Krieg oder auf Wanderschaft waren. In einem undatierten Nachtrag des Lagerbuches der Geistlichen Verwaltung Waiblingen ist er um 1650 als Besitzer eines anderen Hauses in der Kurzen Straße, in der Nähe der Nikolauskirche, genannt, das davor im Besitz seines Vaters Abraham Haag war. Weshalb er 1649 in der Zwerchgasse 8 und nicht auf dem ererbten Grundstück in der Kurzen Straße gebaut hat, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Ab ca. 1650 war Haag Küfer der Adelberger Klosterpflege und Stadtküfer, auch Kastenknecht in Waiblingen, 1646 hatte er Anna Elisabetha, die Witwe eines Soldaten geheiratet, die wahrscheinlich nicht aus Waiblingen stammte. Seine Tochter Anna Katharina verehelichte sich am 15.08.1671 mit dem aus Bittenfeld stammenden Bäcker Hans Kaspar Schiller, dem Urgroßvater des Dichters Friedrich Schiller; Ludwig Haag ist demnach ein Schillervorfahre.

Die Besitzgeschichte des Hauses läßt sich mithilfe der Kellereilagerbücher bis 1494 zurück verfolgen, allerdings ist über die ersten beiden Eigentümer, Hans und Ulrich Schmied, nichts weiter bekannt. Im Jahre 1568 ist Hans Kienzle als Eigentümer des Hauses Zwerchgasse 8 im Kellereilagerbuch genannt. Kienzle war Seiler und ein Stiefbruder von Jörg Minner in Kornwestheim, einem wohlhabenden Bauern, der mit Kreditgeschäften sehr reich geworden war und bei seinem Tod 1599 ca. 70.000 Gulden hinterlassen hat. Bei ihm war Kienzle 1591 mit 100 Gulden verschuldet, zählte als Handwerker mit dem bescheidenen Besitz eines eher kleinen Hauses aber zur städtischen Mittelschicht. Er hat 1564 in Markgröningen Praxedis Schick geheirate und ließ 1565 und 1567 einen Sohn Hans Ulrich und eine Tochter Katharina taufen. 1566 und 1569 wurde er als Spießer mit Rüstung in der ersten Wahl gemustert. Sein Sohn und sein Enkel, die ebenfalls Hans Ulrich mit Vornamen hießen, waren beide Kannengießer, die im Remstal auch „Kantengießer“ genannt wurden und stellten per Zinnguß alltägliche Gegenstände wie Flaschen, Krüge und Trinkbecher her. Der zweite Hans Ulrich, am 05.04.1606 in Waiblingen geboren, ist im ersten Vogtgericht von 1639 auch unter den jungen Bürgersöhnen genannt, die nicht anwesend waren. Er hatte aber bereits 1628 in Stetten Ursula Kunzmann geheiratet und 1630, 1632 und 1633 drei Kinder, Hans Ulrich, Anna Maria und Hans Georg taufen lassen. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt, auch läßt sich nicht erschließen, weshalb die Familie das Grundstück in der Zwerchgasse 8 an Ludwig Haag abgegeben hat, obwohl zumindest der Sohn Hans Ulrich, Schuhmacher, in Waiblingen verblieben ist und eine Familie gegründet hat.

1494
Hans und Ulrich Schmied

1568
Hans Kienzle, Seiler

1649
Ludwig Haag, Küfer "baute auf Kannengießer Hans Ulrich Kienzle Eckhofstatt, oben gegenüber dem Kornhaus" ein neues Haus

1745
Johann Adam Schmied, Tuchmacher

1752
An Friedrich Frei, Handelsmann Hausfrau, verkauft

1756
An Johann Philipp Becherer verkauft

1787
Wegen einer Aufstockung den Anschlag um 7 Gulden 30 Kreuzer erhöht

1803
Eine Hälfte an den Sohn Gabriel Becherer

1810
An Johann Georg Spaich und Ludwig Friedrich Lang je hälftig verkauft

1818
Johann Georg Spaich verkauft seine Hälfte an Philipp Jakob Becherer

1826
Diese Hälfte an Friedrich Kaiser verkauft

1836
Johannes Villinger, Wundarzt, und Friedrich Kaiser je hälftig